Glasgow, Edinburgh und Dundee (SCO)

 

 Celtic FC – Dundee United FC

12.09.2009, Scottish Premier League, Celtic Park, Endstand: 1:1

Glasgow, Edinburgh und Dundee – Ein goldener Herbst in Schottland

 

Donnerstag, 10.09.2009
Glasgow Die gedrückte Stimmung der schottischen Fans vom Vorabend (Sco – Ned 0:1) färbte zum Glück nicht auf uns ab, und so ging es am Tag nach unserer Anreise vorbei an der University of Glasgow und am Kelvin Hall Sports Center, wo u.a. das Scottish Snooker Masters stattfindet, zunächst zur Kelvingrove Art Gallery & Museum, wo wir einen umfassenden Einblick in die schottische (Kunst-)Geschichte genossen.

Danach begaben wir uns aber auf sporthistorische Spurensuche im Stadtteil Partick. Hier, wo überwiegend Studenten und Migranten leben, was dem Bezirk irgendwie einen sympathischen Charme verleiht, sollten sich gleich zwei unserer vorrangigen Reiseziele befinden. Zuerst galt es, den Ort des allerersten offiziellen Fußball-Länderspiels aller Zeiten ausfindig zu machen: Hamilton Crescent, das Vereinsgelände des West of Scotland Cricket Club. Hier standen sich am Samstag, 30. November 1872 um 14 Uhr die Nationalmannschaften von England und Schottland gegenüber. Fast 4000 Zuschauer sahen hier am St. Andrew´s Day ein 0:0 Unentschieden. Für dieses von Queens Park organisierte Spiel, für das der Club 11 Spieler zur Verfügung stellte, war als Eintrittspreis ein Shilling zu entrichten.

Glasgow Weiter ging es danach, stetig bergan, in Richtung des Firhill, seines Zeichens Namensgeber unseres nächsten Ziels: Firhill Stadium, Heimat des Partick Thistle FC und der Glasgow Warriors, dem Erstliga-Rugbyteam der Stadt. Wunderschön am oberen Hang des stattlichen Hügels gelegen, entpuppte sich das Stadion leider als Festung, die für uns nicht zu betreten war. Wir entschieden uns für eine Umrundung des Objekts, die immerhin dazu führte, dass wir sprichwörtlich als Zaungäste einige Blicke ins Innere erhaschen und gleichzeitig einen beeindruckenden Ausblick über Glasgow genießen konnten.

Freitag, 11.09.2009
Es ging erst am späten Vormittag zur Buchanan Bus Station, um dort einen Überlandbus zwecks eines Tagestrips nach Edinburgh zu besteigen. Nach etwas über einer Stunde Fahrt erreichten wir unser Ausflugsziel. Erster Anlaufpunkt in der Hauptstadt war für uns das National Rugby Stadium Murrayfield. Trotzdem Edinburgh City an diesem Nachmittag ein Erstligaspiel haben sollte, durften wir von den Rängen einen Blick in das Stadioninnere werfen. Anschließend sahen wir uns auch noch den Fanshop an.

Edinburgh Nächste Station: Tynecastle Stadium, Heimstätte des Heart of Midlothian FC. Nachdem uns ein zwielichtiger Kampfhundbesitzer, der uns für Holländer hielt (das WM-Quali-Spiel war vorgestern), ein gutes Stück auf den richtigen Weg brachte, standen wir letztendlich recht plötzlich vor dem unauffällig in die Wohngegend eingebetteten Stadion. Auf Nachfrage in der Geschäftsstelle wurde uns der Weg zum Fanshop beschrieben und deutlich gemacht, dass es zur Zeit nicht möglich sei, einen Blick auf den Pitch zu werfen. Doch weder diese Mitteilung noch ein Bauzaun konnten uns von diesem Vorhaben abbringen. Eine Lücke in der Bezäunung bot Gelegenheit, doch einen lohnenden Blick ins Rund zu werfen. Den Fanshop besuchten wir trotzdem noch, um ein kleines Mitbringsel für eine gewisse Person des Torrausch.com-Universums zu besorgen.

Ohne große Pause nutzten wir Lothian Bus Nr. 53, um die Stadt zu durchqueren und am anderen Ende an der Brunswick Road auszusteigen. Die letzten Meter zum Stadion Easter Road legten wir zu Fuß zurück. Auch hier wurde uns auf Nachfrage der Eintritt verwehrt, sodass wir erneut gezwungen waren, ein Stadion zu umrunden. Dieses Mal wurden wir jedoch belohnt: Am hintersten Ende stand ein Tor offen. Diese Gelegenheit konnten wir unmöglich auslassen und betraten die Gegengerade für ein paar Aufnahmen.

