Cottbus – BTSV

 

FC Energie Cottbus – Eintracht Braunschweig

24.11.2012, 2. Bundesliga, Stadion der Freundschaft, Endstand: 3:1

Cottbus Zum zweiten Mal in diesem Kalenderjahr sollte es für uns an diesem November-Wochenende nach Cottbus gehen. Da das Auswärtsspiel beim FC Energie natürlich mit einem Besuch bei unseren Cottbusser Kumpels verbunden werden sollte, machte man sich bereits am Freitag nach getaner Arbeit auf die knapp 330km lange Fahrt in die Lausitz, welche in ca. 3,5 Stunden per Auto zurückgelegt wurde.

Nach herzlicher Begrüßung und Verteilung der einzelnen Schlafplätze, startete auch schon unser Abendprogramm. Da man beim letzten Besuch im März schon einiges von Chóśebuz – wie Cottbus auf sorbisch heißt – gesehen hatte, stand für den Freitagabend, auch aufgrund der frühen Anstosszeit am Samstag, ein eher ruhiger Abend auf dem Programm. Neben den ebenso leckeren wie unbezwingbaren XXL-Schnitzeln wurden im Restaurant Redo aber, dank Zapfhahn direkt am Tisch, auch noch einige Biere verköstigt. Für den obligatorischen Scheidebecher ging es dann noch ins Cafe Lehnertz und dann per Taxi zurück nach Sielow, dem nord-westlichsten Ortsteil der Stadt.

Nach ausgiebigem Frühstück am frühen Samstagvormittag, machte man sich gemeinsam mit unseren Gastgebern auf Richtung Stadion der Freundschaft. Dort angekommen begrüßten wir zwei weitere Freunde, die den Weg zu uns aus Berlin gefunden hatten. Anschließend folgte die schon aus dem März bekannte Tortur der Einlasskontrolle, bei der drei(!) Stationen an Ordnungskräften zu durchlaufen sind: gründliches Abtasten, danach Portemonnaie- und Taschenkontrolle und zu guter Letzt hieß es dann noch “Schuhe aus!”. 20 – 30 Minuten dauert dieser Spaß, inklusive Drängeln ohne Ende aufgrund immer weiter nachfolgenden Gästefans, vorausgesetzt natürlich es fahren denn genügend mit. Dank gehaltvollem Bier im Ausschank wurde man anschließend wenigstens etwas entschädigt, allerdings wusste auch dieser Service nicht vollends zu überzeugen, wurde doch nur eine(!) Bude für ca. 1.000 – 1.200 Gäste zur Verfügung gestellt. Definitiv nicht ausreichend – entsprechende Warteschlangen logische Konsequenz.

Cottbus Kurz vor Spielbeginn hatten wir dann tatsächlich im Block noch Platz gefunden um ohne größere Sichteinschränkung das Spiel zu verfolgen. Ein Glücksfall, ist doch dieser Gästekäfig eigentlich eine Zumutung wenn es darum geht dem zahlenden Gast freie Sicht zu gewähren. So aber konnte das Duell Tabellenvierter gegen den Spitzenreiter vor insgesamt 11.740 Zuschauern beginnen. Und das tat es mit einer Menge Druck der Rot-Weißen, die folgerichtig schon früh zur Führung führte: Eine gefühlvolle Flanke nach kurz ausgeführter Ecke von links, konnte Energies bislang erfolgreichster Torschütze Boubacar Sanogo in Minute 5 völlig ungehindert per Kopf in die Maschen drücken. Genau davor hatte Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht vor der Partie gewarnt. Doch anschließend wachte die Eintracht auf und erspielte sich eine optische Feldüberlegenheit, die schließlich Domi Kumbela mit dem Ausgleich belohnte: Nach einer Theuerkauf-Ecke verlängerte Deniz Dogan den Ball zum Goalgetter, der diesen aus Nahdistanz im Cottbusser Tor unterbrachte. 13 Minuten waren da gerade gespielt und in der Folge entwickelte sich die vielleicht beste Halbzeit, die diese Liga in dieser Saison bislang zu sehen bekam. Beide Teams legten eine Mischung aus Tempo und Einsatz an den Tag, die dem Prädikat “Spitzenspiel” absolut gerecht wurde. Und ein Treffer sollte vor der Pause noch dabei rumkommen: In der 44. Spielminute wuchtete Julian Börner eine Stiepermann-Ecke am kurzen Pfosten zum 2:1 für die Gastgeber ins Gehäuse von Daniel Davari und erzielte damit den dritten Kopfballtreffer dieser Partie. Kurz vorher hatte Davari bereits eine Großchance von Stiepermann mit einer Glanztat entschärft und auf der Gegenseite Vrancic, Boland und Kruppke beste Chancen vertan. So ging es mit einem Rückstand in die Kabine.

