Spot: Eisenach/Gotha

 

Spotlight: Eisenach 

11.-12.06.2013, Wartburg-Stadion

Wohin legt der Fußballfreund seine Fortbildung? Natürlich dahin wo möglichst wenig Fußball ist. Und wann legt der Fußballfreund seine Fortbildung? Natürlich wenn Hochwasser ist und die Anzeigetafeln in sämtlichen Bahnhöfen vor Ausfall- und Verspätungsmeldungen nur so rauchen. Ganze 6:30 Stunden hat die Anreise gedauert, statt der geplanten 2:50 Stunden – aber natürlich ist das im Vergleich zu einer Überflutung des gesamten Besitzes Peanuts. Nachdem ich also die letzten 2 Stunden des ersten Fortbildungstages noch mitmachen konnte, brach ich nach dem Abendessen (Braten mit Thüringer Klößen) und vorheriger Informationsbeschaffung bei der zuvorkommenden Dame an der Hotelrezeption in Richtung des Wartburgstadions auf. Natürlich gehörte zu diesem gebrauchten Tag auch, dass die Batterien in der Kamera leer waren und ich somit wieder mal nur auf das Handtelefon angewiesen war.

Eisenach Eisenach hat eine perfekte Größe für Spaziergänger, mit der nötigen Muße ist alles zu Fuß erreichbar, selbst die Wartburg, in der Martin Luther dereinst unter falschem Namen das Neue Testament übersetzte. Allerdings war die gerade zu einem beträchtlichen Teil mit Bauplane verhüllt und zu den abendlichen Uhrzeiten, zu denen man hätte hochlaufen können, zudem geschlossen, sodass ich mich entschloss, den Rat der Einheimischen zu befolgen und auf dieses Highlight zu verzichten. Ich glaube, ich höre die Leserschaft gerade mitleidig “Oooohh…” sagen…? Aber dafür gibt es ja unten die Bilder vom Stadion und aus der Stadt, die ich am Abend des zweiten Fortbildungstages näher in Augenschein nahm.

Auf dem Weg zur Spielstätte des in der Verbandsliga Thüringen verorteten FC Eisenach (6. Platz in der abgelaufenen Saison) überquerte ich die Hörsel, die offensichtlich auch über die Ufer getreten war. Schlamm und Gegenstände auf den Uferbereichen sprachen da eine deutliche Sprache. Das Stadiongelände war aber nicht betroffen. Betreten, umsehen und Fotos machen war kein Problem, weswegen der Rückweg bald bewältigt werden und der Abend bei einem Whisky an der Hotelbar ausklingen konnte – einheimisches Bier wurde leider nicht angeboten.

Eisenach

 

Bei meinem Stadtrundgang am Mittwochabend begann ich im Zentrum, wo Stadtschloss, Rathaus und die Georgenkirche zu finden sind. Weiter Richtung Wartburg stieß ich auf das Bildnis des wohl berühmtesten Sohns der Stadt, Johann Sebastian Bach, direkt daneben befindet sich das Bach-Haus. Für einen Besuch des Kartausgartens erschien mir die Zeit zu knapp, dafür streifte ich die Wandelhalle, den Kunstpavillon und die Eisenacher Brauerei. In der Gegend stieß ich auch auf einen Gedenkstein für Ernst Abbe, der ebenfalls aus Eisenach stammt. Wer sich nun fragt, warum dann ausgerechnet das Stadion des FC Carl Zeiss Jena nach ebenjenem benannt ist (Ernst-Abbe-Sportfeld), der wisse, dass er zusammen mit Carl Zeiss zu den Begründern der modernen Optik zählt und für die heutige Bekanntheit der Firma Zeiss mitverantwortlich ist.

Der Rückweg ins Hotel begann am Martin Luther Denkmal und der Nikolaikirche und führte zum Glück an einem Asia-Imbiss vorbei, wo ich mir noch ein lokales Wartburg Pils besorgen konnte – schließlich ist die Verkostung einheimischer Produkte ein wesentlicher Punkt, auch bei Fußball-, äh, Fortbildungsreisen… Eine Teilnehmerin exportierte übrigens schlappe 60 Thüringer Rostbratwürste für die anstehende Grillsaison.