Edinburgh Zurück, vorbei am Famous Five Stand, suchten wir die nahegelegene und berühmte Fan-Kneipe des Hibernian FC, die “Albion Bar”, auf. Eigentlich war nur ein kurzer Trink-Stop angedacht, doch hatten wir die Rechnung ohne den offensichtlich bereits angetrunkenen und dadurch sehr redefreudigen Norweger Carl gemacht. Der ist eigentlich Fan des FK Bodø/Glimt, reist aber seit etwa 20 Jahren möglichst regelmäßig zu den Spielen seines Hibernian FC an. Dieses Mal vertrieb er sich die Zeit bis zum Auswärtsspiel bei Hamilton Academical am nächsten Tag und versuchte uns zum Mitkommen zu überreden, doch lagen unsere Prioritäten anders… Trotzdem wurden aus einem Pint zwei oder drei, und wir gerieten in Zeitnot. So blieb uns leider kaum Luft für die historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt und es wurde nur flüchtig ein Blick auf Edinburgh Castle und das House of Parliament geworfen.

Samstag, 12.09.2009
Spieltag! Schon früh machten wir uns auf den Weg zum Celtic Park, um an der dortigen Tageskasse Tickets für die Partie Celtic FC vs. Dundee United zu sichern. Für beinahe günstige 25 GBP wechselten Karten für den Lisbon Lions Stand in unseren Besitz.

Glasgow Die verbleibenden vier Stunden bis zum Anpfiff nutzten wir für den Besuch des National Football Stadium Hampden Park. Die doch beachtliche Distanz wurde erneut per Bus überbrückt und schon bald darauf betraten wir eines der beiden 5-Sterne-Stadien Glasgows. Angedacht war nicht nur ein üblicher Stadionbesuch, sondern auch eine Stippvisite im integrierten Scottish Football Museum. Da der Innenraum bereits für das anstehende Coldplay feat. Jay-Z Konzert hergerichtet wurde, erschien ein Blick in das Stadionrund zuerst nicht möglich, weshalb wir erst das Museum betraten.

Glasgow Während wir auf den Spuren der schottischen Fußballgeschichte wandelten, hatte wohl die nette Empfangsdame einem älteren Mitarbeiter mitgeteilt, dass deutsche Fußballtouristen vor Ort seien, woraufhin dieser uns im Museum ansprach und uns bat ihm zu folgen. Nach einigen Metern durch die Katakomben öffnete er eine große Flügeltür und wir standen mitten in der Präsidentenloge auf der Haupttribüne des Hampden Park. Nach einigen Anekdoten, u.a. einer über den nicht wetterfesten kroatischen Nationaltrainer Slaven Bilic und einigen Hinweisen über deutsche Spuren im Fußballmuseum verabschiedete sich der unbekannte Wohltäter und wir setzten unsere Tour fort.

Anschließend wurde die Bushaltestelle für die passende Linie gesucht, die uns zurück zum Celtic Park bringen sollte. In Stadionnähe stiegen wir aus und kehrten auf das obligatorische Bier vor Spielbeginn (die schottischen Stadien sind alkohol- und rauchfrei) in einen der vielen Celtic-Pubs ein. Dort war bereits eine stattliche Anzahl Celtic-Anhänger zugegen, die überwiegend deutlich mehr als ein Pint Gerstennektar intus hatten. Zunächst musterte man die nicht in Vereinsfarben gekleideten Neuankömmlinge kritisch. Zum Glück erkannten uns die beiden Kneipenältesten als Auswärtige und verwickelten uns umgehend in ein Gespräch. Möglicherweise bewahrte uns dieser Umstand vor unangenehmen Diskussionen mit den jüngeren und weitaus kräftigeren Fans in diesem Etablissement… Jedenfalls erzählte der 80jährige jedem von uns von seinem Deutschlandaufenthalt im Rahmen einer mehrjährigen Stationierung nach dem zweiten Weltkrieg in der Nähe von Buxtehude und ließ dabei auch die freudigen Erinnerungen an das Nachtleben auf St. Pauli nicht aus.