Doch nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff der Partie hatten die Blau-Gelben die nächste Riesenschance zum Ausgleich, doch Mirko Boland zielte zu genau und traf mit seinem Schuss nur den Pfosten. In der Folge dominierte der Tabellenführer die Partie nach Belieben, allerdings ohne die ganz großen Gelegenheiten heraus zu spielen. Nun schlug jedoch die Stunde des bis dahin schon nicht überzeugenden Bundesliga-Schiedsrichters Manuel Gräfe aus Berlin: Eine wahre Kartenflut stürzte auf die Spieler herein, die keiner der im Stadion Anwesenden auch nur im Ansatz nachvollziehen konnte. So sah zum Beispiel Eintracht-Kapitän Dennis Kruppke eine gelbe Karte, ohne das er seinen Gegenspieler auch nur annähernd berührt hätte; Boubacar Sanogo auf der Gegenseite jedoch durfte weiterspielen obwohl er, schon verwarnt, Steffen Bohl mit einer an eine Tätlichkeit grenzenden Aktion zu Boden schickte. Der Gipfel der Bodenlosigkeit folgte allerdings in der 81.Minute: Einen Abschlag von Keeper Kirschbaum verlängerte der kurz zuvor eingewechselte Daniel Brinkmann, in dem er sich bei Norman Theuerkauf für alle sichtbar unfair aufstützte, ausgerechnet zu Sanogo, der ja schon längst des Feldes hätte verwiesen werden müssen, dieser legte per Kopf zurück auf den nach seinem Foul völlig freien Brinkmann und dieser vollendete mit einem Traumtor aus über 20 Metern zum vorentscheidenen 3:1. Als kleines Bonbon wurde Theuerkauf anschließend wegen Meckerns mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen. Cottbus Ohne Worte. Ein paar Minuten später drang Benjamin Kessel in den Cottbusser Straufraum ein und wurde von Ziebig unsanft und vor allem nicht regelgerecht vom Ball getrennt – dass der Elfmeterpfiff des Herrn Gräfe hier ausblieb, überraschte schon längst niemanden mehr. So endete ein Spitzenspiel, dass eigentlich keinen Sieger verdient gehabt hätte, mit einem Heimsieg für den FC Energie, was zugleich die erste Saisonniederlage für den BTSV Eintracht bedeutete. Für uns ging es im Anschluss wie schon im März zu unseren Kumpels ins Energie-Eck, der Vereinskneipe auf dem Gelände des Stadions. Dort wurde noch bei dem ein oder anderen Bier erst kontrovers diskutiert, dann gemeinsam gefeiert, die Bundesliga per Bezahlfernsehen konsumiert und gelegentlich ein Lied angestimmt. Der Start in einen Abend, der erst in den frühen Morgenstunden endete.

Nach viel zu kurzer Nacht, aber erneut opulentem Frühstück, brachen wir wieder gen Heimat auf. Mit der Gewissheit wieder ein großartiges Wochenende gemeinsam erlebt zu haben und in der Hoffnung dies spätestens im Frühjahr in Braunschweig wieder tun zu können, verabschiedete man sich voneinander. e.b.

 


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Bayern

 

In 5 Tagen durch Bayern: Nürnberg, Regensburg, München, Illertissen

 

Tag 1

 1. FC Nürnberg – Eintracht Frankfurt 

21.09.2012, 1.Bundesliga, Easy Credit Stadion, Endstand: 1:2

Nürnberg Erste Station unserer Bayern-Rundreise sollte Nürnberg sein. Nur knapp 3,5 Stunden mit der Bahn stellten eine akzeptable Reisedauer dar, und per Frühbucherpreis kostete der Spaß nur 44,75 Euro für 2 Personen mit je einer Bahncard 25.

Bei strahlendem Herbstsonnenschein verließen wir also gegen 11.40 den Nürnberger Hauptbahnhof. Erstes Ziel sollte das „bahnhofsnahe“ Leonardo Hotel sein, um das Gepäck loszuwerden. Die Bahnhofsumgebung ist ja nur so gepflastert mit Hotels, und gleich vis-a-vis sieht man die Altstadt, das Kernstück Nürnbergs. Zu unserem waren es dann doch ca. 2 km, und das Rotlicht strahlte, je näher wir kamen, immer stärker. Zuerst unauffällige Nachtclubs ab 18 Jahren, dann Etablissements wie Infinity und African Center. Und gleich daneben ein schickes 3-Sterne Hotel. Die Zimmer waren leider noch nicht bezugsfertig, aber das Gepäck konnten wir trotzdem dalassen.

Nürnberg Das schöne Wetter musste ausgenutzt werden, so latschten wir mit einem kleinen Schlenker durch die City zurück zum Bahnhof, um mit der S-Bahn nach Feucht zu fahren. Von dort waren es etwa 3,5 km bis zur Waldgaststätte Brückkanal. Die liegt sehr idyllisch an der Schwarzach, die genau dort von einer Kanalbrücke überquert wird. Leider führt dieser Weg durch das Industriegebiet von Feucht, eine 1,5 km längere, aber dafür auch schönere Strecke durch eine Klamm kann man gehen, wenn man bis Ochenbruck weiterfährt. Rauchenden Fußes stärkten wir uns mit Leberkäs, Spiegelei und Kartoffelsalat – 2 Klopperscheiben für 4,80 Euro. Da war der Rückmarsch aber auch fällig… Eine Wanderkarte oder ein Foto vom Umgebungsplan am Feuchter Bahnhof empfehlen sich.

Eigentlich sollte dann noch die Nürnberger Altstadt drankommen. Die ist durch alte Mauern und einen Ring aus Tram, S- und U-Bahn richtig abgetrennt vom Rest, es gibt viel Fußgängerzone und wenig Auto- und Busverkehr sind möglich. Weil aber die Füße so dampften und es auch etwas später wurde als geplant, taten wir uns keinen Stress an, sondern bezogen endlich unser Zimmer.

Klein aber fein, mit Dusche und WC ensuite sowie TV und zwei Betten statt Doppelbett. 27,- Euro pro Person inkl. Frühstück, das geht durchaus. Dann nahte auch schon das Highlight des Tages, das Duell um Platz 1 der Liga – zumindest vorübergehend. Das Ticket gilt 4 Stunden vor dem Spiel als Fahrausweis der zahlreichen Verkehrsmittel, und mit den Nürnberger Fans anzureisen war total entspannt.

Nürnberg Im Innenraum herrschte schöne Flutlichtatmosphäre, und zahlreiche Frankfurter hatten den Weg nach Nürnberg gefunden. Das alte Frankenstadion heißt ja nun wie oben genannt, aber eine große Schar Fans arbeitet gerade daran, eine Umbenennung in Max Morlock Stadion zu erreichen, nach der Gallionsfigur des 1. FC Nürnberg. Zum Einlauf machten die Hessen ihrem Ruf mal wieder alle Ehre, indem munter Pyrotechnik gezündet wurde – eine erste Ansage von den Rängen (Video).

