Spot: Schwerin

 

Spotlight: Schwerin sg_dynamo_schwerin

28.03.2015, Sportpark Paulshöhe

img_1554 Während eines Ausflugs in die Hauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns im Frühjahr 2015 ergab sich die Gelegenheit, eines der ältesten Stadien Deutschlands zu besuchen – den Sportpark Paulshöhe. Leider fand zu diesem Zeitpunkt kein Heimspiel der SG Dynamo Schwerin statt. Dennoch war dieser “Spot” dringend nötig, denn geht es nach den Schweriner Kommunalpolitikern, so wird das altehrwürdige Areal spätestens 2018 abgerissen, um dort neuen Wohnraum zu schaffen. Und wer weiß, ob einer der Fussballkultouristen bis dahin noch einmal die Gelegenheit bekommen wird um dieses Stadion zu besuchen?

Um diesen Bericht jedenfalls möglichst lückenlos und umfassend erklärend aufzuarbeiten, müsste an dieser Stelle grundsätzlich der Entwicklung des Fußballs in Schwerin in den vergangenen Jahrzehnten auf den Grund gegangen werden. Da dies allerdings den gegebenen Rahmen sprengen würde, belassen wir es bei einer kurzen Zusammenfassung der Stadiongeschichte sowie eines Blicks auf die aktuelle Situation.

Bereits im Sommer 1900 sollen Schweriner Schüler mit ihrem Professor auf dem Platz des heutigen Stadions mit dem Fußballspielen begonnen haben. Nur wenige Jahre später wurde dieser – inklusive einer Stehplatztribüne – fertiggestellt. Diese Tribüne steht den Zuschauern bis heute beinahe unverändert zur Verfügung. 1903 schließlich gründete sich der Schweriner FC 03 und nutzte die Paulshöhe als Spielstätte.

Im Jahr 1922 folgte dann, nach einigen weiteren kleinen Bauabschnitten, eine offizielle Stadioneröffnung. Kurz darauf (1924) entstand die größere Zuschauertribüne. Nachdem das Gelände 1938 noch um ein größeres Vereinsheim mit Gaststätte erweitert wurde, kam der Paulshöhe mit Fortschreiten des 2. Weltkrieges eine ganz neue Bedeutung zu: Im November ’44 wurden drei Barracken auf  dem Sportplatz gebaut, in denen – meist Zwangsarbeiter – Uniformen für die Wehrmacht anfertigten. Im darauffolgenden Sommer dienten diese Barracken dann als Unterkünfte für Flüchtlinge. Erst im Jahr 1953 wurde das Stadion von der sowjetischen Armee an die Stadt zurückgegeben. Die Anlage wurde noch im gleichen Jahr erneuert und diente fortan Dynamo Schwerin als Spielstätte.

Das tut sie in nahezu selbem Zustand auch heute noch in der Landesliga Mecklenburg-Vorpommern West.

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Doch wie lange das noch der Fall sein wird steht in den Sternen. Eine Petition zum Erhalt des Sportparks scheiterte im Jahr 2014. Ebenso ein Vorstoss, das altehrwürdige Stadion über den Denkmalschutz zu retten. Die Kommunalpolitik scheint eine solch “niedrige” Hürde einfach zu überspringen: Steht das Stadion zwar in einem Stadtteil der insgesamt als Denkmalbereich ausgewiesen ist, so sei dieses selbst aber nie Ziel des Denkmalschutzes gewesen. So die offizielle Begründung. Geschützt werden soll die weitgehend einheitliche Art der Bebauung des Stadtteils als Zeugnis der Siedlungsstruktur im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Sportanlage hat dabei jedoch nur eine untergeordnete Bedeutung.

Und so werden Fans und Freunde der SG Dynamo Schwerin wohl spätestens im Jahr 2018 endgültig auf ihre Paulshöhe verzichten müssen. Für diese werden übrigens jetzt schon keinerlei Wartungs-, Pflege- oder Instandhaltungsgelder seitens der Kommune mehr gezahlt. Fans und Vereinsmitglieder versuchen derweil in Eigeninitiative ihrer Heimat würdevolle letzte Jahre zu ermöglichen. Respekt und Anerkennung von unserer Seite dafür! eb

 

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