Ingolstadt & Augsburg

 

Alles für den Aufstieg! Zwei Tage in Bayern

 FC Ingolstadt 04 – Eintracht Braunschweig

26.04.2013, 2. Bundesliga, Audi Sportpark, Endstand: 0:1

Wahnsinn. Wo soll man jetzt anfangen zu berichten, nach diesem Erlebnis. Wahnsinn.Um es vorweg zu nehmen: Eintracht Braunschweig ist nach 28 Jahren, vielen tiefen Tälern und wenig sportlichen Höhen endlich wieder erstklassig. Das heißt Bundesliga!!! Wahnsinn. Doch es ist geschafft. Es folgt der Versuch einer chronologischen Beschreibung dieses Tages.

Ingolstadt Abreise um 7:54 in Braunschweig, drei Personen und ein Fahrrad machten sich per Regionalexpress auf den Weg, um zum zweiten Mal in drei Jahren in Bayern aufzusteigen. Doch die Vorzeichen waren schlecht. Schon in Hannover hatte der IC eine Stunde Verspätung, sollte das nun ein gutes oder schlechtes Omen sein? Die Anschlusszüge waren jedenfalls weg. Immerhin durften wir mit unseren Tickets dann unbehelligt irgendwie weiterfahren, sodass wir schließlich in der Weltstadt Treuchtlingen landeten, von wo aus nach weiteren 50 Minuten Wartezeit ein RE nach Ingolstadt fuhr. Nach 7,5 Stunden endlich(!) betraten wir Ingolstädter Boden. Kein Foto-Spaziergang durch die Altstadt, statt dessen eilten wir zu Fuß zu unserer Pension, der Torkel-Stube, wo eigentlich die Zusammenkunft mit den Autofahrern unserer Gruppe stattfinden sollte. Für das direkt am Bahnhof gelegene alte Tuja-Stadion des FC Ingolstadt hatten wir kein Auge, einchecken war jetzt wichtig, gerade angesichts der fortgeschrittenen Zeit.

Ingolstadt Als die Formalitäten erledigt waren, wurde sich für die Anreise zum Stadion entschieden, wo wir uns letztlich zu einer über 15köpfigen blaugelben Schar zusammenfanden. Die Stimmung am Sportpark war volksfestähnlich. Es gab Sonnenschirme, Tische und Bänke sowie eine Getränkebude, Gastgeber und Gäste stimmten sich gemeinsam auf das nahende Spiel ein. Um 18 Uhr war es dann soweit. Über 2.200 Braunschweiger unter den 9471 Anwesenden gaben stimmgewaltig ihrer Hoffnung Raum, hier den ganz großen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Ingolstadt wollte den Klassenerhalt auch rechnerisch festmachen und hielt spielerisch gut mit, jedoch war meist am 16er Endstation. Vieles spielte sich im Mittelfeld ab, Torchancen in Durchgang eins blieben Mangelware, lediglich Bohl deutete einen Torschuss per Direktabnahme an. In der 45. Minute dann Schiri Petersens großer Auftritt durch Arbeitsverweigerung. FCI-Schlussmann Özcan rammt den durch die Abwehr gebrochenen Ademi durch Bodycheck aus dem Strafraum, ohne auch nur ansatzweise zum Ball zu gehen. Ein klarer Elfer, doch es passierte nichts. Nada. Nothing. Rien. Somit stand zur Pause die Null – auf beiden Seiten des Doppelpunkts.