Der FCN begann munter und hatte gleich ein paar schöne Freistoßgelegenheiten, konnte aber keine davon nutzen. Nach 20 Minuten hätte Zambrano nach wiederholtem groben Einsteigen vom Platz geschickt werden müssen, wurde aber nur ermahnt. So konnte die Eintracht ihren Konterfußball weiter durchziehen, und durch viele Abspielfehler im Aufbau der Hausherren bekamen sie zunehmend Möglichkeiten. Eine davon nutzte der kurz vorher für Occean in die Partie gekommene Hoffer in der 25. Minute zum 0:1, was dem Club sichtbar für etwa 10 Minuten zusetzte.

Nürnberg Dann erhöhten sie wieder den Druck und kamen durch einen Schuss von ich meine Kiyotake leider nur zu einem Pfostentreffer. Bald darauf kam ihnen dann die Halbzeit dazwischen. In der wurde die U17 des 1. FC Nürnberg offiziell geehrt, denn die sind nämlich Meister der B-Jugend Bundesliga Süd/Südwest 2011/2012 geworden. Nach Wiederbeginn agierten die Gäste sehr defensiv, und der FC rannte an, kreierte aber wenig Torgefahr. Außer bei Standards, und um die 60. musste ein Frankfurter nach einer Ecke auf der Linie klären, und des einen Pech ist des anderen Glück: Fast im Gegenzug kam Inui frei an den Ball, ging vor dem 16er nach innen und traf sehenswert ins lange Eck zum 0:2.

Die Clubberer machten nun auf und erzeugten mächtig Druck. Das brachte noch eine gute Chance für Eintracht Frankfurt, die aber ungenutzt blieb. Mittlerweile war Polter im Spiel und belebte den Angriff merklich. Und als Kiyotake einen weiteren Freistoß in den Strafraum brachte, war er per Kopf zur Stelle: Nur noch 1:2 (76.). In der Schlussviertelstunde kam der Überraschungsaufsteiger kaum noch zur Entlastung. Das Stadion fiel von einer lautstarken Emotion in die nächste, herrlich anzusehen. Heim- und Gastfans gaben nochmal alles, jetzt wo das Spiel auf Messers Schneide stand.

Nürnberg Aber Nürnberg schaffte es nicht mehr, sich den verdienten Punkt zu sichern, denn kurz vor Schluss verpasste Polter eine Hereingabe um Zentimeter, völlig frei und nur wenige Meter vor dem Kasten von Trapp. Entsetzt verstummten die Nürnberger, die den Torschrei schon auf den Lippen hatten, und die Frankfurter konnten erleichtert einen weiteren Sieg feiern und zumindest für eine Nacht die Tabellenspitze übernehmen. Aber auch die Heimmannschaft erhielt noch aufmunternden Beifall.

Nach Abpfiff wurden erst eine Brezel und danach „3 im Weckla“, also 3 Nürnberger Würstl im Brötchen, verhaftet, dann führte der Weg heimwärts. Inzwischen regnete es auch leicht, daher fiel der abendliche Rundgang etwas kürzer aus. In den genannten Clubs herrschte nun auch Betrieb, aber wir wollten uns gerne hinlegen. Noch etwas TV und ein Absacker beendeten diesen Tag.

 

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Tag 2

 SSV Jahn Regensburg – FC Energie Cottbus 

22.09.2012, 2.Bundesliga, Jahnstadion, Endstand: 0:1

Nach einem ausgezeichneten Frühstücksbuffet (mit English Breakfast, Croissants, frischem Obst,…) checkten wir aus und nahmen bequem die U-Bahn vom Plärrer zum Bahnhof, wo wir just in time den ICE nach Regensburg erwischten. Kaum eine Stunde später um 11.30 h war diese Tagesetappe auch schon genommen. Im Event- und Reisebüro im Bahnhof erstanden wir unsere Tickets für das Spiel, eine Sorge weniger. In mehreren Versuchen per Telefon und E-Mail in den zwei Wochen zuvor war es nicht gelungen, Kontakt zur Geschäftsstelle des SSV herzustellen, am Spieltag selbst leider auch nicht, sehr schade. Der Reisebüromann bestätigte das abwinkend und mit einem seufzenden „Aaach jo… des is schwierig hier“

Regensburg Also los zur Unterkunft, dem Brauereigasthof Spitalgarten, direkt an der Donau gelegen, kurz bevor die sich mit dem Regen vereint. Schusters Rappen meldeten sich zwar nach ein paar gelaufenen Metern in Richtung Norden wieder, aber wir hielten durch. Zimmer bezogen (ich hatte das Glück, ein zweites Paar Schuhe zum Wechseln mitzuhaben!) und ab zum Stadion, denn die Zeit wurde allmählich eng. Zwar nicht eng genug, um nicht noch ein paar Bilder zu machen, aber am Fischmarkt bestiegen wir dann doch einen Bus zum Stadion. Ausstieg war an der Haltestelle Goethestraße, und wenige Meter weiter sah man dann das Jahnstadion nach britischem Vorbild eingebettet in ein Wohngebiet.

Der Einlass war kein Problem, und die Blockwahl ist im Heimbereich relativ flexibel. So betrachteten wir von der Gegengeraden aus die neuen Sitzblöcke auf der Haupttribüne, die fix errichtete Stahlrohr-Hintertortribüne (hier hätten wir hingesollt) sowie die neue elektronische Anzeigetafel. Insgesamt fanden sich 5.500 Zuschauer bei leichtem Nieselregen ein.

