FSV Frankfurt – BTSV

 

FSV Frankfurt FSV Frankfurt - Eintracht Braunschweig 

13.09.2015, 2.Bundesliga, Frankfurter Volksbank-Stadion, Endstand 0:3

img_1896 Ziemlich exakt vier Jahre nach dem letzten Fussballkultour-Besuch beim FSV Frankfurt im September 2011, ergab sich für mich persönlich die erste Gelegenheit einer Stippvisite am Bornheimer Hang. Die letzten Gastspiele unseres BTSV fielen entweder auf Familienfestivitäten oder konnten tatsächlich berufsbedingt nicht begleitet werden. Dieses Mal allerdings weilte ich aus privaten Gründen bereits ab Freitagnachmittag in der Mainmetropole und da dieser Aufenthalt noch bis zum Dienstag andauern sollte, war natürlich klar, dass es am Sonntag auf jeden Fall zu dieser persönlichen Premiere kommen sollte.

Da unsere Blau-Gelben in der aktuellen Spielzeit auswärts noch ohne Gegentor ausgekommen waren und vor 14 Tagen den Karlsruher SC daheim mit 6:0 deklassiert hatten, war vor der Partie durchaus auch gesunder Optimismus vorhanden. Hier und heute waren definitiv drei Punkte drin! Da konnte auch der vor Spielbeginn einsetzende Regen, an einem ansonsten milden Spätsommertag, die Laune nicht schmälern. Unter den insgesamt 5.218 Zuschauern waren auch sicher mehr als 1.000 angereiste Gästeanhänger und so durfte man sich zusätzlich über einen ordentlichen Auswärtssupport freuen.

Beide Teams begannen die Partie engagiert, konnten jedoch in der gesamten ersten Spielhälfte keine klaren Torchancen herausspielen. Zumindest nicht bis zur 43. Minute: In dieser nahm es Sturmtank Emil Berggreen auf der rechten Seite des Frankfurter Strafraums gleich mit drei Verteidigern der Blau-Schwarzen auf, setzte sich tatsächlich gegen diese durch und hatte dann noch die Übersicht um in der Mitte den heraneilenden Ken Reichel zu bedienen, sodass dieser wenig Mühe hatte, um mit einem energischen Abschluss für die 1:0-Führung zu sorgen. Diese hatte dann auch zur Halbzeit zwei Minuten später Bestand. Zugegeben: Die Führung war durchaus glücklich. Aber wenn man den Mannen von Torsten Lieberknecht in dieser Spielzeit eine Tugend bislang nicht absprechen kann, dann ist das eine fast schon beängstigende Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Und das, werte Freunde, ist eine Eigenschaft, die ich persönlich in all den Jahren definitiv noch nie in Verbindung mit Eintracht Braunschweig zu erwähnen wagte.

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Nach dem sehr empfehlenswerten Pausen-Äppler, kamen zunächst die Gastgeber schwungvoller aus der Kabine. Binnen weniger Minuten rettete erst Rafal Gikiewicz und wenig später das linke Tordreieck seines Gehäuses die Eintracht vor dem möglichen Ausgleich. Der – bei einer Standardsituation – mit in den eigenen Strafraum geeilte Berggreen hatte zuvor aus kürzester Distanz letzteres zum Beben gebracht und sorgte so für eine Schrecksekunde im eigenen Lager. Doch unsere Mannen fanden danach wieder in die Partie. Ein goldenes Händchen bewies zudem Lieberknecht mit der Hereinnahme von Gerrit Holtmann. Der 20-Jährige war keine zwölf Minuten im Spiel, als er mit einer feinen Einzelleistung seinen Frankfurter Bewacher abschütteln und zum Abschluss des Solos, den Ball mit einem gefühlvollen Lupfer über FSV-Schlussmann Weis hinweg ins Netz befördern konnte. Natürlich löste dieses Zuckerle eine gewisse Anspannung im Block und so wurde nach 71 Minuten bereits siegesgewiss der anstehende “Auswärtssieg!” gefeiert.

Doch nur zwei Minuten später wurde diese Euphorie vorerst eingebremst: Ausgerechnet Nik Omladic, der heute erstmals in dieser Saison in der Startformation stand, ließ sich vor den Augen des Schiedsrichter-Assistenten zu einer Tätlichkeit hinreißen und wurde folgerichtig mit der Roten Karte vorzeitig zum Duschen geschickt. Sollte jetzt in Unterzahl also doch noch einmal das Zittern um den sicher geglaubten Sieg einsetzen? Mitnichten. Denn den Frankfurtern fiel in Überzahl nun überhaupt nichts mehr ein, um die Eintracht auch nur ansatzweise in Verlegenheit zu bringen. Im Gegenteil: Sechs Minuten vor dem Abpfiff vollendete Mirko Boland eine wunderschöne Doppelpass-Stafette mit Gerrit Holtmann aus der eigenen Spielhälfte heraus zum 3:0-Endstand und sorgte damit für eine entsprechende Party auf den Rängen, einen Tabellensprung auf Platz sechs und das Fortbestehen der gegentorlosen Auswärtsbilanz.

Nachdem ich mich von den bekannten Gesichtern im Block verabschiedet hatte, war ich schon sehr zufrieden, nicht gleich den Heimweg nach Braunschweig antreten zu müssen und freute mich noch über die weiteren Tage in Frankfurt. Und dass der Bornheimer Hang und sein Äppler immer einen Besuch Wert sind, kann ich nun auch mit reinem Gewissen persönlich weitertragen. eb

Unser erster Besuch beim FSV Frankfurt im September 2011

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BTSV – FCM

 

Eintracht Braunschweig Eintracht Braunschweig – 1. FC Magdeburg 1.FC Magdeburg

13.01.2015, Freundschaftsspiel, Stadion an der Flutmulde, Endstand: 0:0

img_1420 An diesem Dienstagabend hieß es, etwas vorzeitig Feierabend machen, vom Büro aus direkt zum Braunschweiger Hauptbahnhof und dann mit der Regionalbahn nach Gifhorn. Grund dafür war das freundschaftliche Aufeinandertreffen unser Blau-Gelben mit dem 1.FC Magdeburg, der sich in der Regionalliga Nordost anschickte, im kommenden Sommer möglichst wieder in den bezahlten Fußball zurückzukehren. Bereits in der Bahn waren einige Magdeburger anzutreffen und so stieg die Hoffnung, dass diese Veranstaltung nicht zum absoluten Langweiler werden würde.