Ingolstadt

Weit vor Wiederanpfiff schickte Lieberknecht seine Elf wieder auf den Rasen, und die legte zunächst eine Schippe drauf und übernahm die Spielkontrolle. Jedoch sprang auch so kein Treffer heraus, und Ingolstadt wurde wieder stärker. Beinahe hätten sie durch einen abgefälschten Schuss die Führung erzielt, doch Petkovic hielt im Fallen in die falsche Ecke noch hervorragend mit dem Fuß. Schwein gehabt! Mit der Zeit wurde die sehr gute Stimmung im Gästebereich etwas weniger, denn je näher der Abpfiff rückte, desto mehr scheinen Gedanken wie “Wieder nur ein Punkt”, “Und dafür fahre ich so weit” oder “Das wird doch nix mehr” durchzukommen. Ich für meinen Teil kann mich noch entsinnen, wie ich, während die Nachspielzeit von 4 Minuten verkündet wurde, vor mich hinsagte: “Das reicht uns”. Da hatte ich aber noch keine Ahnung, wofür. Selbst als der Unparteiische in der 92. Minute Freistoß für ein Foul an Merkel gab und Dogan und Vrancic sich den Ball hinlegten, muss ich gestehen, dass ich dachte: “Lass Dogan schießen, der hatte die gefährlicheren Dinger bislang”. Kurz darauf wurde ich eines Besseren belehrt, und wie. Der vielgescholtene Damir Vrancic, dessen Kritiker trotz seiner zuletzt starken Leistungen nicht verstummen wollten, streichelte die Kugel unhaltbar in die rechte obere Ecke! Freut mich für ihn, nebenbei angemerkt.

Aber was nun passierte, ist nicht annähernd in passende Worte zu fassen. Die Gästekurve explodierte, ohrenbetäubender Jubel, alles schrie, Körper sprangen, taumelten umher, ich wurde gefühlt auf 3×3 Metern herumgeschleudert, Hände berührten sich, versuchten abzuklatschen, hielten jemanden fest; man warf sich jemand Bekanntem in die Arme, überall freudig verzerrte Gesichter, Blicke zwischen unfassbarem Glück und Ungläubigkeit… Vielleicht wiederhole ich mich: Wahnsinn. Einfach Wahnsinn. Und pure Freude. Und dann erste Tränen um mich herum (Dieses gefundene Video passt witzigerweise sehr gut dazu). Das war´s doch, das muss es gewesen sein! Die Fans sangen laut von Liga eins. Warum pfiff der Typ nicht ab? Bengalos wurden gezündet, wie durch ein Wunder überlebten alle (Vorsicht, Ironie!). Immer noch war nicht Schluss, quälende Sekunden dehnten sich zu Ewigkeiten. Dann ein Pfiff. Nochmal Freistoß. Und immer noch Gesang.
Eine Sekunde.
Zwei Sekunden.

Ingolstadt Dann wieder ein Pfiff, kaum hörbar: Petersen drehte sich zum Anstoßpunkt – und die Kurve bebte erneut. Dieses Video zeigt die letzten Sekunden des Spiels inklusive Schlusspfiff. Eintracht ist wieder da. Erste Liga. Kneift mich. Ist das geil. Jetzt nur noch feiern – ach ja, ging ja nicht so richtig. Sofort nach dem Tor marschierte Polizei vor den Gästeblocks auf, und nach Spielende spulte der Stadionsprecher sein halbstündiges Programm ab, als ob es ein normales Heimspiel war: Gelaber ohne Ende, die ganze Zeit Dudelmusik, usw. Man verstand kaum ein Wort von dem, was Vorsänger, Trainer oder Spieler durch die diversen Megaphone den Fans zuriefen. Dazu rannte so ein einheimischer Spaßbremser im Anzug rum und verbot hier mal dies und dort mal das. Trotz aller Freude war das eine ganz schwache Nummer von den Verantwortlichen in Verband, Verein und Polizei, muss man leider so sagen. Dennoch haben wir sicher das Beste draus gemacht, es werden wohl alle genug Material gesichtet/gehört haben. Die meisten Ingolstädter waren schon gegangen, da ging die Party an der Bierbude weiter. Später am Abend trafen wir uns in Zimmer 5 der Torkel-Stube und sahen uns gemeinsam die Sport1-Berichte an. Erst da bekam ich allmählich eine Ahnung, was dieser Tag bedeutet, bedeuten wird, obwohl man ja schon länger mit dem Aufstieg rechnen durfte. Hatte ich es erwähnt? Wahnsinn. Und der endete, wenn auch nur vorübergehend, für einige erst in den frühen Morgenstunden.