Regensburg Die Partie begann mit einem Paukenschlag der Gäste. Beim ersten Angriff in der vierten Minute verunglückte eine Hereingabe von Sörensen und kullerte direkt auf Jahn-Keeper Hofmann zu. Beim Aufnehmen rollte ihm der nasse Ball zwischen den Hosenträgern durch und es stand 0:1, was den ausdauernden Support der Cottbuser Fans natürlich lauter werden ließ. In der Folge nahm der Gast dann auch kaum mehr am Spielgeschehen teil, zumindest wurden alle Versuche von der starken Hintermannschaft der Gastgeber gestoppt. Ab Mitte der ersten Halbzeit übernahm der SSV Jahn Regensburg endgültig das Ruder und konnte sich einige Chancen erarbeiten, es fehlte aber an Genauigkeit im finalen Pass und auch an Glück, für Cottbus rettete einmal die Latte.

Die Pause tat einzig den Gästen gut, die witterten Morgenluft nach Wiederanpfiff und gaben nochmal fünf Minuten Gas. Dann fand Regensburg auch wieder statt, konnte aber einige schöne Angriffszüge nicht erfolgreich abschließen. Es folgte ein weiterer Lattentreffer, einmal Pfosten und fast ein Eigentor durch Missverständnis bei Kopfballrückgabe zwischen einem Lausitzer Abwehrspieler und Torwart Kirschbaum.

Regensburg Dazu schien der FC Energie Cottbus den Schiri mitgebracht zu haben (Kicker-Note 4), denn der schien oft überfordert und beraubte den Jahn vier oder fünf Mal des Ballbesitzes durch diverse Fehlentscheidungen, gerade in der hitzigen Schlussphase. Denn da drückte Regensburg nochmal richtig und auch die vorher eher schweigsamen Heimfans wurden nun laut – allein es half alles nix. Wieder mal gut mitgehalten, weitgehend sogar überlegen gewesen und doch wieder nicht mit einem Tor belohnt worden. Und der Gegner gewann ohne eine Torchance, das habe ich überhaupt noch nicht gesehen.

An sich war es ein sehr gemütliches Zuschauen, zumal direkt vor mir zwei sehr emotionale Jahnfans standen, die den ganzen Umkreis unterhielten und amüsierten. Hinter mir allerdings bekam ich bei der Einwechslung vom Regensburger Weidlich folgenden Spruch mit, von dem ich nicht weiß wie er gemeint war: „Noch a Neecher… mit vier Neecher gewinn wia des Spiel net mehr.“ Gelacht hat jedenfalls keiner drumrum, aber nach ein paar strengen Blicken der Umstehenden kam auch nichts mehr nach.

Regensburg Nach einem Spaziergang durch die sehr schöne Altstadt mit tollen Gebäuden und kleinen Gässchen wurden wir auf der Suche nach einer Sky-Bar fündig. Die Heimat übertrug Schalke – Bayern, das nahmen wir, auch wegen der Füße, gerne mit. Ganz nette Location. Das Abendessen wurde dann im Spitalgarten eingenommen, es gab (meine erste!) Schweinshaxe mit Knödel und Salat, dazu ein in der hauseigenen Brauerei hergestelltes Spitalbräu. Ich hatte ein Helles, also ein Pils, der Kollege entschied sich für Weizen – beides lecker.

Das Zimmer war ordentlich für erneut 27,- pro Person inkl. Frühstück, und beim rein- und rausgehen konnte man den Schlüssel selber ans Brett hängen bzw. vom Brett nehmen. Für Spätheimkehrer gibt es einen Sondereingang, falls die Wirtschaft schon geschlossen ist. Die hat offen, solange Kundschaft da ist. Die Toilette und Duschen sind auf dem kurzen Etagenflur gelegen.

 

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Tag 3

 TSV 1860 München – Eintracht Braunschweig 

23.09.2012, 2.Bundesliga, Allianz Arena, Endstand: 1:1

Regensburg Das Frühstück stand bereits auf dem Tisch parat, verschiedene Brötchen- sorry, Semmelsorten mit Ei und üppiger Fleisch- und Käseplatte sowie einer exzellenten Stachelbeermarmelade. Nach Bezahlung und Auschecken spazierten wir noch durch Rehngschburg, mit dem Ziel, vor der Abfahrt noch das fürstliche Schloss derer zu Thurn & Taxis anzusehen. Leider wurde das aus Zeitgründen nix, nicht mal zu einem Blick aus der Ferne hat es gereicht… Aber mein Laufgefühl war mit dem zweiten Paar viel besser und die Blase ging zurück – im Gegensatz zum Mitreisenden, dem langsam ein zweiter großer Zeh wuchs.

Am Bahnhof trafen wurden wir von einem jungen Paar angesprochen, ob wir uns mit an einem WE-Ticket beteiligen – klaro. Eine fünfte Person wurde auch noch gefunden, alles wunderbar. Ich dachte, die beiden wollten auf das Oktoberfest, aber als wir so auf den Zug warteten, begann er zu erzählen, dass ja nur wenige Münchner bzw. Bayern dorthin gehen würden und er ja zum Fußball wolle. Sein Gesicht war dann dementsprechend, als wir sagten, dass das auch unser Ziel sei, wir aber aus Braunschweig kämen. So konnte er nicht wie geplant “losledern”, die Unterhaltung über das Spiel blieb kurz und sachlich. Beim Ausstieg floskelte er dann irgendwas von “Möge der Bessere gewinnen” und wir irgendwas von “Gutes Spiel dann” und dann trennten sich unsere Wege wieder.

In München war gleich ein ganz anderer Trubel. Oktoberfeststart, ein Wahnsinn. Gefühlte Millionen Reisende schlichen um die verschiedenen Schließfächer, immer auf Beute in Form eines herausragenden Schlüssels aus, die Gepäckaufbewahrung war überlastet… Nach 25 Minuten, nachdem wir schon erfolglos im Hotel um Kurzaufbewahrung gebettelt hatten, fanden wir immerhin ein kleines freies Fach. Schnell Fanutensilien gegriffen und Koffer nebst Reiserucksack und Umhängetasche mit sanfter, aber bestimmter Gewalt da reingewämst. Fach voll bis zum Anschlag, aber die Tür ging gerade so zu.

