London (ENG)

 

Ein Power-Weekend in London

 

whufc West Ham United FC – West Bromwich Albion FC wbafc

28.12.2013, Premier League, Boleyn Ground/Upton Park, Endstand 3:3

pdc Dart WM 2014, Viertelfinals

28.12.2013, Alexandra Palace, P. Wright – W. Newton 5:4, I. White – S. Whitlock 4:5

cafc Charlton Athletic FC – Sheffield Wednesday FC swfc

29.12.2013, Premier League, The Valley, Endstand 1:1

 

Teil 1

London Über Bremen, wo wir noch einen Freund trafen, der uns beim anstehenden Rückrundenauftakt gegen Werder beherbergen wird, reisten wir weiter nach Stansted und kamen am späteren Nachmittag, mit der üblichen Stunde Zeitgewinn, in Bethnal Green/London an. Hier erwartete uns bereits Ingo, den ich während meines Belgien-Trips kennengelernt hatte. Nach Check-in im Hotel Plaza London (2 Nächte inkl. Frühstück 100,- GBP, unser Zimmer war ein fensterloser Mini-Raum im Keller, 2 WC und 1 Dusche für 3 Zimmer waren auf dem Flur) wurde der erste Abend zur Erkundung der Gegend genutzt. So ging es entlang der Roman Road und Bethnal Green Road, wo sich Laden an Laden reihte. Jede Menge Fastfood, was das Herz begehrte – auffällig waren überall die vielen, vielen Chickenbrätereien. Wir entschieden uns aber klassisch für Fish´n´Chips – mit Dorsch und baumstammähnlichen Pommes. Geil.

London Im großen Pub-Check ergab sich folgende Rangliste: 3. Salmon & Ball. Ordentliche Bierauswahl zu guten Preisen, aber wenig gemütlich – zudem roch es im ganzen Raum extrem nach Klostein. Kein Essen. 2. Old George. Wirkt jugendlicher, obwohl geschmackvoll alt eingerichtet, und war kalt – ein 30×30 cm kleiner Heizlüfter für den großen Raum, das kann nicht funktionieren. Scheinbar auch kein Essen. 1. Star of Bethnal Green. Preislich voll okay, das Essen kostet schon was, auch vegetarisch dabei. Schön eingerichtet, separater Karaoke-Raum. Altersmäßig sehr gemischt. Vorsicht vor dem Grapefruit-Ale! Regelmäßig Veranstaltungen, an diesem Abend X-Mas Party mit DJs.

The Ground

Das kontinentale Frühstück war vielfältig, dafür dass gemeinhin nur Toast mit Butter und Marmelade sowie Kaffee darunter verstanden wird. Obstsalat, Säfte, Ei, Käse, Wurst und Joghurt sorgten für einen guten Start in den Tag. Im Anschluss besorgten wir eine Tageskarte (8,- GBP für 4 Zonen) und fuhren per Tube (U-Bahn) erstmal nach Stratford. An diesem großen Verkehrsknotenpunkt befinden sich die riesige Westfield Mall und das Olympiagelände. Leider war letzteres nicht zu betreten, so konnten wir die in etwa zwei Jahren bezugsfertige neue Spielstätte des West Ham United FC nur aus der Ferne betrachten. Also fuhren wir weiter über West Ham nach Upton Park, wo um 12.30 h das Erstligaspiel West Ham – West Brom beginnen sollte. Das Ticket schlug mit 44,- GBP (ca. 58,- EUR) schon ins Kontor, zusammen mit ´nem Quarter- oder Halfpounder (Burger) und 1-2 Getränken waren da mal eben um die 70,- Euro in 120 Minuten weg. Aber man muss es mal gemacht haben, zudem ist das Drumherum auch interessant.

London
Auf der Straße, vor dem Stadion trank so gut wie niemand. Wenn überhaupt im Pub oder im Stadion, aber allgemein hatte ich den Eindruck, dass Alkohol am Spieltag längst nicht so eine zentrale Rolle spielt wie in Deutschland. Die Buden draußen verkauften ausschließlich Essen und Softdrinks, auch noch nach dem Spiel, als die Stände im Stadion schon längst geschlossen hatten. Der Zugang erfolgte, klassisch für Großbritannien, durch Drehkreuze (Turnstiles), eine Kontrolle fand nicht statt, außer bei Rucksäcken. 34.946 Zuschauer waren gekommen, um die Hammers oder die Baggies im Abstiegskampf zu unterstützen. Der eigentlich landesweit verordnete Sitzzwang wurde in vielen Bereichen des Boleyn Ground, wie der Upton Park eigentlich heißt, über die kompletten 90 Minuten ignoriert. Weitere Eindrücke vom Spiel bietet auch unser Video.