Nach der Ankunft am Bahnhof Gifhorn-Stadt musste ich nur wenige Meter zurücklegen, um mich an einem Parkplatz direkt in Stadionnähe mit den anderen Mitstreitern zu treffen. Einige waren für diesen Freundschaftskick von einer Schulung aus unserer niedersächsischen Landeshauptstadt angereist, andere kamen direkt von der Schicht aus der Nachbarschaft und der Rest war von diversen Arbeitslätzen in der Region zum Treffpunkt gekommen. So fand sich eine doch ganz illustre Runde ein, die diesem Kick, bei zeitweise strömendem Regen und  - für diese Jahreszeit – viel zu milden 10° C Außentemperatur, beiwohnen wollte.

Gut 1.000 Zuschauer hatten sich bei diesen mäßigen Wetterverhältnissen im Stadion an der Flutmulde eingefunden und sahen von Beginn an eine Partie auf Augenhöhe. Für viele dürfte überraschend gewesen sein, wie gut der FCM das Tempo unserer Blau-Gelben mitgehen konnte. Die etwas besseren Torchancen erspielten sich dann aber doch die favorisierten Löwen. Doch Julius Düker (8.), Deniz Dogan per Kopf (19.) und auch Kapitano Dennis Kruppke (Freistoß an die Latte) vermochten den Ball nicht im Magdeburger Gehäuse unterzubringen. Und da auf der anderen Seite lediglich Sowislo (30.) Keeper Gikiewicz halbwegs in Schwierigkeiten brachte, ging es torlos in die Kabine. Die Halbzeit wurde für die obligatorische Nahrungsaufnahme genutzt.

In der 2. Hälfte stand dann eine komplett neue Eintracht-Formation auf dem Platz. So verhalf Torsten Lieberknecht auch dem erst kürzlich verpflichteten Slowenen Nik Omladic zu dessen Debüt. Und dieser wusste in der ein oder anderen Situation auch durchaus zu gefallen. Einer Person sogar so sehr, dass schon feucht-fröhlich die ersten Omladic-Gesänge getextet wurde. Doch die Partie wurde leider nicht wirklich interessanter. Beiden Mannschaften merkte man deutlich an, dass sie sich mitten in der Vorbereitung auf die anstehende Rückserie befanden. Mushaga Bakenga (49.) und Ryu (80.) auf Braunschweiger und Siefke (65.) auf Magdeburger Seite hatten noch die nennenswertesten Chancen hier und heute einen Treffer zu erzielen. Allerdings blieb es bis zum Schluss bei dem torlosen Remis.

Beide Trainer waren nach dem Spiel wohl insgesamt zufrieden mit dem Gesehenen. Wir dagegen waren einfach nur nass. Und ich deshalb froh, dass der Weg zurück nach Braunschweig im Auto und nicht mit der Bahn zurückgelegt werden konnte. Stadion an der Flutmulde, abgehakt. eb

 

 

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Darmstadt 98 – BTSV

 

svdarmstadt98 SV Darmstadt 98 - Eintracht Braunschweig 

27.02.2015, 2. Bundesliga, Stadion am Böllenfalltor, Endstand: 1:0

Ein Kreis schließt sich

Als ganz kleiner Junge stand ich bereits einmal vor dem Stadion am Böllenfalltor. Irgendwann Anfang der 1980er Jahre. Wir hatten ganz in der Nähe die Familie mütterlicherseits besucht. Schon damals hegte ich den Wunsch, irgendwann einmal ein Fußballspiel dort zu besuchen.

Nun, gut 30 Jahre später, sollte es endlich soweit sein. Allein aus diesem Grund hatte ich mich gefreut, als der SV Darmstadt 98 sich in dem unglaublichen Relegationsdrama Ende der vergangenen Saison gegen Arminia Bielefeld durchgesetzt hatte. Obwohl meine Mutter nur einen Steinwurf vom Böllenfalltor entfernt geboren wurde, verbindet mich mit der Stadt und dem Verein nichts. Im Gegenteil: Da die andere Hälfte meines Fußballherzens dem SV Waldhof Mannheim gehört, kann ich dessen Konkurrenten sogar eher wenig leiden – um es einmal gemäßigt auszudrücken. Aber dieses Stadion…

Es ist eine von diesen Spielstätten, die noch ihren ganz eigenen Charme haben. Du gehst mit deinen Wegbegleitern vorbei am Hochschulstadion durch einen kleinen Parkabschnitt, es regnet, die Schuhe wühlen sich durch den Matsch, nicht überall ist fester Halt. Dann erblickst du die Flutlichtmasten. Der Eingang des Gästebereichs ist keine Festung. Es wird natürlich kontrolliert, aber in gemäßigtem Rahmen. Gleich links gibt es Bier und Bratwurst. Ebenfalls unter freiem Himmel und nicht einbetoniert in eine Tribünenkonstruktion. Zahlen kannst du noch in bar und nicht mit Plastikkarte. Die Freunde aus Mannheim sind auch schon da. Jetzt noch ein paar Meter den Aufgang hinauf, vorbei an den Dixie-Toiletten, stufenlos und dann bist du mittendrin im Gästeblock und schaust in das geöffnete Rund. Nur die Haupttribüne gegenüber ist überdacht. Die Stufen der Stehtribüne, Anfang der 1950er Jahre aus Kriegsschutt errichtet, haben in den vergangenen 60 Jahren sichtlich gelitten und erinnern mit ihrer Ungleichmäßigkeit an die alte Süd- und Nordkurve des Eintracht-Stadions. Rechter Hand sind noch einige Pappeln zu erkennen, die im Volksmund Böllen genannt werden und neben einem ehemaligen Stadtor für die Namensgebung des Stadions verantwortlich sind. Viele Pappeln mussten dort in den vergangenen Jahrhunderten weichen, diese Bäume sind zum Glück geschützt und dürfen nicht gefällt werden. Das einzige was im und um das Stadion nicht an die 1980er erinnert, ist die erst vor zwei Wochen vom Stadionsponsor für 100.000 Euro angeschaffte LED-Anzeigetafel.

