Berlin

 

2 Tage Hauptstadt

Viktoria 89 Berlin – FC Anker Wismar

07.04.2013, Oberliga NOFV-Nord, Friedrich-Ebert-Stadion, Endstand 3:0

Berlin Herrlichstes Frühlingswetter bei der Ankunft in Berlin und eine ordentliche Portion Vorfreude auf den schon lange geplanten Besuch beim Berliner FC Viktoria 1889, ließen die bisweilen doch langatmige Anreise per Regionalbahn schnell vergessen. Am Bahnhof Alexanderplatz wartete bereits auch schon der Mitstreiter und Gastgeber für die nächsten beiden Tage und so ging es gutgelaunt mit S- und U-Bahn gen Tempelhof, wo im Friedrich-Ebert-Stadion die heutige Partie ausgetragen werden sollte.

153 zahlende Besucher fanden sich schließlich zu dem von der Papierform her ungleichen Duell, Tabellenführer gegen Tabellenschlusslicht, ein. Dabei hätte dieses Spiel allein von der Geschichte beider Vereine her ein deutlich höheres Zuschaueraufkommen verdient und genau deshalb lohnt sich für den interessierten Leser auch ein Blick auf die Geschichte des BFC Viktoria, offiziell immerhin schon zweifacher Deutscher Fußballmeister, und die des FC Anker Wismar, bei dem zum Beispiel Carsten Jancker das Fußballspielen lernte, der u.a. aber auch den ehemaligen Trainer der Braunschweiger Eintracht, Joachim Streich, hervorgebracht hat.

Berlin Für die Berliner ging es also darum die Tabellenspitze in der Oberliga NOFV-Nord zu verteidigen. In diese war man erst im Juni 2011 zurückgekehrt und durch den für den Verein rasanten Aufstieg, hegt man nun ehrgeizige Ziele. So ist für die kommende Saison eine Fusion mit dem Liganachbarn Lichterfelder FC Berlin geplant, die Gespräche diesbezüglich, laut BFC-Vizepräsident im Stadionheft, “fortgeschritten (…) für die neue Kraft im Berliner Fußball: FC Viktoria 1889 Berlin Lichterfelde-Tempelhof e.V.”

Zu Beginn des Spiels konnten die “Himmelblauen” die Erwartungen der Zuschauer, die nach dem Erfolg im Verbandspokal gegen den klassenhöheren Berliner AK 07 und dem souveränen Auftaktsieg nach der Winterpause beim SV Waren 09 sicherlich einen Torreigen erwarteten, allerdings nicht erfüllen. Dies lag aber auch an den vom ehemaligen Bundesligaspieler Timo Lange trainierten und gut eingestellten Ostseestädtern des FC Anker, die bissig in die Zweikämpfe gingen, darüber hinaus aber auch ihre Möglichkeiten nach vorne suchten. Dennoch ging der Favorit in Führung und das mit der ersten vernünftigen Torchance. Diese war allerdings wunderbar über wenige Stationen herausgespielt und Damantang Camara war es schließlich, der den Spielzug eiskalt vollendete. Dies führte zu einem Bruch im Spiel der Gäste, den BFC-Kapitän Ümit Ergirdi weitere sieben Minuten später mit dem 2:0 bestrafte. Als der Wismarer Kapitän Fabian Bröcker auch noch wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff mit einer zumindest fragwürdigen Gelb-Roten Karte vorzeitig vom Feld musste, schien das Spiel für die Gäste endgültig gelaufen zu sein.