London
Insgesamt war es ein munteres Auf und Ab, auch gefühlsmäßig. Die frühe Führung der Hammers drehte West Brom noch in der ersten Hälfte durch einen Anelka-Doppelpack, was allerdings durch den Torjubel per Quenelle-Gruß, eine auf einen der Front National nahestehenden “Komiker” und Schauspieler zurückgehende Art eines verhinderten Hitlergrußes (siehe das Galeriebild von Bubbles dem Bär) einen faden Beigeschmack erhielt. Die Fans der Baggies gefielen durch recht konstanten Support. Mitte der zweiten Halbzeit sahen nun die Irons nach einem Doppelschlag wie der sichere Sieger aus, jedoch währte die Freude, die auch durch automatisches Ausbringen von ordentlich Seifenblasen (Bubbles!) kundgetan wurde, nur 2 Minuten. Denn mit dem dritten Tor innerhalb von 5 Minuten konnten die Gäste schließlich den Endstand herstellen, wobei die Punkteteilung angesichts des Spielverlaufs die Hausherren sicher schwerer traf.

The Palace

London Für den Abend hatten wir geplant, auf blauen Dunst zum Alexandra Palace zu fahren, um dort vielleicht doch noch Zutritt zu den ersten Viertelfinalspielen der alljährlich dort stattfindenden Dart WM zu bekommen. Den Vorverkaufsstart im Juni(!) hatten wir natürlich verpasst. Gesagt, getan. Schon im Zug trafen wir auf verkleidete Dartfans, und vom Bahnhof wand sich bald eine ansehnliche Schlange aus Menschen den Hügel hoch. Vor dem Ally Pally angekommen mussten wir erstmal die einmalige Aussicht über ganz London bei Nacht bestaunen. Kurz darauf boten uns 5 deutschsprachige Schneemänner zwei Tickets an – für nur 20,- GBP das Stück! Das dritte für einen Platz ganz in der Nähe kostete uns 30,- GBP nach harten Verhandlungen mit einem “Professionellen” – und schon konnten die großen Hallen betreten werden. Vorbei an unter anderem sechs Astronauten, vier Jockeys und den Mario Brothers mit Prinzessin Peach und Toad besorgten wir Getränkemarken, besahen den Turnierplan und überlegten, ob wir für ein Foto mit dem Pokal und der ein- oder anderen Dartlegende zur Verfügung stünden. Letztlich blieb es dann doch beim Getränkekauf, und pünktlich zum Countdown saßen wir auf der Mitteltribüne und wurden Zeugen einer großen Party und zweier spannender Matches. Zum Verlauf des Abends möchte ich gar nicht so viel sagen, außer dass wir nette Engländer kennenlernen durften, von denen der vor uns von der Seite fast aussah wie Torsten Lieberknecht. Vielmehr soll dieses kurze Video die Phantasie des Betrachtenden anregen und diesen Abend beschließen. Weiter unten folgt dann Teil 2.

Weitere Links:

The Star of Bethnal Green
The Old George
Alexandra Palace

Fotogalerie (zum Vergrößern klicken)

 

 Teil 2

London Nach dem Frühstück war es an der Zeit für den Touri-Teil. Ausgehend vom Piccadilly Circus spazierten wir die Regent Street hinunter, vorbei am Crimean War Memorial und der Duke of York Column bis an den St. James Park, wo wir einen flüchtigen Blick auf den Buckingham Palace erhaschten. Weiter ging es durch Whitehall, wo die Horse Guards wachen, zu Big Ben und Westminster Abbey. Am Westminster Pier gelang dann der erste großzügige Blick auf die Themse sowie die County Hall, die unter anderem das Sea Life Aquarium und London Dungeon beherbergt, und das Riesenrad London Eye. Eine Bootstour von hier hätte zu lange gedauert, daher machten wir rüber zum Tower. Mit Tagesfahrkarte, die übrigens für Busse, Tube und Züge gilt, bekamen wir Ermäßigung, sodass das Ticket 4,30 GBP kostete – und diesmal fuhr mir kein Boot vor der Nase weg. Bis Greenwich Pier ging die zügige Fahrt, ein anschließender Fußmarsch von knapp 10 Minuten führte uns vorbei an der Cutty Sark bis zur Greenwich Station, und ab hier übernahm ein Zug den Weitertransport über 3 Stationen bis Charlton.