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 FC Augsburg – VfB Stuttgart

27.04.2013, Bundesliga, SGL Arena, Endstand: 3:0

Ingolstadt Der Tag begann mit einem einfachen, aber schmackhaften Frühstück, zu dem tatsächlich fast alle anwesend waren. Nebenbei konnte man noch prima mit dem Pensionsbetreiber plauschen, der zufällig glühender Ingolstadt-Fan ist und auch die Auswärtsfahrten organisiert. Mit scharfem Verstand hatte er uns schon kurz nach unseren Zimmerbuchungen als Eintracht-Fans enttarnt, stellte uns aber trotz der Niederlage nicht die Koffer vor die Tür. Grüße an dieser Stelle! In seinen Ausführungen steckte durchaus Substanz, und so erfuhren wir einige historische Fakten über die Stadt und den Club, unter anderem auch, dass „Schanzer“ tatsächlich von „verschanzen“ stammt, denn Ingolstadt war das Refugium eines bayerischen Herrschers für den Krisenfall.

Ingolstadt Nach umfassender Verabschiedung teilte sich die Gruppe wieder. Unser dritter Mitreisender nahm das Rad nach Augsburg, und wir nahmen mit einem weiteren Zugfahrer, der allerdings nach Berlin musste, den Fußweg zum Bahnhof. Zwischenhalt war dann doch noch das alte Tuja-Stadion des FCI, das inzwischen wieder ESV-Stadion heißt. Ein Tor stand zum Glück offen, so dass wir einige schöne Bilder dieser charmanten Spielstätte mit unüberdachter Stehplatzgegengeraden und Sitzschalen machen konnten. Der optimalen Anbindung ans Bahnhofsgelände trauert die Polizei in Sachen Transport und Geleit von Gästefans bestimmt heute noch hinterher…

Augsburg Knapp eine Stunde später entstiegen wir am Hauptbahnhof in Augsburg dem Regionalexpress und schlossen unser Gepäck ein. Einige Stuttgarter waren bereits vor Ort und wurden schon Richtung City geleitet, sodass wir eines der letzten Fächer ergatterten. Da wir noch keinen Zeitdruck hatten, klemmten wir uns erst mal hinter die Stuttgarter, doch deren Marsch endete bereits am Königsplatz, wo sie in 5minütig fahrende Sonderbahnen verfrachtet wurden. Dadurch ergab sich ein immenser Straßenbahnstau, sodass wir bequem hinterherkamen und so einige Ausschnitte der schönen Seiten der Stadt genießen konnten. Die Augsburger Prachtbrunnen und die Basilika Sankt Ulrich und Afra mit der direkt angrenzenden Ulrichskirche seien da erwähnt. Irgendwann stiegen wir dann in eine der Bahnen ein, da die Zeit knapper wurde – schließlich mussten wir auch noch das Ticket für den Radfahrer hinterlegen, da der es nicht rechtzeitig schaffte.

Doch frisch an der Arena angekommen, galt es zunächst die schnellste Fahrgelegenheit zum Bahnhof zu ermitteln, denn unser Zug (der letzte für den Tag) fuhr bereits um 18:03 Uhr, und das Stadion liegt ja nun doch etwas ab vom Schuss. Nach Gesprächen mit einem Parkplatzeinweiser und einer jungen Dame in ungeklärter Funktion hatten wir ausreichend Information gesammelt, zwischen Tram und Taxi entscheiden konnten wir uns ja später noch. Das Ticket durfte übrigens problemlos an der Sonderkasse hinterlegt werden, ein guter Service. Jetzt also konnten wir Richtung Einlass schlendern, und nach nicht nennenswerter Kontrolle wollten wir ein frisches Bier trinken. Das gestaltete sich leider nicht so einfach, denn in Augsburg setzt man auf eine aufladbare Plastikkarte. So langsam braucht man als Fußballreisender schon ein großes Kartenetui für all´ diese vermaledeiten Karten. Ist es denn nicht möglich, ein universell einsetzbares Modell zu schaffen? Und wo wir grad dabei sind, diese Beutelschneiderei mit Preisen von 3.95 Euro oder so bei Aufladungspflicht von „ausschließlich runden Beträgen“ kann auch gerne aufhören.