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Das Spiel bewegt sich dann auf eher mäßigem Niveau. Obwohl hier der Tabellendritte den Fünften empfängt. Stören tut mich das allerdings weniger. Ich genieße die Atmosphäre. Auch der Support ist heute ein etwas anderer. Durch die nicht vorhandene Überdachung klingt er einfach ehrlicher, irgendwie – deckt dadurch aber auch schonungslos auf, dass wir Fans an diesem Freitagabend bei Regen auch nicht wirklich erstklassig daherkommen. Es mag aber auch dem mauen Spiel geschuldet sein. In Halbzeit zwei blitzt er dann aber doch noch ein-, zweimal auf, der leidenschaftliche Roar, dank dem ich mich damals so sehr in diesen Verein verliebte.

Dass mit dem eingewechselten Jan Rosenthal dann ausgerechnet ein ehemaliger Roter mit Abpfiff noch für eine Niederlage unserer Blau-Gelben sorgt, ist tatsächlich unnötig wie ein Kropf. Doch noch viel gravierender ist für mich die Tatsache, dass dieses altehrwürdige Stadion bis zum Start der Spielzeit 2017/18 für etwa 30 Millionen Euro umgebaut werden soll. Eine moderne Arena für 18.000 Zuschauer soll entstehen. Voraussichtlich wird diese dann in etwa so aussehen wie die in Duisburg. Oder schlimmer noch: So wie die in Paderborn. Schlicht, fad, seelenlos. Und das einzige was dann noch an das Stadion am Böllenfalltor erinnern wird, ist die erst vor zwei Wochen vom Stadionsponsor für 100.000 Euro angeschaffte LED-Anzeigetafel. Die soll nämlich übernommen werden. eb

P.S.: Bitte entschuldigt die schlechte Bildqualität, aber nach diesem einen “Schuss” streikte der Akku des Handys dann komplett und so ist dieses Bild das einzige Zeugnis dieses Abends.

 

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Freiburg

 

150px-Logo-SC_Freiburg.svg SC Freiburg II – FC Astoria Walldorf walldorf_astoria

31.10.2015, Regionalliga Südwest, Möslestadion, Endstand: 4:1

150px-Logo-SC_Freiburg.svg SC Freiburg – Eintracht Braunschweig Eintracht Braunschweig

01.11.2015, 2. Bundesliga, Schwarzwald-Stadion, Endstand: 2:2

img_1980 Bereits um 4:20 Uhr in der Früh startete vom Hauptbahnhof in der Löwenstadt das Unterfangen, nach ziemlich exakt 20 Jahren einmal wieder das schöne Freiburg im Breisgau zu besuchen. Eine Abschlussklassenfahrt dorthin im Sommer 1995 hatte so bleibenden Eindruck beim Verfasser hinterlassen, das ein Besuch dort unbedingt noch einmal realisiert werden wollte. Die frühe Abfahrtszeit wurde aus zweierlei Gründen gewählt: Zum einen sollte die dadurch bedingte frühe Ankunftszeit im Zielort für eine ausgiebige Neuerkundung eben dieses dienen, zum anderen konnte genau diese Verbindung noch für schlanke 29,- Euro bei der Bahn gebucht werden.  Ein weiterer Vorteil: Auch der schon lange anvisierte Besuch der Freiburger Fußballschule, wie das altehrwürdige Möslestadion mittlerweile offiziell nur noch genannt wird, sollte so problemlos realisiert werden. Denn bereits um 14 Uhr erfolgte dort der Anpfiff für das Regionalliga-Spiel des sportclub’schen Nachwuchses gegen den FC Astoria Walldorf.

Um kurz nach 10 Uhr am Samstagmorgen war Freiburg ohne Komplikationen erreicht. Von dem angekündigten Kaiserwetter war allerdings zu so früher Stunde leider noch nicht viel zu sehen, geschweige denn zu fühlen und da auch die geplante Übernachtungsgelegenheit kurzfristig platzte, war die Stimmung – sagen wir mal – nicht gerade überschwänglich. Doch entmutigen lassen ist auch nicht gerade meine Stärke und so wurde kurzerhand der Reiserucksack im Schließfach verstaut und zur ersten kleinen Erkundungstour angesetzt. Diese endete nach etwas mehr als einer Stunde erst einmal auf dem wunderschönen Münsterplatz, auf dem aufgrund des dortigen Marktes rege Betriebsamkeit herrschte. Neben den leckeren Düften, die, ob der diversen regionalen Köstlichkeiten die dort pfeilgeboten wurden, in der Luft lagen, lud zudem der Brauereiausschank des Freiburger Brauhauses Ganter zu einem ersten Stopp ein. Zwar schlug der Preis für ein kleines Gezapftes mit 3,50 Euro schon recht heftig ins Kontor, doch entschädigten sowohl Geschmack des Gebräus als auch das stimmige Ambiente für diese Investition. Die Sonne hatte sich mittlerweile gegen jeglichen Frühnebel durchgesetzt und tauchte nicht nur das Münster und den Markt sondern auch das hügelige Umland in ein malerisches Licht.