München Per U-Bahn setzten wir deutlich entspannter den Weg zur Münchner Arena fort. Ein Mal umsteigen am Marienplatz in die U6 und kurze Zeit später hieß es: „Nächste Station: Fröttmaning“.  Gästekarten gab es noch zur Genüge, sogar Stehplatz, dazu eine Verzehrkarte besorgt (die man übrigens mit einem beliebigen Betrag laden kann) und dann hinein zwischen die über 31.000 Zuschauer.

Die Sechzger traten heute mit Oktoberfest-Trikots an: Shorts, die aussahen wie Lederhosen und ein Jersey mit hellblauen und weißen (eben bayrischen) Rauten. Nun ja, wem´s gefällt – bei einem großen Internet-Auktionshaus sollen die schon für 200,- Euro rumgehen. Vielen Besuchern sah man an, dass das Spiel nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur Wiesn ist, dennoch (oder gerade deswegen?) kam eine ganz gute Stimmung zustande.

Der TSV 1860 München kam besser in die Partie und konnte in den ersten 10 Minuten zwei passable Chancen verbuchen. Doch dann fanden die Gäste ins Spiel und beherrschten Ball und Gegner. Folgerichtig gelang dann nach einem Kratz-Freistoß der verdiente Führungstreffer durch Kumbela, der damit sein ersehntes erstes Saisontor erzielte. Natürlich war ich es, der vor dem Spiel sagte, dass Kumba heute dran sei, so bescheiden bin ich dann doch, das zu erwähnen.

München Die Münchner Stimmung ebbte dann auch etwas ab, zumal Eintracht mal wieder zügig hätte den Sack zumachen können und müssen, aber u.a. der Capitano (2x) und Dogan verpassten beste Möglichkeiten bis zur Pause. Den Gastgebern wird es recht gewesen sein, obwohl sie zu Beginn der zweiten Halbzeit weiter einfallslos blieben und weitere gute Chancen der Braunschweiger zulassen mussten. Erst nachdem nach einer Ecke der glückliche Ausgleich durch Aygün gelang (59.), wurde Sechzig stärker und war nun spielbestimmend, ohne aber wirklich Torgefahr zu entwickeln. Trotzdem ergaben sich weiterhin Chancen für Eintracht Braunschweig, die klarste vereitelte aber der Schiri (wohl eher der Linienrichter), indem er einem regulären Treffer durch Dogan die Anerkennung verweigerte und stattdessen auf Abseits entschied.

So war die Siegesserie von 15 Punkten aus den bisherigen 5 Spielen gerissen, aber immerhin blieb man ungeschlagen. Und das Wichtigste: Weiterhin Spitzenreiter! Zeit zum Genießen blieb aber nicht, denn ich wollte doch heute noch nach Illertissen, um dort im Schlossbrauereigasthof zu speisen, da morgen Ruhetag war. Also schnell zum Bahnhof, wo sich unsere Wege erstmal trennten, denn der andere wollte noch jemanden treffen und hier übernachten.

So nahm ich den ICE nach Ulm, wo ich den Anschlusszug (RB) wegen Verspätung verpasste. Vorsicht vor Gleis 5b, das ist am selben Bahnsteig wie Gleis 4 Süd, nur ganz weit draußen. Als Fremder, der in 2 Minuten  das Gleis wechseln und 5b finden muss, ist mir das nicht gelungen. Zum Glück stand Ulm*NV auf dem Ticket, damit kann man, wie mir im DB Zentrum erklärt wurde, ohne Zugbindung in Ruhe die nächsten RB/RE benutzen. Keine 30 Minuten später saß ich also im nächsten RE.

Illertissen Nach soviel „Großstadt“ kann man schon etwas unterrascht sein, wenn man in Illertissen aussteigt. Der erste Eindruck rund um den Bahnhof war auch nicht so überragend. Baustelle, großes hässliches Einkaufszentrum und nicht so schöne Gebäude drumherum. Aber es wurde besser, je näher ich dem Landhotel kam. Trotz der Uhrzeit (nach Zimmerbezug und Frischmachen war es etwa 20.20 Uhr) bekam ich noch warme Küche, frischen Sauerbraten mit Spätzle und Salat. Das war so verlockend, dass ich mich schweren Herzens von der Idee Schlossbrauerei verabschiedete, zumal dieser Gasthof am anderen Ende der Stadt lag. Stattdessen probierte ich Memminger Weizen hell, das ist auch sehr lecker, und ging früh aufs Zimmer, vor dem Schlafen schon mal Fotos am Netbook ausmisten.

 

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Tag 4

 FV Illertissen – FC Bayern München II 

24.09.2012, Regionalliga Bayern, Vöhlinstadion, Endstand: 3:2

Wenn ein Tag mit so einem Frühstücksbuffet beginnt, stört auch der Morgennebel nicht. Im Umfang fast so üppig wie im Hotel Leonardo, nur kein English Breakfast, kein Gemüse und weniger Obst, dafür mehr Auswahl bei den Belägen. Das Zimmer ist 1a für die 68,- Euro, leider ist es ein Doppel- statt  Zweibettzimmer. Gute Matratze, TV, Balkon, alles sehr sauber und gepflegt. Früher betrieben die freundlichen Wirtsleute den angeschlossenen Reiterhof mit, mittlerweile halten sie selber nur noch drei Pferde und haben den Rest an einen Metzger verpachtet, der mit seinem „Hobby“ (Reiten, nicht Schlachten!) mittlerweile bayerischer Meister ist.

Illertissen Noch ehe der Nebel verschwunden war, brach ich zum Stadtrundgang auf. In der Altstadt sah es dann auch wirklich schön aus, und um kurz vor 10 Uhr begann dann auch das Carillon in der St. Martinskirche zu spielen. Ein solches Turmglockenspiel kommt auch in dem Film “Willkommen bei den Sch´tis” vor. Die Standardspielzeiten sind wie erwartet programmiert, aber von Zeit zu Zeit gibt es richtige Konzerte. Aber auch computergesteuert klingt es sehr viel schöner als plumpe Kirchenglocken.