Augsburg

Aber gut, falls man kommende Saison hier nochmal zu Gast sein sollte, ist man wenigstens vorgewarnt. Der FC Augsburg konnte an diesem Tag so ziemlich den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze herstellen, dazu wurden lediglich 3 Punkte gegen den VfB Stuttgart benötigt. Und die Partie begann äußerst temporeich.

Augsburg Schon in der ersten Minute hatten beide Mannschaften je eine Chance zu verbuchen – so wollten wir das sehen. Kurz tauschten wir Blicke á la „Na das wird ja lustig kommende Saison“, bevor es munter weiter ging. Die ersten 45 Minuten blieb es bei einem tollen, kurzweiligen Schlagabtausch, sehr auffällig auf Seiten der Gäste war Ibrahima Traoré. Schwer im Griff zu behalten, der Mann. Ibisevic tendierte dagegen Richtung Stehgeiger. Auf Augsburger Seite gefielen Ji und Werner. Tragische Figur des Spiels war ganz klar Stuttgarts Niedermeier, der nach einem Hammerschuss aus kurzer Distanz ins Gesicht noch zwei weitere Einschläge in derselben Trefferzone hinnehmen musste. Kurz vor der Pause kam dann endlich der Radler an, es gab wohl leichte Orientierungsprobleme vom Bahnhof zur Arena. Beim Halbzeitstand von 0:0 vermisste ich im Gegensatz zu gestern die Tore nicht, aber das hatte wohl auch mit der sehr unterschiedlichen persönlichen Haltung zum jeweiligen Spiel zu tun.

Augsburg Umso schöner war es, dass im zweiten Durchgang dann noch drei Treffer fielen. Den ersten markierte Mölders nach einer Ecke von Werner per Kopf (61.), den zweiten, einen sehenswerten Heber vom eingewechselten De Jong über Ulreich (83.) sahen wir gerade noch so, denn kurz darauf eilten wir zum Taxistand, um den Massen und der damit einhergehenden Verstopfung der Parkplatzausfahrt durch 30.660 Besucher zu entgehen – schweren Herzens, aber die Dringlichkeit den Zug zu erwischen war irgendwie stärker… Das 3:0 durch Ji (86.) erlebten wir immerhin noch akustisch. Verdienter Sieg.

Die Rückfahrt begann wie geplant, auch der 4-Minuten-Umstieg in Mannheim klappte. Jedoch gönnte uns eine Signalstörung kurz vor Hannover den verdienten Feierabend nicht. Anschlusszug weg, statt dessen 20 Minuten warten am Infopoint und dann mit dem Großraumtaxi nach Braunschweig. Und da am Bahnhof um nach 2 Uhr nachts anzukommen wenn man noch weiter muss ist auch kein Zuckerschlecken… Wie ist denn das nun mit neuen Nachtbussen?

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Hannover – Stuttgart

 

 Hannover 96 – VfB Stuttgart

28.11.2004, 1.Bundesliga, AWD Arena, Endstand: 0:0

Zu diesem Spiel folgte ich dem Lockruf meines Vaters, der über seine damalige Firma Freikarten bekommen hatte. Diese vergab die Firma wohl reihrum an Mitarbeiter, denn wir wurden von den Sitznachbarn so nach dem Motto “Aha, wieder mal neue Gesichter” begrüßt. Doch muss ich zugeben, dass ich bis dahin und auch bis heute (Okt. 2010) nicht mehr so gute Sicht bei einem Fußballspiel hatte. Schön Höhe Mittellinie, relativ weit unten am Spielfeld, trotzdem noch hoch genug für Sicht in die Tiefe. Für lau in Ordnung, würde ich sagen. A propos lau, das Spiel war leider zum Abgewöhnen, quasi die Schattenseite des vermeintlichen Schnäppchens. Lautstark allerdings die Stuttgarter Fans, dafür dass es im Verhältnis vermeintlich wenige waren.

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