Zur weiteren Stimmungsaufhellung diente zudem noch ein Telefonat mit dem Onkel einer Freundin, der seit 30 Jahren in Freiburg lebt, von dieser Freundin über meine missliche Lage bzgl. der Übernachtungsgelegenheit unterrichtet wurde und spontan tatsächlich einen Schlafplatz für die Nacht in Aussicht stellte. Allerdings war diese Gelegenheit noch mit einem kleinen Fragezeichen versehen und so hieß es, sich bis zur endgültigen Entscheidung noch etwas zu gedulden. Kein Problem, denn in der Zwischenzeit stand für mich ja eh noch ein etwa dreieinhalb Kilometer langer Fußmarsch in den Osten Freiburgs an, um das Möslestadion aufzusuchen.

Panorama Möslestadion

Trotzdem ich keinesfalls zügig unterwegs gewesen war, erreichte ich den Ort des Geschehens bereits eine Stunde vor Beginn der Partie. Das Zuschaueraufkommen hielt sich erwartungsgemäß stark in Grenzen und da der Akku meines Telefons langsam schlapp machte und sich meine Kehle bei immer weiter steigenden Temperaturen nach Flüssigkeit sehnte, kehrte ich erst einmal in der Gaststätte des Stadions ein, die in der denkmalgeschützten Haupttribüne untergebracht ist. Dank einer breit angelegten Fensterfront hat man von dort einen wunderbaren Blick in des Innere des Runds und dank freundlicher Bewirtung sollten auch Telefon und Kehle bald befriedigt sein. Letztere diesmal sogar zu sehr humanem Preis von 2 Euro für das Pils. Die freundliche Bewirtung überraschte mich im Übrigen nicht mehr wirklich. Seit meiner Ankunft waren ausnahmslos alle Personen hilfsbereit, offen und freundlich gewesen. Und das änderte sich auch im Verlaufe des gesamten Wochenendes nicht mehr. Auch so etwas muss an dieser Stelle einmal erwähnt werden!

Zu Beginn des Spiels nahm ich dann auf der sonnigen Seite gegenüber der Haupttribüne Platz. Mittlerweile war es so warm, dass jegliche langärmlige Oberbekleidung überflüssig war und so kam ich in den Genuss, am 31. Oktober ein Fußballspiel im T-Shirt zu verfolgen. Die Anfangsphase dieser Partie, die insgesamt 200 Zuschauer verfolgten, gehörte nicht wenig überraschend den Gästen aus Walldorf, die in der Tabelle den 8. Platz belegten und somit acht Positionen vor den Gastgebern platziert waren. Die Mannschaft von Coach Matthias Born, die von fachkundigen Besuchern etwas missmutig als “Farmteam der TSG Hoffenheim” bezeichnet wurde, trat auch tatsächlich in fast identischen Trikots wie der “große Bruder” aus der Bundesliga auf. Klar: Hauptsponsor ist ebenfalls das hopp’sche Milliardenunternehmen SAP. Dessen Hauptsitz sich übrigens in – richtig – Walldorf befindet. Kein Wunder also, dass dem Verein, der 2014 erstmals in die Viertklassigkeit aufstieg, hier keine große Sympathie entgegengebracht wird.

img_2002 Umso größer dann die Freude der heimischen Anhänger, als nach 37 Minuten Marco Hingerl für die Führung des Sportclubs sorgte. Das Team von Martin Schweizer hatte das Zepter in der Zwischenzeit an sich gerissen und war bereits in den Minuten vor dem Treffer deutlich besser ins Spiel gekommen. Hingerl setzte nun einer traumhaften Kombination über drei, vier Stationen die Krone auf und sorgte für den nicht unverdienten Pausenstand.

Und direkt nach Wiederanpfiff sorgte der Freiburger Nachwuchs dann in Person von Pius Dorn und Vincent-Louis Stenzel mit einem Doppelpack innerhalb von vier Minuten für die Vorentscheidung. Dabei spielten die Badener einen Treffer schöner heraus als den anderen. Der Fachmann staunte und der Laie wunderte sich, wie diese Jungs es bislang geschafft hatten, tatsächlich nur zwei Saisonsiege einzufahren. Auch der zwischenzeitliche Ehrentreffer der Walldorfer, per Foulelfmeter nach 65 Minuten, vermochte keine Spannung mehr zu erzeugen und auf der anderen Seite durfte Fabian Schleusener zwei Minuten vor Ende des Spiels noch auf 4:1 erhöhen. Ein Sieg der auch in dieser Höhe vollkommen in Ordnung ging.

Für mich galt es recht zügig Abschied von dieser wunderbaren Spielstätte und dem angenehmen Gesprächspartner der 2. Halbzeit zu nehmen, um die dreieinhalb Kilometer zurück in Freiburgs Innenstadt in Angriff zu nehmen. Bereits auf dem Weg dorthin wurde mir dann per Telefon mitgeteilt, dass die Schlafgelegenheit bei Onkel Michael gebongt sei. Menschen gibt es – großartig! Der vereinbarte Treffpunkt mit der Familie lag zwar noch knapp fünf Stunden entfernt, doch konnte diese Zeit locker im Cafe Atlantik am Schwabentorring überbrückt werden, welches mir vorher schon von einem Freiburger wärmstens empfohlen wurde. Bei Bundesliga via Bezahlfernsehen und hervorragenden Gesprächen an der Theke verging die Zeit wie im Flug, bevor ich den Rucksack aus dem Schließfach befreite, mich auf den Weg zum Treffpunkt mit der Familie meiner Freundin machte und mit dieser den Abend noch bei einem Scheidebecher ausklingen ließ.