Glasgow Leider kam die Zeit zum Aufbruch schnell, denn am Stadion warteten noch Hot Dogs und Fish´n´Chips auf uns. Blendend aufgelegt wurden die Plätze nahe des stimmlich sehr aktiven Auswärtsblocks eingenommen. Block ist hier vielleicht zu viel gesagt, denn lediglich ein paar Meter Absperrband und eine Handvoll Ordner trennten Heim- und Gästefans. So um den Anpfiff herum nahm dann auch der Großteil der Heimfans die Plätze ein und mit dem berüchtigten Celtic-Huddle stieg dann auch die bis dahin maue Heimstimmung kurzzeitig an – bis etwa zur 5. Spielminute, denn da sorgte Dundee United in Person von David Goodwillie für das 0:1. Die eh schon gute Stimmung unter den 200-300 Dundee-Supportern erreichte dementsprechend ihren Höhepunkt, während sich das Heimpublikum in unserer Ecke damit begnügte, obszöne und beleidigende Gesten in Richtung der Gäste zu senden. Allerdings währte die Freude über die frühe Führung nur bis zur 17. Minute, als Scott MacDonald einen Kopfball aus kurzer Distanz zum 1:1 in die Maschen drückte. Nun wiederum jubelten die übrigen 58.200 Besucher zwar lautstark, aber irgendwie gebremst. Während man in stimmungsvollen Stadien wie z.B. dem Eintracht-Stadion in Braunschweig meinen sollte, dass die Fans ihr Team nun zum zweiten Treffer treiben, mussten wir uns im Celtic Park eines Besseren belehren lassen. Die Stimmung blieb weiterhin hinter dem allgemein bekannten Ruf zurück, lediglich die United-Fans ließen noch gelegentlich Gesänge ertönen. Auch spielerisch folgten bis zum Halbzeitpfiff nur noch wenige Höhepunkte.

In Halbzeit zwei verzeichnete erneut Dundee den besseren Start für sich, als der schottische Spieler des Monats August, Danny Cadamarteri, aus aussichtsreicher Position das 1:2 auf dem Fuß hatte. Der Ball strich jedoch knapp am langen Pfosten vorbei. Celtic mühte sich in der Folgezeit, vor allem vom in der ersten Halbzeit überzeugenden Andreas Hinkel angetrieben, kam jedoch nur selten gefährlich vor das Gästetor. Erst als Celtic-Coach Tony Mowbray nach gut einer Stunde den griechischen Stürmer Georgios Samaras einwechselte, kam mehr Schwung in die Offensivaktionen der Hausherren. Folgerichtig war es Samaras, der nur kurze Zeit später einen Kopfball im Tor von Nicky Weaver unterbrachte. Jedoch wurde der Treffer auf Grund seiner Abseitsstellung nicht gegeben. So blieb es bis zum Schlusspfiff bei der Punkteteilung, mit der die Gäste sicher weitaus besser leben konnten. Dementsprechend wurde danach noch mit der Mannschaft in der Kurve gefeiert.

Montag, 14.09.2009
Dundee Der heutige Dundee-Trip sollte ein volles Programm beinhalten. Wieder wählten wir den Überlandbus, von Preis und Reisedauer eine wirkliche Alternative zur Bahn. Über Perth führte die Fahrt bis ins City Center, und von hier gingen wir bergan zur ersten Etappe, der Tannadice Street. Dort betraten wir das überraschend offene Stadiongelände des Dundee United FC, den Tannadice Park. Eigentlich wollten wir dort nur ein paar Innenaufnahmen machen, doch die nette junge Dame am Empfang nahm den Telefonhörer zur Hand, telefonierte kurz und bat uns dann, im Foyer Platz zu nehmen. Wenig später reichte sie uns Besucherausweise, kurz bevor wir von einem Mitarbeiter abgeholt wurden.

Andy, um die 40 und seit über 30 Jahren Vereinsmitglied, begrüßte uns freundlich und erklärte, dass er uns nun ein wenig herumführen würde. Wir ahnten zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass uns das Highlight unserer Schottland-Reise erwartete. Die Führung begann mit dem Betreten des Innenraums durch den Spielertunnel und führte weiter über die Tribünen. Nach den ersten Fotos erklärte uns Urgestein Andy, dass er uns nun den Platz zeigen würde, der nur Mitarbeitern vorbehalten sei und an dem er selbst seit Jahrzehnten die Heimspiele des DUFC verfolgt – eine schmale Stehtraverse über den Sitzen der Haupttribüne, unter dem Stadiondach. Von hier aus kann man neben dem tollen Stadionbild auch die Aussicht auf Dens Park (das Stadion des Lokalrivalen Dundee FC) genießen – so man denn möchte. Diese beiden Spielstätten sind keine 140 Meter voneinander entfernt, was weltweit die kürzeste Distanz im Profifußball bedeutet.