Nächste Station war die Schlossbrauerei mit angeschlossenem Gasthof, wo sich Tradition und Moderne treffen. Das schicke Braugebäude und der Gasthof stehen in deutlichem Kontrast zu den alten verfallenen Lagergebäuden und Verladeanlagen. Nach dem Reinfall gestern hätte ich nun heute gern eine Flasche Schlossbräu gekauft, aber es war ja nun Ruhetag und keine der ca. 10 befragten Personen (so viele muss man in einem ca. 16.000 Einwohnerort erst einmal finden!) konnte mir sagen, wo das außerhalb der Brauerei geht. Schade.

Illertissen Also weiter zum nahegelegenen Schloss, das unter anderem das Bienen- und das Heimatmuseum beherbergt. Leider wurde ersteres umgebaut und zweites öffnet nur Mittwoch, Samstag, Sonntag und an Feiertagen. Wieder Pech. Ein kurzer knackiger Aufstieg, aber der Anblick ist es wert. Zurück in der Altstadt wurde noch das Rathaus in näheren Augenschein genommen, dann war das Pensum auch erst einmal erschöpft. Bis der Nachreisende am Bahnhof ankam, las ich bei einem Cappuccino die Illertisser Zeitung, zuerst natürlich den Vorbericht auf das heutige Schlagerspiel. Mit 3.000 Besuchern sollte es ausverkauft sein! Klar unterschätzt hatten wir die Wirkung des FCB II, Karten wollten wir an der Tageskasse holen. Doch laut Bericht gab es ab 15 Uhr nur noch 300 Stück. Planänderung!

Illertissen Zurück im Hotel-Landgasthaus Illertal beruhigten wir die Nerven erst einmal mit einem Stück leckeren Zwiebelkuchen mit Tegernseer Hell, in Ermangelung von Federweißer. Gegen 14.40 Uhr brach ich dann zu einem Spaziergang auf. Erst zum Stadion, wo der Verkauf schon lief als ich gegen 14.50 Uhr ankam: Kein Andrang wie befürchtet, souverän zwei Karten und zwei Stadionzeitungen abgegriffen. Perfekt. Dann zur Iller, an der ich entlanggehen wollte, um dann quasi hinten rum zum Hotel zurückzukehren. Jedoch kam es dabei zu zwei Missgeschicken: Ich erwischte nicht die Iller, sondern ihren Kanal, der direkt daneben fließt, und ich konnte nicht ahnen, dass die auf der Karte eingezeichneten Wege Waldwege waren – natürlich schön aufgeweicht und morastig, herzlichen Dank…

Mit frisch gereinigten Schuhen verließ ich den Gasthof, und eine Dreiviertelstunde vor Anpfiff standen wir dann auf der Gegengeraden des Vöhlinstadions. Drinnen und draußen half die ganze Stadt mit, so schien es. Die Ortsfeuerwehr wies den Autos Parkplätze zu, die Polizei und Security taten das ihre, und Vereinsmitglieder stellten noch zusätzliche Ordnungskräfte. Obwohl es ein Sicherheitsspiel war, blieb alles friedlich, vielleicht auch weil „nur“ Leichtbier ausgeschenkt wurde. Man könnte fast von Freundschaftsspielatmosphäre sprechen, wäre da nicht die Regionalliga Bayern.

Illertissen Der Aufsteiger FV Illertissen als überraschender Tabellenführer empfing also die Amateure des großen FC Bayern, deren Coach Mehmet Scholl bereits vor Saisonstart das Ziel Aufstieg in die Pressemikrofone diktiert bekam und mit Platz 8 alles andere als zufriedenstellend dastand. Von dieser Ausgangslage war in der ersten Hälfte allerdings wenig zu spüren. Die technisch überlegenen Gäste begannen munter und zwangen den FVI zu einigen Fehlern, doch nicht zuletzt der Torwart konnte durch einige Glanztaten die Chancen zunichtemachen und den drohenden Rückstand verhindern. Auch den umstrittenen Elfmeter für die „kleinen Bayern“ parierte er stark, doch durch den Nachschuss stand kurz vor der Pause die Gästeführung nicht unverdient fest (37.). Doch Illertissen zeigte sich nicht geschockt und kam nur zwei Minuten später per Freistoß zum Ausgleich. Mit 1:1 ging es also in die Pause.

Kompliment übrigens an den Away-Support, der kam durchgehend und zwischenzeitlich auch recht laut daher. Die Stimmungsfans des Spitzenreiters konnten ihrerseits trotz Unterzahl auch akustische Akzente setzen. Viele Zuschauer waren auch einfach neutral, genießt der FC Bayern doch in der Gegend große Beliebtheit. Leider ließ die Schiedsrichterleistung in Teilen zu wünschen übrig, aber immerhin beidseitig.

Illertissen Die zweite Halbzeit begann wie die erste endete. Hin und her, Chancen hier und da, eine davon spielte der FC Bayern München II sehr gut zu Ende und ging 2:1 in Führung (62.). Sehr auffällig: Mitchell Weiser auf der linken Seite. Wieder brauchten die Hausherren nur kurz, um sich wieder zu fangen. Aber wie sie sich fingen, nämlich mit dem 2:2 in der 69. Minute! Wieder ein Standard, eine Ecke. Beide Teams wechselten drei Mal, und die Gäste übernahmen nochmal die Kontrolle. Der FVI musste jetzt mehr kämpfen und sammelte zwei gelbe Karten. Man hatte das Gefühl, dass wenn hier noch was passiert der FCB den längeren Atem haben würde, doch Pustekuchen. Illertissen kämpfte weiter, und ein blitzsauberer Spielzug in der 89. Minute fand am Ende Marc Hämmerle, mit 6 Toren aktueller Toptorjäger des FVI, der vielumjubelt zum 3:2 einnetzte. Zum anschließenden Trikotjubel gab es Gelb, was Hämmerle trotzig mit hochgereckten Armen quittierte.