Interessante links:

Die Freiburger Fußballschule

Cafe Atlantik

Tag 2

Der Sonntag begann dann bereits um 6:45 Uhr mit dem Klingeln des Weckers , da für meine Gastgeber bereits frühzeitig ein auswärtiges Familienfrühstück auf dem Programm stehen sollte. Auch mir passte der erneut frühe Tagesbeginn gut, da auch heute noch etwas von der Stadt erkundet werden wollte. Allerdings gestaltete sich der Morgen wieder sehr nebelig und trüb, sodass ich mich erst einmal für ein kleines Frühstück im Warmen entschied. Da auch der Rucksack wieder eingeschlossen werden musste, bot sich für diese erste Mahlzeit des Tages der Freiburger Hauptbahnhof an. Nach der Stärkung machte ich mich direkt auf den Weg, musste aber feststellen, dass immer noch eine empfindliche Kühle in der Luft lag. Und da Freiburg derzeit – ähnlich wie Braunschweig – mit Baustellen nicht gerade geizt und auch viele sehenswerte Bauwerke von Gerüsten eingeschlossen sind, brach ich den Rundgang ab und suchte mir ein Plätzchen, welches mir, bis zur Ankunft der noch erwarteten Autobesatzung, Wärme und weitere Nahrungsaufnahme ermöglichte.

img_2005 Um kurz nach 11 Uhr kam dann auch schon die Meldung des Fahrers, dass man gleich da sei und als Treffpunkt wurde der Biergarten des PTSV Jahn Freiburg ausgemacht. Nach rund 20-minütiger Fahrt mit der S-Bahn und einem kurzen Fußmarsch hatte ich den Treffpunkt erreicht. Das Gelände des PTSV Jahn liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schwarzwald-Stadion und diente sowohl den Anhängern des Sportclubs als auch einem ordentlichen Teil der angereisten Blau-Gelben als Anlaufpunkt. Freiburger, Braunschweiger und auch einige Freunde aus Mannheim stimmten sich hier völlig entspannt und stressfrei auf das anstehende Zweitliga-Spitzenspiel ein. Pünktlich mit meiner Ankunft hatte auch die Sonne wieder die Hoheit übernommen und so schmeckte die ein oder andere Kaltschale schon wieder ganz hervorragend.

Aufgrund der geselligen Atmosphäre wurde es dann verhältnismäßig spät bis wir uns auf den Weg Richtung Gästeblock machten, erreichten diesen dann aber doch noch etwa 10 Minuten vor Beginn der Partie. Knapp 1.000 Leute waren vor Ort um unsere Eintracht zu unterstützen und diese übernahmen, nach den entsprechenden Ritualen vor und zum Einlaufen der Mannschaften, auch von Beginn an die Regie auf den Rängen. Ein sehr guter Support des Blocks, den unsere Jungs auf dem Rasen von Beginn an mit vollem Einsatz zurückzahlten.

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Dennoch waren es die Gastgeber, die das erste mal jubeln durften: Nach etwa 15 Minuten gab es einen Freistoß für den Sportclub in halbrechter Position, den Vincenzo Grifo aus deutlich über 20 Metern in Richtung Tor brachte. Orhan Ademi fälschte den Ball in der Mauer schließlich so ungünstig ab, dass Rafal Gikiewicz – der zuvor bereits auf dem Weg in die andere Ecke des Tores war – diesen trotz voller Körperstreckung nicht mehr erreichen konnte. Das 1:0. Dennoch gaben sowohl Spieler als auch Fans weiterhin alles und die Mannen von Torsten Lieberknecht erspielten sich in der Folge gute Gelegenheiten. Doch weder Adam Matuschyk, der frei vor SC-Keeper Schwolow auftauchte, noch Orhan Ademi oder Nik Omladic, der einen Freistoß an den Querbalken setzte, vermochten das Spielgerät im Kasten unterzubringen.

Und so kam es, wie es wieder einmal kommen musste: Die Gastgeber setzten mitten in die Drangphase der Blau-Gelben hinein einen Nadelstich der es in sich hatte. In der 38. Minute durfte Mensur Mujdza auf der rechten Außenbahn scharf nach innen flanken, dort löste sich die Freiburger Torgarantie Nils Petersen von seinen Gegenspielern und nickte den Ball unhaltbar zum 2:0 in die Maschen. Rumms, das saß. So sehr sogar, das selbst im dauerhaft anfeuernden Gästeblock für einige wenige Augenblicke das Fallen einer Stecknadel zu hören gewesen wäre. Wenig später war Halbzeit.

img_2008 Während des obligatorischen Pausenfazits herrschte Einigkeit in folgendem Punkt: Die Mannschaft hatte nicht schlecht gespielt und die Führung der Freiburger fiel mit 2:0 eindeutig glücklich und zu hoch aus. Zum weiteren Verlauf des Spiel gingen die Vermutungen da schon etwas weiter auseinander. Während der eine befürchtete, die Eintracht würde jetzt stürmen und die Gastgeber so zu Kontern einladen, die ziemlich sicher im dritten und vierten Treffer enden würden, so behauptete der andere steif und fest: “Einen Punkt nehmen wir hier heute noch mit!” Na denn.