Berlin Doch zu Beginn der zweiten Spielhälfte kamen die Rot-Weißen wie verwandelt aus der Kabine. Der Spitzenreiter versuchte das Ergebnis nur noch zu verwalten, während sich die Nordwestmecklenburger mit dem gleichen Biss der Anfangsviertelstunde Feldvorteile erkämpfen konnten. Der Lohn folgte in Minute 52: Nach einem klaren Handspiel eines BFC-Akteurs im eigenen Strafraum, zeigte die junge Schiedsrichterin Katja Mattig auf den Punkt. Doch zum Entsetzen seines Trainer, aber auch der handvoll mitgereister Anhänger, scheiterte FC-Stürmer David Rosinski an Viktorias Torwart Konstantin Filatow. Von diesem neuerlichen Rückschlag erholten sich die Mannen aus Wismar nicht mehr. Zwar gab es an der kämpferischen Einstellung weiterhin nichts auszusetzen, doch spielerisch gelang dem Team nun nicht mehr viel. Im Gegenteil: In der 72. Minute drang Berlins Burak “Mentos” Mentes in den Strafraum der Gäste ein und konnte von diesen nur regelwidrig gestoppt werden. Strafstoß also für Viktoria. Der agile Mittelfeldmotor Adrijan Antunovic legte sich den Ball zurecht, scheiterte aber an Anker-Keeper Maik Sadler. Kurz darauf bewies Viktoria-Coach Thomas Herbst, ebenfalls ein ehemaliger Bundesligaprofi, der es u.a. in der Saison 1982/83 auf 17 Bundesliga- und 2 DFB-Pokal-Einsätze für Eintracht Braunschweig brachte, ein glückliches Händchen: Er brachte in der 75. Spielminute Manuel Marschel, der keine zwei Minuten später mit seinem ersten Ballkontakt das 3:0 erzielte und so den Schlusspunkt einer unterhaltsamen Partie setzte, die für den Trainer des FC Anker Wismar, Timo Lange, die letzte als Chefcoach bedeutete, wie an dem darauffolgenden Mittwoch bekannt wurde. Sein bisheriger Assistent Christiano Dinalo Adigo übernimmt für den Rest der Saison die schwere Aufgabe den FC Anker noch vor dem Abstieg zu bewahren, während Lange dem Verein als sportlicher Leiter mit erweiterten Kompetenzen im Jugendbereich erhalten bleibt. Wir wünschen beiden von dieser Stelle viel Glück und möchten uns zudem noch bei dem äußerst freundlichen Ordner des BFC bedanken, der es uns erst ermöglichte einige Aufnahmen im Friedrich-Ebert-Stadion so zu machen wie sie nun anzuschauen sind, obwohl ein Betreten des Innenraumes und der Kurven bzw. der Gegengerade eigentlich untersagt war. Vielen Dank!

 

 Hertha BSC – Eintracht Braunschweig 

08.04.2013, 2. Bundesliga, Olympiastadion, Endstand: 3:0

Nach dem sonntäglichen Ausflug in den Amateurfußball und einem Montagnachmittag, der ganz im Zeichen der Berliner Street Art stand, sollte am Abend nun das Topspiel der 2. Bundesliga besucht werden: Tabellenführer Hertha BSC gegen den Zweiten Eintracht Braunschweig.

Berlin Als Treffpunkt für dieses Spiel sollte das Bier Kombinat Kreuzberg, eine noch recht neue Kneipe in der vornehmlich Spiele von Borussia Dortmund, dem 1. FC Köln und eben der Braunschweiger Eintracht übertragen werden, dienen. Zum heutigen Anlass präsentierte sich das BKK von seiner gastfreundlichsten Seite: Wolters Pilsener wurde ausgeschänkt, dieses auch noch im traditionellen Jägermeister-Trikot und die Tische waren zum Teil mit blau-gelben Luftschlangen geschmückt. Kein Wunder also, dass sich bei unserer Ankunft schon eine ordentliche Anzahl an Eintracht-Fans eingefunden hatte. Nicht nur jedem Freund des Braunschweiger Turn- und Sportvereins, sei bei einem Berlin-Aufenthalt ein Besuch dieser Lokalität wärmstens empfohlen.

Nachdem man sich im Kreise der Gleichgesinnten schon etwas warmgesungen und noch für ein anständiges Gemeinschaftsfoto posiert hatte, konnte der Weg zum Olympiastadion angetreten werden, schließlich galt es noch die Freunde die eigens für dieses Spiel angereist waren zu treffen. Dies erwies sich zum Teil allerdings schwieriger als erwartet, schließlich herrschte rund um das Stadion ein regelrechter Massenauflauf. Nicht weniger als 51.029 Zuschauer, darunter mindestens 10.000 Braunschweiger und zwei Cottbusser, wollten dem Duell dieser zwei Traditionsvereine beiwohnen. Schlussendlich gelang es uns dann doch noch alle bekannten Gesichter zu begrüßen, einige dieser Kontakte fielen allerdings viel zu knapp aus.