 

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Spotlight: Gotha 

13.06.2013, Volkspark Stadion

Gotha Die “Episode Gotha” ist schnell erzählt – sollte man meinen. Die Fortbildung endete um 12:30 Uhr, und mit einem liebevoll hergerichteten Lunchpaket des Hotels im Rucksack erreichte ich pünktlich den Bahnhof und die Regionalbahn nach Gotha. Dort sollte ich binnen 5 Minuten in den Regionalexpress nach Göttingen umsteigen. Natürlich musste die RB einen ICE vorbeilassen, und prompt stand bei einer Fahrt von 20 Minuten eine Verspätung von 7  Minuten auf dem Tacho. Bedeutete im Endeffekt: knapp 2 Stunden Aufenthalt in Gotha, Aufhebung der Zugbindung (Bahnprofis wissen was das bedeutet) und eine Heimreisedauer von 5:20 Stunden statt der geplanten 2:50 Stunden. In letzter Zeit ist bei meinen Bahnreisen ständig der Wurm drin. Schlechtes Karma oder was?

Jedenfalls kann man nach 45 Minuten Abhängen auf dem recht tristen Bahnhofsgelände in Gotha schon auf beknackte Ideen kommen. In einem Anfall von Aktionismus weckte ich den schlafenden Taxifahrer und buchte einen Trip zum Volkspark-Stadion des FSV Wacker 03 Gotha. Hier wird man wegen sportlichem und finanziellem Abstieg in der kommenden Saison statt Oberliga- nur noch Verbandsligafußball sehen. Zwar ist der Verein schuldenfrei, aber der Etat (119.000 Euro) muss um über die Hälfte gekürzt werden und es gibt Probleme, zwei Mannschaften zu stellen – der Klassenerhalt in der Verbandsliga Thüringen wird wohl kein Selbstläufer.

Gotha Der Fahrer war zuerst offensichtlich verwundert über diesen Auftrag, erfüllte ihn jedoch professionell, obwohl er mit Fußball gar nix am Hut hat. Er wartete sogar eine Viertelstunde, bis ich mit meinem seltsamen Treiben durch war und fuhr mich dann zurück. Nachdem seine Neugier siegte und er fragte, warum ich das denn täte, kam er ob meiner Antwort zunächst ganz unschuldig auf Trainspotting, von dem er aus dem Fernsehen erfahren habe. Nur, um mir dann noch bis 10 Minuten nach unserer Ankunft am Bahnhof schwer begeistert und voll in Fahrt von seiner beruflich (DDR-Chemiearbeiter) entstandenen Leidenschaft für alte Chemieindustrieanlagen zu berichten. Selten so viel Spaß in einer Stunde für 20,- Euro inklusive Trinkgeld gehabt.

Im ICE von Göttingen nach Hannover lernte ich im Bistrowaggon noch einen jungen Bahnangestellten kennen, der akut auf Fußballentzug war. Schien aus der Bremer Ecke zu kommen und überlegte die ganze Zeit, wo noch irgendwelche Spiele stattfänden, die er in der Sommerpause ansehen könnte, oder ob er doch die aufgenommenen Bundesliga-Partien nochmal ablaufen lassen müsse, um so zu tun als kenne er die Ergebnisse noch nicht. Er erzählte dann auch noch von einer Konfliktsituation, als er und ein Kollege das Bistro eines Zuges betreuten, in dem 20(!) Hools(!) vom FSV Frankfurt(!!!) ihr Unwesen trieben. War interessant, auch mal die andere Seite zu hören, wie man sich während und nach so einem Erlebnis so fühlt.

Ich fühlte mich jedenfalls einerseits ganz schön groggy, andererseits trotz und wegen dieser Erlebnisse hochzufrieden, nachdem die Reise ja so langweilig normal hätte verlaufen können… Und hier passt das Goethe-Zitat aus Gotha prima hin: “Denn man reist doch wahrlich nicht, um auf jeder Station Einerlei zu sehen und zu hören…” Die nächste Fortbildung wird bestimmt auch ein Hammer.

 

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