In den ersten Minuten nach dem Wiederanpfiff entwickelte die Mannschaft von Coach Christian Streich einen Druck, der befürchten lassen musste, dass der Zweckoptimist in unserer Runde heute leider völlig daneben liegen würde. Doch in der 52. Minute wendete sich das Blatt: Die erste richtige Entlastung unserer Blau-Gelben in Halbzeit zwei landete irgendwie im Freiburger Strafraum. Und dort schnappte sich Mujdza – ohne große Gegenwehr der Offensivabteilung der Löwen – den Ball und drosch diesen plötzlich und völlig freistehend in die eigenen Maschen. Die Folge: Lähmendes Entsetzen auf der einen, pure Freude und anschließender Zillertaler Hochzeitsmarsch auf der anderen Seite. Und unsere Mannen spielten sich zurück in diese Begegnung. Bereits wenige Minuten nach dem Anschlusstreffer war es Salim Khelifi, der nach einem wunderbaren Pass völlig allein auf Schwolow zulief. Jedoch scheiterte der Schweizer Juniorennationalspieler in dieser Szene noch am Keeper der Hausherren. In der 62. Minute machte es der 1,72m große Flügelflitzer dann besser: Nach einem – vom gerade erst eingewechselten Holtmann – provozierten Ballverlust der Rot-Schwarzen, kam Khelifi an den Ball, drehte sich kurz um seine eigene Achse und schlenzte die Kugel gefühlvoll an Schwolow vorbei ins lange Eck des Tores. 2:2 – Ausnahmezustand im Block!

In der Folge entwickelte sich dann ein Spiel von einer Intensität, die ich persönlich schon länger nicht mehr gesehen habe. Jeder Zentimeter des Rasens wurde umgepflügt, jeder Zweikampf auf beiden Seiten mit voller Leidenschaft geführt. Und das alles, ohne dass es zu irgendeiner Zeit unfair wurde. Beinahe englische Verhältnisse, möchte man meinen. Am Ende stand dann ein 2:2-Unentschieden, dass sowohl von der heimischen als auch der Gästeelf durchaus noch anders hätte gestaltet werden können. Dennoch durfte man nach dem Abpfiff in durchweg zufriedene, wenn auch erschöpfte, Gesichter blicken. Nach 0:2-Rückstand noch ein Unentschieden beim Tabellenführer erkämpft – Chapeau, meine Herren!

Nachdem der Weg zur S-Bahn und die Fahrt mit dieser noch gemeinsam mit einigen Zugfahrern bestritten und noch ein Scheidebecher verköstigt wurde, trennten sich die Wege dann am Hauptbahnhof. Die Autofahrer waren schon lange wieder auf dem Weg gen Heimat, der Zug sollte in etwa 30 Min. fahren und mein Fernbus, der mich noch für ein paar Tage zur Liebsten nach Frankfurt befördern durfte, wartete bereits am ZOB. Exakt so hatte ich mir das Wiedersehen mit Freiburg nach 20 Jahren nicht vorgestellt, doch es wird auch diesmal ein unvergessliches Erlebnis bleiben. eb

Weiterführende Links:

SC Freiburg

Stadt Freiburg

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Bochum – BTSV

 

VfL Bochum VfL Bochum - Eintracht Braunschweig 

13.02.2015, 2. Bundesliga, rewirpowerSTADION, Endstand: 3:2

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Das erste Auswärtsspiel nach der Winterpause führte uns nach Bochum. Mich selbst tatsächlich zum ersten Mal. Irgendwie hatte es vorher noch nie sein sollen. Dabei hatte ich schon viele Jahre gehofft, dass es irgendwann zeitlich mal passt. “Castroper Straße, Junge – da musste doch mal gewesen sein, hör’ ma!” Und an diesem Freitagabend sollte es endlich soweit sein: Ruhrstadion. Grönemeyer. Ehrliche Maloche. Und das alles unter Flutlicht. Geil.

Am Mittag hatten wir uns in einer kleinen aber feinen Autobesatzung von Braunschweig auf den Weg gemacht. Die A2 gen Westen. Kennt man ja noch aus Regionalliga Nord-Zeiten. Da war das fast Standard, alle zwei Wochen. In Liga 2 ist Bochum in dieser Saison die einzige Station im Pott. Für uns allerdings nicht. Denn für uns endet die Autofahrt bereits in Recklinghausen. Dort dürfen wir bei ‘nem Kumpel vom Kumpel unser Lager bis zum nächsten Tag aufschlagen. Besten Dank nochmal!

Nach einer Grundversorgung mit den üblichen Spieltagsgetränken sowie einer kurzweiligen S-Bahn-Fahrt ist Bochum dann aber pünktlich genug erreicht, um sich stressfrei weiter Richtung Stadion zu bewegen. Dort angekommen, freue ich mich über einen wieder einmal prall gefüllten Gästeblock – ganz im Gegensatz zum Rest des Stadions. Es ist schon enttäuschend mit anzusehen, wie der VfL Bochum damit zu kämpfen hat, sein wirklich großartiges Stadion halbwegs gut gefüllt zu bekommen. 13.778 Zuschauer sind heute insgesamt da. Sicherlich hat auch der verpatzte Auftakt nach der Winterpause bei Union (1:2-Niederlage) unter dem neuen Coach Gertjan Verbeek damit zu tun. Aber unser Aantracht hatte es in der Vorwoche ja auch nicht besser gemacht und sich dem 1.FC Kaiserslautern mit 0:2 geschlagen geben müssen. Trotzdem ist der Block voll, auch an einem Freitagabend.

Es sind keine vier Minuten gespielt, da lässt Bole genau diesen Block komplett durchdrehen: Sein wunderschöner Schlenzer aus gut 20 Metern schlägt im Tor des VfL ein und lässt dessen Schlussmann Michael Esser keine Chance. Doch leider vergessen unsere Jungs danach dran zu bleiben und eventuell sogar das zweite Ding nachzulegen. Zudem muss Havard Nielsen bereits nach elf Minuten verletzt vom Feld. Gelungene Offensivaktionen der Blau-Gelben in der Folge: Fehlanzeige. Und so kommt es, wie es in der Vergangenheit schon so oft gekommen ist: Ein sichtlich verunsicherter Gegner kommt wieder ins Spiel, dreht die Partie noch vor der Halbzeit binnen fünf Minuten (Terodde 36./Terrazzino 41.) und geht mit breiter Brust in die Kabine.

