Valencia (ESP)

 

Von Mandeln und Erdnüssen

 

  UD Levante – Real Betis Sevilla

21.11.2004, Primiera Division, Stadion Ciudad de Valencia, Endstand 1:2

Eine gute Idee war dieses Gastsemester im spanischen Valencia. Zwar war es nicht meine, doch die meiner Bekannten. Für mich allemal Grund genug sie dort zu besuchen. Von meinem Wohnsitz Liverpool aus drängte sich kein Direktflug auf, so dass ich mich für eine Verbindung von Coventry (echt!) nach Valencia entschied. An Coventrys Bahnhof angekommen, frage ich einen Passanten nach dem Bus zum Flughafen. Als er mir rät, ich solle doch besser den Zug nehmen, komme ich kräftig ins Grübeln. Von einem Zug war nicht die Rede auf der Webseite des kleinen Airports. Meine Zweifel bringen nun Stirnrunzeln bei meinem gegenüber hervor. Wir reden noch eine ganze Weile aneinander vorbei, bis klar wird: Er spricht vom nahegelegenen Birmingham Airport und kann es gar nicht fassen: Ab Coventry? Ins Ausland?? Zu abwegig erscheint das meinem Gegenüber. Er hat nicht ganz Unrecht, denn tatsächlich lässt mich der Busfahrer später nur an einer Stichstraße raus, die zu einer überschaubaren Ansammlung von Containern führt. Hier ist nicht einmal eine reguläre Haltestelle. Aber: Die Container können, wenn auch etwas improvisiert, tatsächlich Schalter, Gepäckaufgabe und einen Snackautomaten aufweisen.

levante_03 In Valencia angekommen, liest mich meine Bekannte am Flughafen auf und wir fahren zu ihrer Wohnung im Stadtteil El-Cabanyal. Vierer WG – immer gut im Ausland, weil man schnell unter Leute kommt. Es geht sehr nett zu hier. Schnell unterbreite ich auch mein Fußball-Vorhaben in der Runde, Valencia CF sind auswärts, daher schwebt mir ein Besuch bei UD Levante vor. Salva, ein Mitbewohner tut sich gleich als guter Gastgeber hervor und kündigt an, er würde uns zum Stadion fahren und uns noch eine Spezialität ganz in der Nähe zeigen. So fahren wir durch die immer noch recht warmen Straßen der Stadt und sichern uns schon einmal die Tickets für das abendliche Spiel gegen Real Betis Sevilla.

Danach führt Salva uns in die ‘Horchateria Daniel’. Dort wird laut Salva die beste Orxata der Stadt hergestellt und ausgeschenkt. Die Erdmandelmilch ist die Spezialität der Region. Sie ist in der Tat köstlich. Selbst die Straße heißt hier Avenida de la Horchata.

Anschließend wieder zum Stadion. Die Gegend ist in Bewegung. Viele neue Wohnkomplexe und Grünanlagen prägen das Bild. Nördlich grenzt eine Schnellstraße und dahinter beginnen die Felder. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie konsequent städtisch, der spanische Städtebau ist und wie klar die Grenzen sind. Der in Deutschland so gängige, auslaufende Einfamilienhausgürtel findet hier vielerorts einfach nicht statt. Das ‚Stadion Ciudad de Valencia‘ scheint der jungen, modernen Kulisse zu trotzen und ist von großer Schlichtheit. Erbaut wurde es in den 60er Jahren, in denen UD Levante auch die letzte Phase der Erstklassigkeit vorweisen konnte, bevor erst in diesem Jahr wieder der Aufstieg in die höchste Spielklasse gelang.

levante_11 Das von Bernd Schuster trainierte Levante ist als Tabellenvierter nach 11 Spieltagen hervorragend in der Primera Division angekommen. Der Gegner Real Betis, Inbegriff einer Mittelfeldmannschaft, steht bezeichnenderweise auf Rang 11. Auch auf dem Vorplatz geht es sehr gelassen zu. Es hat etwas von einem gemäßigten Volksfest, keinerlei Anspannung ist zu verspüren. Snacks, hier, Souvenirs da, die wartende Kapelle und durch und durch entspannte Leute. Drinnen zeichnet sich ein ähnliches Bild. Es schwingt die Aura des glanzlosen Clubs aus der zweiten Reihe mit, für den wenig Rampenlicht hinter dem Starensemble aus der Nachbarschaft übrig bleibt.

Familiär geht es zu im 25.000 Zuschauer fassenden Rund. Man flucht zwar kräftig, aber wohl eher weil es dazu gehört. Anfeuerungen sind selten. Vor allem der ‘Granotes’ (Frösche) genannte Levante-Anhang konzentriert sich auf das Essen der Erdnüsse. Alles ist sehr spielbezogen, das Publikum beschränkt sich auf das Reagieren. Gute Aktionen werden beklatscht, schlechte mit Schmährufen versehen. Levante geht früh durch einen Elfmeter in Führung und mit dieser in die Pause. Betis hat etwa 1000 Leute dabei, die ebenfalls nur sporadisch aktiv werden. Erst als die Béticos in der zweiten Halbzeit das Spiel drehen, hebt sich der Geräuschpegel auf der anderen Seite. Alles in allem ist es eine temperamentarme Partie auf dem Platz und vor allem auf den Rängen.

So geht dann auch jeder brav nach Hause und auch wir flanieren noch durch die Gassen der wunderbaren Stadt, die noch ein paar schöne Tage für mich bereithält. Auch schaue ich noch einmal beim Estadi de Mestalla vorbei, in dem der große Nachbar Valencia CF seine Heimspiele bestreitet. Auf dem Rückflug bin ich dann umgeben von roten Löwen. Middlesbroughs Anhang ist auf dem Rückflug von Villareal. Nach Coventry. fg

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