Teneriffa (ESP) und Manchester (ENG)

 

 CD Tenerife – CA Osasuna 

13.09.2009, Primera Division, Estadio Heliodoro Rodríguez Lopéz, Endstand: 2:1

 Manchester United FC – Manchester City FC 

20.09.2009, Premier League, Old Trafford, Endstand: 4:3

Von Braunschweig über Teneriffa nach Manchester

Teneriffa Meine Fußballreise ging in diesem Jahr auf die Insel Teneriffa und nach Manchester. Da einige Mitstreiter sich in diesem Jahr sehr zeitig für eine Schottlandtour entschieden hatten, ich aber aus Umzugsgründen meine Zweifel hatte, neben des meiner Dame versprochenen Strandurlaubs noch eine Fußballreise finanziell gewuppt zu bekommen, entschied ich mich, die Schottlandreise auf das nächste Deutschland-Auswärtsspiel dort zu verschieben. Die finanzielle Lage entwickelte sich glücklicherweise nicht so prekär wie zuerst befürchtet und so suchte ich mir eine Stadt in England aus, welche in ihrem Umfeld einige Vereine beherbergt und somit für eine hohe Wahrscheinlichkeit zu einem oder zwei Kicks steht. Da der Spielplan in England noch nicht raus war suchte ich mir ein Wochenende nach Rahmenplan der FIFA aus, denn an Länderspielwochenenden wird auch in England über Liga 3 nicht gespielt. Ein Billigflug wurde für das Wochenende vom 18.-21. September 2009 auch schnell gefunden und es sollte per Direktflug mit flybe von Hannover nach Manchester gehen. Im Übrigen fliegen die von diesem schmutzigen Nest in der Nähe der schönsten Stadt der Welt auch nach Southampton und nach Birmingham, Städte die eventuell auch mal eine Reise wert wären. Als dann der Spielplan für England herauskam, taten sich wie erhofft einige Möglichkeiten auf: Manchester United – City, Bolton Wanderers – Stoke, Everton – Blackburn, Burnley – Sunderland und noch einige Drittligaspiele, wie z.B. Leeds gegen irgendwas.

Da meine Dame des Herzens sich dafür entschied, ihren Freund doch nicht ein ganzes Wochenende allein auf die Inselbewohner loszulassen, kam sie nach einigen Überlegungen zu meiner Freude auf die Idee auch mitzukommen. Mit toller weiblicher Begleitung macht eine Reise ja bekanntlich noch mehr Laune, doch Kompromisse gehören dann natürlich auch dazu. Als Erstes war natürlich klar, dass ich mir dadurch wahrscheinlich nur ein Spiel anschauen konnte. Erste Wahl: das Manchester-Derby am Sonntag. Das Everton-Spiel hätte ich als Treffen mit einem in England lebenden Freund kaschiert und die Dame wäre in Liverpool shoppen gegangen, nur leider wurde dieses Spiel kurzfristig auf Sonntag verlegt, da die Toffees am Donnerstag international ran mussten. Somit war dieses Spiel nicht nur für mich, sondern auch für den Londoner Freund unattraktiv, und so mühte ich mich nur um Karten für Manchester United.

Karten bekommen da, wie auch beim Liverpool FC, nur Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag beträgt ca. 40 Pfund pro Saison und ist noch lange keine Garantie, dass man für das gewünschte Match Karten bekommt. Die Mitgliedschaft lohnt sich also nur, wenn man öfter zu United geht, will ich aber nicht. Und dann kommt da ja auch noch der Ticketpreis oben drauf, wenigstens 40 Pfund. Das Ganze für zwei Personen, da ist man plötzlich bei über 160 Pfund. Also entschied ich mich für einen Ticketservice, in meinem Fall war das worldticketshop.com, ein holländisches Unternehmen. Die haben wohl einige Mitglieder bei allen möglichen englischen Klubs und bieten so eine gewisse Sicherheit an die gewünschten Karten zu kommen. Nachteil: extrem teuer. Pro Karte habe ich dann eine dreistellige Summe hinblättern müssen, mit welcher sofort meine Kreditkarte belastet wurde. Ist schon ein komisches Gefühl, wenn man sich nicht 100%ig sicher ist, dafür auch eine Gegenleistung zu bekommen. Die wollten dann die Adresse von meiner Unterkunft in England, weil sie die Tickets dahin schicken. Klingt komisch, ist aber so…

Zunächst ging es aber erst einmal in einen 14-tägigen Badeurlaub auf Teneriffa. Schön, wenn einem die Sonne auf den Bauch scheint und man knackebraun wird. Nur leider tat sie uns nicht den Gefallen und versteckte sich fast die ganze Zeit hinter Wolken. Mir war es recht, so haben wir einige der geilsten Wanderungen überhaupt gemacht.