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Mein fachmännisches Halbzeitfazit (Zitat: “Das drehen die Jungs noch!”) ist bereits zwei Minuten nach Wiederanpfiff hinfällig. Terrazzino nimmt ein ungeschicktes Einsteigen im Strafraum von Cello dankend an und unser allerliebster Weltberliner – richtig, Manuel Gräfe – zögert natürlich nicht eine Sekunde mit dem Pfiff. Simon Terodde lässt sich die Chance nicht entgehen und schnürt den Doppelpack – wie auch schon im Hinspiel. Für uns heißt es jetzt tapfer sein, Bier trinken und die Jungs trotzdem supporten.

Doch mit zunehmender Spielzeit schwindet die Hoffnung im Block, hier und heute noch etwas Zählbares mitzunehmen – zumindest bis sechs Minuten vor Spielende. Da fasst sich plötzlich der zur Halbzeit eingewechselte Damir Vrancic ein Herz und drückt einfach mal von der Strafraumgrenze ab. Ob noch von Kessel abgefälscht oder nicht – lässt sich nur schwer sagen, spielt aber in dem Moment auch keine Rolle – schlägt der Ball im unteren Eck des Bochumer Gehäuses ein. Nur noch 2:3. Beinahe ungläubige Blicke suchen und finden sich unter den Mitgereisten. Der Mob tobt nicht so sehr wie bei Boles Führungstreffer, vielmehr steigt aus dem Raunen, Staunen und Abklatschen wieder der gute alte Eintracht-Roar hervor. Gute sieben Minuten, inklusive Nachspielzeit, gibt der Block noch einmal alles. Die Mannschaft – zumindest heute – leider nicht.

So feiert am Ende des Spiels das blau-weiße Lager den erst fünften Saisonsieg. Und wir uns. Über das Ende des Tages noch weit hinaus. In den Kneipen des Bochumer Bermudadreiecks. Und das sicher nicht zum letzten Mal. eb

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Meldorf, Cuxhaven, Braunschweig

 

Ein fußballerisches 3-Gänge-Menü

 

Spotlight: TuRa Meldorf Bildergebnis für tura meldorf

27.08.2015, Stadion an der Promenade, Meldorf

Rot-Weiß Cuxhaven Rot-Weiß Cuxhaven – VfL Stade VfL Stade

28.08.2015, Bezirksliga Lüneburg 4, Kampfbahn Cuxhaven, Endstand: 1:0

Bildergebnis für eintracht braunschweig Eintracht Braunschweig – Karlsruher SC Bildergebnis für ksc logo

30.08.2015, 2. Bundesliga, Eintracht-Stadion, Endstand 6:0

 

Vorspeise: Meldorfer Appetithappen

Viel hat sich getan seit unserem letzten Besuch in Meldorf. Der Turn- und Rasensportverein hat die komplette Anlage überarbeiten lassen – und schreckte dabei nicht vor einigen baulichen Veränderungen zurück. Was letztlich dabei herausgekommen ist,  seht ihr in unserer Galerie (nur ein paar Zeilen weiter unten). Zum Vergleich haben wir nachstehend noch unseren alten Bericht verlinkt.

Links
TuRa Meldorf
Bericht Meldorf – Lübeck 2013

Bildergalerie (zum Vergrößern klicken)

 

 

Hauptgang: Cuxhavener Spezialitäten, rot-weiß

Cuxhaven Mit der neuen alten Fährverbindung von Brunsbüttel nach Cuxhaven wurde am nächsten Tag erfolgreich übergesetzt, für schlappe 5,- Euro. Nach einem kurzen Rundgang durch die Hafengebiete traf ich bald darauf meine Gastgeberin, mit der ich ja nun gerade noch in Norwegen war. Cuxhaven ist zwar nicht Oslo, hat aber auch einiges zu bieten. So zum Beispiel das Bierlokal Sturmflut am Helgolandanleger, wo Gerüchten zufolge der einstige Sous Chef von Tim Mälzer kochen soll. Der Fischteller war jedenfalls sehr gut. Obendrein gibt es hier eine regionale Schnapssorte namens “Sturmfeuer” zu erwerben, die man ähnlich wie Sambuca trinkt: Anzünden, mit Bierdeckel löschen und dann nicht zu langsam in drei Zügen austrinken – und mit jedem Zug soll sich ein anderer Geschmack einstellen. Mal sehen.

Cuxhaven

Das nach britischer Art mitten im Wohngebiet gelegene Stadion, die Kampfbahn, war fußläufig zu erreichen, und gerade als wir unsere Fotorunde beendet hatten, ging es auch schon los mit dem Nordschlager. Auf Einlaufformalitäten wurde gänzlich verzichtet, die Teams nahmen direkt ihre Hälften ein und los ging es. Eine unterhaltsame erste Hälfte ohne ganz große Chancen auf beiden Seiten ging wegen einer längeren Verletzungsunterbrechung mit ordentlich Nachspielzeit zu Ende, wobei die Gastgeber mehr für das Spiel taten, sich aber noch nicht belohnen konnten.

Cuxhaven Nach Wiederbeginn agierte der VfL dann druckvoller und bekam die größte Chance auf dem Silbertablett serviert. Während einer Druckphase war Rot-Weiß am Strafraum eingeschnürt und in einem Zweikampf bekam ein Verteidiger im Fallen den Ball aus kürzester Distanz an die Hand, was der Schiri, vielleicht durch die Zurufe mehrerer Gästespieler genötigt, einigermaßen spät pfiff und als Strafstoß bewertete. Jedoch schoss Heidtmann knapp neben den linken Pfosten, der Keeper hätte ihn wohl nicht gehabt, obwohl er die Ecke ahnte. nun wurde es noch munterer. Cuxhaven holte sich innerhalb von 10 Minuten (59.-69.) 3 gelbe Karten ab, und das Spiel war jetzt völlig unberechenbar – selbst als Buschbeck für Rot-Weiß der nicht unverdiente Führungstreffer gelang (74.), war die Messe noch nicht gelesen. Doch alles Aufbäumen brachte keinen Torerfolg mehr für Stade, die Cuxhaven am 4. Spieltag in der Tabelle an sich vorbeiziehen lassen mussten.