Nach Abpfiff feierten die Blau-Weißen noch kurz mit ihren Anhängern, dann löste sich das Spektakel in Windeseile auf. Auch wir mussten gehen, weil das warme Abendessen im Hotel wartete. Es gab nochmal Sauerbraten, den ich gerne wieder aß, weil er so lecker war. Diesmal rundete eine Fränkische Pflaume zum Magen aufräumen den Abend ab.

 

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Tag 5

Am darauffolgenden Dienstag verließen wir Illertissen dann nach dem Frühstück, und das Ende dieser FußballkulTour nahte mit jedem Kilometer, den der ICE direkt von Ulm nach Braunschweig in sich hineinfraß. Es war eine sehr schöne und empfehlenswerte Rundreise, die an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Zeit vor Ort hätte gebrauchen können, von der es aber sicher einen zweiten Teil mit anderen Zielen geben wird – also Bayern II sozusagen. Bamberg, Würzburg,  Ingolstadt, Augsburg, Ulm, nochmal Nürnberg und sicher auch München endlich mal ausführlicher wären Kandidaten.

Interessant auch die wirklich verschiedenen Dialekte und regionalen Befindlichkeiten, natürlich auch die Speisen und Getränke. Nürnberg liegt ja z.B. in Franken, und dort möchte man nicht als Bayer tituliert werden. Während man in Rehngschburg (Oberpfalz) so bayerisch spricht, wie man es sich im Klischee vorstellt und wie es im oberbayrischen München auch ähnlich ist. In Illertissen hingegen ist man Schwabe, hier werden Spätzle gereicht und auch die Sprache hat schon einen baden-württembergischen Einfluss. Gemein ist allen aber das „Grüß Gott“, und gerade ältere Bürgerinnen und Bürger legen da großen Wert drauf, vorher reden sie nicht mit einem. Natürlich reicht manchmal auch ein „Guten Tag“, sicher kann man nach einem längeren Aufenthalt eine Antenne entwickeln, wann was angebracht ist – vielleicht ja dann während besagtem zweiten Teil…?!

 

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Berlin

 

Ein paar Tage Hauptstadt


 1.FC Union Berlin – FC Energie Cottbus

02.12.2011, 2.Bundesliga, Stadion an der Alten Försterei, Endstand: 1:0

Berlin

 

Voller Vorfreude ging es am frühen Freitagnachmittag zu Dritt, nachdem am ZOB noch ein Mitfahrer eingesammelt wurde, mit dem PKW Richtung Berlin. Neben dem Besuch unserer Berlin- Braunschweiger, die bei meinem letzten Trip im März leider anderweitig verhindert waren, sollten noch drei Fussballspiele, sowie vor allem das Treffen mit unseren Freunden aus Cottbus auf dem Programm stehen. Ihr FC Energie sollte am Abend Gast des 1.FC Union sein und wir wollten da natürlich nicht fehlen.

Nach kurzweiliger Fahrt, die selbstverständlich auch schon zum Konsum diverser Flaschen Braunschweiger Braukunst genutzt wurde, kam man auch pünktlich in der Hauptstadt an. Dort allerdings musste man sich durch den immer dichter werdenden Feierabendverkehr kämpfen und bis der Mitfahrer an einem zumutbaren Punkt abgesetzt und der Ort unserer ersten Übernachtungsgelegenheit aufgefunden war, verging noch einiges an Zeit. Als das Auto schließlich geparkt war, ging es darum den Bus zu nehmen um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Wir hatten uns natürlich vorher die Verbindung aus dem Netz gesucht und die Bushaltestelle war auch direkt um die Ecke, nur leider kam der Bus nicht zum angegebenen Zeitpunkt. Und auch der nächste sollte nicht kommen. So verschwendeten wir ca. 20 Minuten Wartezeit. Langsam sollte es wirklich knapp werden, wollten wir noch pünktlich den Anstoß in der neuen Alten Försterei miterleben.

Notgedrungen ging es also per Taxi und dann schließlich mit der U-Bahn weiter. Unterwegs wurde auch der erste Wahl-Berliner eingesammelt und so ging es zielsicher Richtung Stadion. Dort angekommen galt es nun noch einen der Cottbusser zu treffen, da die Jungs uns die Karten für ihren Block in CB im Vorverkauf besorgt hatten. Nach kurzem Telefonat funktionierte auch dies und quasi mit dem Anpfiff waren die Plätze im Gästeblock eingenommen. Ca. 1.300 Mitgereiste unter den insgesamt 17.478 Zuschauern, sorgten für einen guten Support und so wurde auch der ein- oder andere Blau-Gelbe, auch aufgrund des gestiegenen Alkoholpegels und der Freude über das Wiedersehen mit den Jungs aus der Lausitz, bei leidenschaftlicher Unterstützung ertappt. Immer vorwärts Energie! – ist hier das Stichwort.

Von Beginn an entwickelte sich ein hochklassiges Zweitligaspiel, bei dem beide Seiten weder Kampf noch Tempo vermissen ließen. Der FCE konnte in der 3.Minute in Person des ansonsten bärenstarken Roger die erste große Gelegenheit nicht nutzen und wurde dafür nach 10 Spielminuten bestraft. Nach einer Mattuschka-Ecke, die per Kopf an den zweiten Pfosten verlängert wurde, war es der Brasilianer Silvio, der zum 1:0 einschob. Nach kurzem Schock nahm Energie aber wieder Fahrt auf und die Partie verlief weiterhin völlig ausgeglichen. Union setzte in der Folge durch pfeilschnelle Konter immer wieder Nadelstiche, überließ das Spiel ansonsten aber weitgehend den Gästen, die dies bis zur Pause aber nicht nutzen konnten. Es blieb also beim 1:0.