Teneriffa Da zur Zeit unserer Anwesenheit auch noch das erste 1.Liga-Spiel (BBVA-Liga) von CD Tenerife seit Jahren stattfand, entschied ich mich diesem beizuwohnen. Es ging gegen den baskischen Klub CA Osasuna aus Pamplona und man hatte auch kein Problem an Karten zu kommen. Trotz 12.000 Dauerkarten konnten wir uns noch günstige Tickets im Vorverkauf sichern. Das Prinzip des Vorverkaufs ist aber anscheinend in diesem Teil Spaniens nicht allzu sehr verbreitet, denn bis zu drei Tage vor dem Spiel war niemand in der “Vorverkaufsstelle” imstande eine Aussage zu machen, wann die Tickets in Umlauf kommen. Die Antwort war dann meistens: “Vielleicht morgen, vielleicht aber auch erst Ende der Woche” in sehr schwer verständlichem Englisch oder in Zeichensprache. Aha, “mañana” heißt also “Morgen”, das konnte ich mir merken, so oft, wie ich dieses Wort gehört habe. Und so stand ich da fast täglich auf der Matte und habe die genervt, bis ich die Karten endlich in den Händen hielt.

Das Stadion liegt in der größten Stadt der Kanaren, Santa Cruz, mitten in einem Wohngebiet, und die Tribünen sind seeehr steil, fast wie in einer Stierkampfarena. Den Tag über machten wir Sightseeing in dieser maritimen Hauptstadt und oh Wunder, die gleiche Idee hatte auch eine für spanische Verhältnisse große Anzahl an baskischen Auswärtsfahrern (oder vielmehr Auswärtsfliegern). Der Spanier ist ja nicht für seine Reiselust zu Auswärtsspielen bekannt und deswegen hätte ich bei schätzungsweise 500 Pamplonaer fast einen Kulturschock bekommen. Das habe ich aber auch schon anders erlebt. Eventuell ist das ja bei baskischen Teams anders oder in Spanien entwickelt sich etwas. So ein dreistündiger Flug zu einem Auswärtsspiel hat da vielleicht auch seinen Reiz oder die Jungs haben das Ganze einfach mit einer Urlaubsreise verbunden.

Teneriffa Wie dem auch sei, pünktlich zum Spiel kam dann auch noch die Sonne vom Himmel geknallt, sodass man es in dem engen und sehr steilen Stadion nur mit freiem Oberkörper aushalten konnte. Mit 20.000 Zuschauern war die wirklich ansehnliche Arena auch fast ausverkauft. CD Tenerife gewann das erste Heimspiel schließlich mit 2:1 vor den Nüsse futternden Zuschauern, die eigentlich nur bei Toren ihres Teams laut wurden oder wenn sie sich über den Schiri aufregten. Insgesamt war es aber ein toller Kick ohne Langeweile in einem sehr schicken Stadion.

Am nächsten Tag ging es wieder für drei Tage nach Deutschland, um dann am Freitag nach Manchester zu fliegen. So ein bisschen Bammel hatte ich ja wegen der Eintrittskarten, aber an der Hotelrezeption lagen diese seit dem Morgen bereit für uns. Puh, also das Wichtigste hätten wir dann schon einmal.

Also eingecheckt und dann durch die Innenstadt gebummelt. Zur Stadt: nun ja, nicht besonders schön aber auch nicht besonders hässlich, einfach eine englische Stadt halt. Und viel wichtiger als eine hübsche englische Stadt war mir sowieso Full English Breakfast, Essigchips, Pints of Beer und natürlich Fußball. Trotz allem entschieden wir uns dafür uns am Samstag Liverpool anzuschauen und, da das Pfund für uns Festlandeuropäer zurzeit ziemlich gut steht, ein bisschen shoppen zu gehen (1Pfund ~ 1,12Euro). Bei meinem letzten Aufenthalt am Mersey vor zwei Jahren war die Stadt eine einzige Baustelle und hat sich fein gemacht zur Kulturhauptstadt 2008. Da hat sich auf jeden Fall einiges getan. Der Stadtbummel wurde auch noch genutzt um sich in einem Pub das Spiel West Ham – Liverpool FC anzuschauen, in dem ein wirklich emotionales Publikum richtig Alarm gemacht hat. Das Spiel entschied Liverpool für sich und ich nahm es schon mal als Einstimmung für das Derby am morgigen Tag.

Manchester An diesem ging es dann, dank einer Anstoßzeit von 13:30Uhr, schon sehr zeitig am frühen Vormittag in Richtung Old Trafford Park. Was für eine unchristliche Fußballzeit, schön dass man das aus der dritten Liga schon längst gewohnt ist. Das droht unseren Bundesligisten ja auch in nächster Zeit. Wer sich bei englischem Fußball auf ein enges Stadion mitten gelegen in einem Wohngebiet freut, wird man bei Manchester United bitterlich enttäuscht. Das Stadion liegt in einem Industriegebiet weit vor den Toren der Stadt und ist deswegen nur mit Bus und Bahn zu erreichen.