The Valley

The Valley liegt keine 300 m vom Bahnhof entfernt. Direkt am Stadion befindet sich der Fanshop, das Menschen- und Budenaufkommen fiel etwa zwei Nummern kleiner aus als Tags zuvor. Hier probierte ich mutig Bovril, ein bei britischen Fans sehr beliebtes und wohl kraftspendendes Heißgetränk, das sehr einer Brühe ähnelt. Für kalte Tage empfehlenswert und dazu vielseitig verwendbar.

London
Trotz Abstiegskampfes in der Championship, Englands zweiter Liga, kamen 16.377 Zuschauer ins Valley und sahen eine erste Halbzeit zwischen Charlton und Sheffield, die, nun ja, sehr zerfahren war. Gut, der Platz war in sehr schlechter Verfassung, aber das soll keine Entschuldigung für das zusammenhanglose Geschwake sein, worin sich beide Teams zu überbieten schienen. Als Fan eines der beiden Clubs hätte mir das Zusehen körperliche Schmerzen bereitet. Folgerichtig blieb es beim torlosen Unentschieden zur Halbzeit. Highlight war der gut gepolsterte Owls-Fan, der früh blankgezogen hatte und immer wieder die Stimmung unter den Wednesday-Anhängern anheizte. Auch dass die heimischen Addicks-Fans ziemlich ultramäßig supporteten (mit Trommel!) überraschte.

London Nach dem Seitenwechsel startete Charlton Athletic schwungvoller, und siehe da: nach nur 2 Minuten zappelte das Leder im Gehäuse der Owls, nachdem die Hintermannschaft bei einem langen Einwurf schlief und das finale Zuspiel endlich mal beim Stürmer ankam. Jedoch sollte die Führung nur 12 Minuten Bestand haben, dann drückte Sheffield das Spielgerät aus abseitsverdächtiger Position zum verdienten Ausgleich über die Linie. Danach gab es noch ein paar Möglichkeiten, die aber alle ungenutzt blieben. Auch ein Elfmeterpfiff blieb den Gästen verwehrt. Ein paar Highlights der Partie sind in unserem Video zu sehen.

The End

London Zwischenzeitlich war es dunkel geworden und somit auch Zeit, das Gepäck aus dem Hotel zu holen und einen Scheidebecher zu genießen, denn unsere Wege trennten sich bald. Hierzu suchten wir den Florist Arms Pub auf und kamen zusätzlich noch in den Genuss der Pizza-Aktion. Sonntags und montags kostet jede Pizza nämlich nur 6,- GBP – und die Dinger sind echt gut. Ordentlich groß, knusperdünn, ausgewogen belegt und geschnitten werden sie serviert. So verabschiedeten wir uns von Ingo und nahmen den Stansted Express, um zum Holiday Inn Hotel am Flughafen zu gelangen. Dort wollten wir die letzte Nacht verbringen, um morgens früh entspannt den Flug nehmen zu können, erfuhren aber erst im Bus, dass man nicht zu Fuß dorthin gelangen könne – natürlich musste ein Shuttlebus für 3,- GBP pro Fahrt und Richtung in Anspruch genommen werden… Dafür ist das Hotel großartig, und zum Frühstück gibt es unter anderem original Baked Beans, Rührei und Würstchen. Ist für empfindliche Fluggäste vielleicht zu schwer am frühen Morgen, aber bei uns gab es keine Probleme, sodass wir zusammen mit der Sonne die Insel verließen, denn der Wetterbericht ließ nichts gutes erahnen.

Weitere Links:

London Eye
Bovril (Wikipedia)
The Florist Arms

Fotogalerie (zum Vergrößern klicken)

 

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