Die zweite Hälfte begann dann quasi mit einem Sturmlauf der Cottbusser, den aber die „Eisernen“ beinahe zu ihren Gunsten nutzten: Wieder waren es zwei schnelle Konter, die aber zum Glück an FCE-Keeper Kirschbaum und an der Latte verpufften. Kurz darauf traf auch Energie Cottbus die Latte und in der Folge avancierte der bis dahin starke Glinker im Tor von Union zum Mann des Tages. Denn während seine Vorderleute das Ergebnis mehr oder weniger versuchten zu verwalten, bekam der Schlussmann nun alle Hände voll zu tun. Mehrere Großchancen der Gäste machte er zunichte und sicherte seiner Mannschaft so die 3 glücklichen Punkte.

Für uns ging es nach dem Spiel in großer Runde weiter Richtung Kneipe. Nachdem direkt in Stadionnähe der erste kleine Frust ob der unglücklichen Niederlage runtergespült wurde, ließen wir uns von den „Berlinern“ noch ins Nachtleben entführen. Im Wiener Blut und im Travolta in Kreuzberg, beide Läden sind wärmstens zu empfehlen wenn man gute, meist alternative Musik mag, gediegen feiern möchte und dazu faire Preise bevorzugt, wurde die Nacht zum Tage gemacht. Irgendwann in den frühen Morgenstunden ging es dann aber doch ins Bett, schließlich sollten noch zwei weitere Tage mit vollem Programm auf uns warten.

 

 BFC Dynamo Berlin – SV Altlüdersdorf  

04.12.2011, NOFV-Oberliga Nord, Sportforum Hohenschönhausen, Endstand: 0:1

Berlin

 

Nachdem uns am Samstag sintflutartige Regenfälle und die frühe Abreise der Cottbusser Jungs ein wenig aufs Gemüt geschlagen hatten, verwarfen wir unseren Plan, ein Spiel des Berliner Amateurfussballs zu besuchen. Stattdessen wurde in einem gemütlichen Pub in Mitte der Bundesliga-Spieltag per Bezahlfernsehen verfolgt.

Nach einer weiteren feucht-fröhlichen Nacht, deren Highlight u.a. der Besuch eines großartigen Konzerts im Lido in Kreuzberg war, gab es für den Sonntag allerdings keine Ausreden mehr, schließlich war das Wetter absolut in Ordnung und der Besuch des Sportforum Berlin in Hohenschönhausen, Heimat des Berliner FC Dynamo, stand schon zu lange auf unserem Plan. Wir verabschiedeten uns schon relativ zeitig von unserem zweiten Gastgeber an diesem Wochenende, um mit dem PKW in den Nordosten Berlins zu fahren.

Nach knapp 20-minütiger Fahrt konnte ein Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Stadions gefunden werden und auch der geringe Andrang am Kassenhäuschen kostete keine weitere Zeit, so dass wir pünktlich den Ort des Geschehens betraten. Neben uns taten dies nur 236 weitere Personen und so konnte man den Stehplatz seines Vertrauens ganz in Ruhe wählen. Zu Gast im Sportforum war heute der SV Altlüdersdorf, ein Verein aus der brandenburgischen Stadt Gransee im Norden Berlins. In der Tabelle trennte beide Teams gerade mal ein Pünktchen, zudem hatten beide in der vergangenen Woche unnötige Niederlagen kassiert, dennoch ging der 9. Dynamo gegen den 11. Altlüdersdorf als Favorit in die Partie.

Und so trat die Mannschaft zu Beginn auch auf. In den ersten 10 Minuten hätte es gut und gerne 2:0 für die Gastgeber stehen müssen, doch eine gesunde Mischung aus Pech und Unfähigkeit der BFC-Kicker verhinderte eine frühe Führung. Und dann kam der Regen… Wie aus Eimern schüttete es von der einen Sekunde auf die andere und irgendwie verloren die Gastgeber daraufhin völlig den Faden. Und mit der ersten halbwegs brauchbaren Offensivaktion gingen die Gäste dann nach 12 Minuten per Distanzschuss in Führung. Beim BFC ging nun gar nichts mehr zusammen und in der 34.Spielminute verloren sie dann auch noch einen Verteidiger, der aufgrund einer Notbremse folgerichtig die Rote Karte gezeigt bekam.

Berlin Nach der Pause verlagerte der SVA sich ganz aufs Kontern, während Dynamo völlig plan- und kopflos anlief. Der Unmut der Zuschauer entlud sich nun langsam gegen das eigene Team und hätten die Gäste, durchgängig angefeuert von einem Häufchen Fans aus denen einer mit Trommel und einer mit Ostalgie-Tröte herausstachen, eine ihrer zahlreichen Konterchancen genutzt, wäre das Spiel schon früh in der 2.Hälfte entschieden gewesen. So aber mussten die Gäste-Anhänger noch bis zum Schluss zittern, denn Dynamo kam in den letzten 5 Minuten tatsächlich noch zweimal gefährlich vor das Tor. Allerdings reichte es nur zu einem Lattentreffer und einem von der Linie gekratzten Kopfball, mehr nicht.

Am Ende gingen die Anhänger und der Trainer – die einen enttäuscht und durchnässt nach Hause, der andere einer neuen Aufgabe entgegen, nachdem der Verein sich direkt nach dem Spiel von ihm getrennt hatte. Viel Glück, Igor Lazic.
Für uns ging es noch einmal darum eine ordentliche Mahlzeit zu uns zu nehmen und uns dann zum Treffpunkt mit den beiden Mitfahrern zu begeben die man für die Rückfahrt gewinnen konnte. Wohl behalten landeten wir am frühen Abend wieder in der Mutterstadt des deutschen Fussballs. e.b.

Bildergalerie (zum Vergrößern klicken)

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