Nach einem Rundgang ums Old Trafford wollte ich mir doch mal den riesigen Fanshop anschauen. Nur mal so am Rande: Warum brauche ich Golfballabschlagpins (oder wie die Dinger auch immer heißen mögen) oder Duftbäume mit dem United- Emblem? Kurzum, da gibt es wirklich alles, was man sich vorstellen kann. Okay, ich gebe es zu, ein Souvenir habe ich mir doch mitnehmen müssen. Es ist aber keine Golfausrüstung und auch keine Geldscheinklammer gewesen.

Manchester Es wurde dann schon ziemlich voll vorm Stadion und wir entschieden uns für die obligatorischen Fish&Chips und natürlich Bier an einer voll besetzten Kreuzung, um dabei das Treiben ein wenig zu beobachten. Da sich die Auswärtsfans an deren Stadion getroffen hatten und dann mit Busshuttles zum Spielort gebracht wurden, gab es auch kaum Pöbeleien auf offener Straße.
Dieses änderte sich im Stadion aber relativ schnell. Also, ab zum East Stand und schnell noch durchs Drehkreuz an den Ordnern vorbei und sich abtasten lassen. Ach nee, wir sind ja in England bei einem Risikospiel, da wird man doch niemanden in die Taschen schauen, geschweige denn abtasten. Es ist ja schließlich nur in Deutschland so, dass man alle möglichen Schikanen über sich ergehen lassen muss. Anscheinend ist der Stadiongänger nur bei uns gewalttätig (und natürlich auch der überaus berüchtigte Fanmeilenbesucher). Meint erster Eindruck vom Stadion von innen, als man die Tribüne betrat: Hoffentlich sind die Plätze nicht zu weit oben, da kann man doch wegen des tief hängenden Daches die anderen Tribünen gar nicht komplett sehen. Nach einem Blick auf die Eintrittskarte stiegen wir dann immer weiter und weiter bis zu der uns ziemlich weit oben zugeteilten Reihe und ich nahm mir vor in der Pause die Tribüne nach unten zu gehen, um mal einen Überblick über das gesamte Stadion genießen zu können. Der ist dann natürlich phänomenal. Die Stimmung war eine halbe Stunde vor Spielbeginn schon ziemlich gut. Da ich zuvor gelesen und gehört hatte, dass eine Rivalität zwischen Liverpool FC und Everton praktisch nicht existiert, hatte ich schon fast angenommen, dass dieses zwischen den beiden großen Manchester-Klubs ähnlich ist. Ich wurde eines Besseren belehrt. Da wurde gepöbelt und sich gegenseitig denunziert was das Zeug hält. Na bitte, so muss das doch sein.

Zum Spiel gibt es eigentlich nicht sehr viel zu sagen: United ging drei Mal in Führung und City konnte jeweils relativ schnell wieder ausgleichen. Dann ein Tor in der 97-1 Minute von Michael Owen, ein Flitzer, der von Bellamy eine verpasst bekam, und das war´s. Endergebnis: 4:3.

Manchester Die Fans beider Lager glänzten jeweils mit ungefähr fünf Schlachtgesängen, zwar nicht sehr abwechslungsreich, dafür aber ziemlich laut und mit Gänsehautgarantie. Aber was ist das bitte für eine unsägliche Wayne Rooney- Hymne der United-Fans? Peinlicher geht es kaum. Und was soll das ständige “Who are you” von beiden Seiten nach jedem Tor? Egal, die Stimmung war auf jeden Fall hervorragend und aus Braunschweig wurde ich auch noch mit einem guten Ergebnis versorgt, was will man mehr … Nach dem Schlusspfiff verlief sich allerdings alles ziemlich schnell (nicht so wie an unserer guten alten Shell), nur dass wir fast eine Stunde auf den bekloppten Bus warten mussten. In der Innenstadt war auch nicht mehr allzu viel los, bis auf kreisende Polizeihubschrauber und viel Sirenengeheul. Eventuell gab es da ja irgendwo etwas für die Freunde der dritten Halbzeit. Fazit: Alles in allem war es ein sehr interessantes Derby, super Stadion – leider mit tiefem Dach und schlechter Infrastruktur, lauten aber etwas einfallslosen Fans und ein beschissener Wayne Rooney-Song, den noch irgendwelche Vollidioten bis in den frühen Montagmorgen vor meinem Hotelfenster sangen (muss so ca. 4:30 Uhr gewesen sein, als endlich die Polizei kam). Ich freu mich auf jeden Fall auf meinen nächsten fußballbedingten Aufenthalt auf der Insel und auf Geschichten aus Schottland. vb

 

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