Dundee Auf dem Weg zurück in die Katakomben passierten wir die vereinseigene Kneipe sowie den Clubraum, wo uns Andy anhand diverser Fotos an den Wänden die Geschichte des Vereins näherbrachte. Weitere Stationen waren die Spielerumkleiden und Duschen sowie der Physio-Bereich. Möglicherweise auf Grund unseres ehrlichen Interesses entschloss sich Andy mit dem lapidaren Satz “Now we´re doing something really great”, uns Einblick in das Heiligtum des Vereins zu gewähren: Den Trophäensalon des Präsidenten. Zu allen ausgestellten Pokalen und Gastgeschenken hatte Andy eine kleine Anekdote parat. Wie vielen Stadionbesuchern dieses Erlebnis wohl bisher beschert wurde? Wir fühlten uns jedenfalls geehrt. Zum Abschluss kehrten wir durch die mit Trikots, Postern und weiteren Erinnerungsstücken versehenen Flure zum Eingang zurück, wo man sich freundlich voneinander verabschiedete.

Obwohl die Zeit ob der ausführlichen Besichtigung des Tannadice Park schon fortgeschritten war, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, noch einen Blick hinüber zum Dundee FC zu werfen. Dens Park wirkte zuerst deutlich verschlossener, und an der altehrwürdigen, beinahe hotelartigen Rezeption wären wir um ein Haar gescheitert. Mit dem Hinweis auf unsere morgige Abreise ließ sich der grauhaarige Herr im Anzug doch noch erweichen, obwohl er in 10 Minuten eine wichtige Besprechung hatte.

Dundee Per Türsummer öffnete er uns die Tür und versprach uns einen kurzen Rundgang. Keine Minute später betraten wir über die interessant konstruierte Haupttribüne den Innenraum. Es wurden Fotos gemacht und über das Stadion, den aktuellen Saisonverlauf und Bill Shanklys Bruder Bob gesprochen. Danach erfolgte ein kurzer aber intensiver Marsch durch die edlen Clubräume, in dessen Verlauf sogar ein Meeting unterbrochen wurde, nur damit die “three guys from Germany” alle Höhepunkte der Vereinsgeschichte zu Gesicht bekommen konnten. Bei dieser Geschwindigkeit fand leider niemand Zeit, noch Fotos zu machen, und ehe wir uns versahen standen wir nach kurzem Händedruck wieder auf der Straße. Das sollte auch das letzte Highlight für heute gewesen sein.

Dienstag, 15.09.2009
Paisley Da unser Flieger schon zeitig gehen sollte, wir aber den St. Mirren Park in Paisley noch nicht besucht hatten, war es nötig, schon im Morgengrauen mit Sack und Pack zur Central Station aufzubrechen, von wo aus der Zug zur Paisley St. James Station genommen wurde. Der enge Zeitplan ließ leider nur ein paar Außenaufnahmen des neuen, direkt an der Bahn gelegenen Stadion des St. Mirren FC zu – das Betreten des Geländes an der Greenhill Road wäre wohl aber auch an der Uhrzeit gescheitert. Der Fußweg, den wir zum Bus Richtung Airport einschlugen, führte uns aber wenigstens noch an der Love Street vorbei, der alten Heimstätte der Saints.

Am Flughafen angelangt gaben wir noch im Duty Free Shop die letzten Pfund aus. Dabei wunderten wir uns über die vielen jungen Männer in blauen Trainingsanzügen, die überall herumliefen und von überwiegend jungen Mädchen zu Fotos genötigt wurden. Es dauerte etwas, bis wir die Verbindung zum anstehenden Champions League Spiel des Rangers FC beim VfB Stuttgart hergestellt hatten. Erst als wir Kenny Miller erkannten, der noch vor Wochenfrist beste Chancen gegen die Niederlande verballert hatte, war der Sachverhalt klar.

Am Ende bleibt ein äußerst positives Fazit. Zwar fehlen die Highlands doch irgendwie, und Ibrox Stadium natürlich. Dennoch: Viel Fußball, tolles Wetter, nette Menschen. Und drei erschöpfte aber hochzufriedene Reisende.

 

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