Berlin Nach teils chaotischen Verhältnissen beim Einlass ins Stadion, konnte man gute zehn Minuten vor Beginn der Partie die entsprechenden Plätze einnehmen. Die Stimmung im Gästeblock war bestens, ein nett anzuschauendes Lichter- und Fahnenmeer wurde zum Einlauf der Mannschaften präsentiert und gesanglich ging der Beginn recht deutlich an die Fans  aus der Löwenstadt.

Und das Team, heute ganz in Gelb gekleidet, legte ebenfalls los wie die Feuerwehr. Deniz Dogan hatte nach 5 Minuten im Anschluss an eine Kratz-Ecke bereits die erste gute Gelegenheit, doch sein akrobatischer Fallrückzieher zischte knapp über das Gehäuse. Danach fand das Spiel meistens im Mittelfeld statt, beide Teams erspielten sich keinerlei nennenswerte Torchancen, dafür nahm die Härte in den Zweikämpfen sukzessive zu. In der 34. Spielminute führte einer dieser Zweikämpfe zu einem Freistoss aus dem linken Halbfeld für Hertha BSC. Der bis dahin eher unauffällige Ronny zog aus gut 20 Metern ab, der Ball wurde von Domi Kumbela in der 2-Mann-Mauer leicht abgefälscht und Torwart Daniel Davari ließ den Ball unter seinen Armen im Tor einschlagen. 1:0 für den Favoriten, mit dem ersten ernstzunehmenden Torschuss. Doch die Eintracht antwortete: Im Anschluß an einen Kratz-Freistoss, war es Ermin Bicakcic, der nur um Zentimeter am rechten Pfosten vorbeiköpfte. Halbzeit.

Berlin In Hälfte 2 erwischten dann die Berliner den deutlich besseren Start und bereits kurz nach Wiederanpfiff vergab Ronny völlig freistehend die Riesenchance zum 2:0. Doch knapp 10 Minuten später passierte es dann doch. Der BTSV verlor im Spielaufbau den Ball, dieser wurde nach vorn auf Adrian Ramos gespielt und der ließ auf der rechten Seite den viel zu früh verwarnten Deniz Dogan stehen und lupfte den Ball über Davaris Arm hinweg in die kurze Ecke. Das Spiel schien entschieden. Doch die Eintracht würde nicht so sensationell auf Tabellenplatz Zwei stehen, wenn sie sich in solchen Situationen mit einer Niederlage abfinden würde und so kämpften sich die Mannen von Coach Torsten Lieberknecht noch einmal zurück. In der 73. Minute spielte Norman Theuerkauf einen herllichen Pass in die Spitze, den der inzwischen eingewechselte OrhanAdemi perfekt mitnahm und somit allein vor Hertha-Keeper Kraft auftauchte – diesen aber direkt anschoss und somit auch diese gute Gelegenheit ungenutzt ließ. Keine drei Minuten später passierte dann, was an so einem glücklosen Tag dann eben passiert: Ronny drosch einen Freistoss aus zentraler Position vorbei an der schlecht gestellten Mauer zum 3:0 in die Maschen. Damit war das Spiel dann aber auch tatsächlich gelaufen. Aus insgesamt vier Torschüssen, hatte Hertha drei Tore gemacht. Die Eintracht aus ihren drei guten Gelegenheiten, keines. Solche Effektivität werden unsere Helden in Gelb und Blau aber in der nächsten Spielzeit auch an den Tag legen müssen, wollen sie, den Aufstieg jetzt einfach mal vorausgesetzt, in der 1. Bundesliga Schritt halten. Das Team wurde während der Schlussphase und auch direkt nach dem Spiel noch gebührend gefeiert, schließlich hatte man hier gegen den Ligaprimus, sowohl vom Kader als auch vom Etat her, verloren und der Abstand auf den Relegationsplatz betrug ja weiterhin großartige 10 Punkte.

Für uns ging es nach der Verabschiedung von einem Teil der Freunde noch einmal ins BKK. Diesmal in stärkerer Besetzung. Dort ließ man bei leckerstem Gerstennektar den Abend ausklingen, ehe am Dienstagmorgen der Wecker früh den Aufbruch gen Heimat einläutete und somit einen ereignisreichen Kurztrip beendete.

Vielen Dank noch einmal dafür, Cy.

eb

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