Neuwerk Der folgende Tag hielt einen Ausflug nach Neuwerk bereit, und zwar völlig altersgerecht mit dem Pferdewagen. Knapp 5 Stunden reichen vollkommen aus, um die Insel zu erwandern, Gastronomie kann man an einer Hand abzählen und die Bewohner bekämen höchstwahrscheinlich nur zwei Fußballmannschaften zusammen, wenn man diese gemischtgeschlechtlich und ohne Altersgrenzen zusammenstellt. Der Ausblick vom Leuchtturm ist sehr schön, und auch die Salzwiesen sind einen Anblick wert. Es gibt neben “richtigen” Unterkünften auch ein Heuhotel, und wenn man länger bleiben möchte, kann man nach telefonischer Anmeldung beim Vogelwart auch zur Vogelinsel Scharhörn wattwandern. Zurück nach Cuxhaven nahmen wir das Schiff, denn wir wollten noch etwas durch den Ort radeln. Ein Kneipenabend in Meeresnähe rundete den Tag dann ab und gehört natürlich zweifelsfrei zu den besseren Schlusspunkten eines Besuchs hier.

Links
Rot-Weiß Cuxhaven
VfL Stade
Cuxhaven (Wikipedia)
Kugelbake (Wikipedia)
Windsemaphor (Wikipedia)
Insel Neuwerk (Wikipedia)

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Nachspeise: Traum-Tor(t)e Lieberknecht mit Sahne

Sonntag um 8 Uhr ging der Zug nach BS, schließlich stand heute das Heimspiel gegen den KSC an. Und natürlich gab es Zugverspätung, sodass ich später als geplant in Braunschwig ankam. Aber mit Taxi und Umweg über Zuhause zum Gepäckabladen stand ich exakt 12 Minuten vor Anpfiff im Block. Und dann so ein Torfestival! Sechs Buden, darunter Berggreen mit der Hacke (oder wie man seit dem Tor des Den Haager Keepers sagt: “Met de Hak!”) sowie per direktem Freistoß,  dazu Pfitzner, eben 31 geworden, mit einem Hammer-Fallrückzieher. An diesem Tag klappte beim BTSV einfach alles, und es wurde erfolgreich Revanche genommen für das 7:0 in Karlsruhe vor einigen Jahren. Doch lassen wir Bild und Ton nach Abpfiff sprechen:

Links
Eintracht Braunschweig
Karlsruher SC

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St. Pauli – BTSV

 

FC St. Pauli – Eintracht Braunschweig

23.09.2014, 2. Bundesliga, Millerntor-Stadion, Endstand: 1:0

Anreisetag

St. Pauli Irgendwas stimmt mit den Eintracht-Auswärtsfahrten in letzter Zeit nicht. Entweder das Drumrum ist blöd und das Ergebnis mindestens in Ordnung oder es ist genau anders herum. Zum Glück führte mich nicht nur das Spiel nach Hamburg, denn auch diesmal sollten die Unkenrufer Recht behalten mit „Wieder mal den Aufbaugegner geben“ – also klarer Fall von anders herum.

Bereits Montagabend holte mich ein alter Schulfreund vom Zug ab. Nach kurzem Aufenthalt in der Bierbar im Hamburger Hauptbahnhof steuerten wir direkt auf St. Pauli zu. Nach einem Rundgang um das Millerntorstadion und dem Versuch, ein paar stimmungsvolle Nachtaufnahmen zu machen, wurde ich in die Heiligen Hallen der Paulianer eingeschleust: ins Jolly Roger. Es war nicht viel los, aber vielleicht war es gerade deswegen eine nette Runde bei brauchbarer Musik. Ich glaube, ich habe noch nirgendwo so eine durchgehende Aufklebertapete gesehen wie in diesem Laden. Hat aber was, zumal viele internationale Vereins- und Fangruppensticker darunter sind.

Spieltag

St. Pauli Spaziergang am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen, erstmal zumindest. Bei Tageslicht wurden die Bilder vom Heimbereich des Stadions gleich besser, im Anschluss wurde dem kleinen Weinanbaugebiet an den Landungsbrücken ein Besuch abgestattet. Am Hang hinauf zur Jugendherberge gelegen reifen die Trauben dort in der Sonne und werden tatsächlich zu Wein verarbeitet, den wohl hohe Gäste der Stadt kosten dürfen. Die Nummer bekommt ein gewisses Geschmäckle, wenn man weiß, dass direkt oberhalb des Hangs ein beliebt-belebter Treffpunkt ist, an dem vorwiegend alkoholhaltige Flüssigkeit in menschliche Körper aufgenommen und später gut gefiltert wieder abgegeben wird – an die Reben versteht sich. Yummy. St. Pauli

Zu empfehlen ist auch ein Gang durch den alten Elbtunnel, Höhenängstliche sollten statt der Treppe den Lift nehmen. Da unten ist tatsächlich noch Betrieb, auch für Räder und Autos. Am anderen Ende hat man nochmal einen anderen Blick auf St. Pauli und nicht mehr den Dieseldampf der vielen Rundfahrtschiffe in der Nase. Außerdem kann man schon die Ausläufer der Hafenstraße sehen, die als nächstes begangen wurde. Vorbei am legendären Golden Pudel Club musste dann auch noch die Reeperbahn herhalten. Die Koberer arbeiten ja wirklich unermüdlich auch schon am späten Vormittag daran, unschuldige Touristen in die einschlägigen Clubs zu kriegen. Am besten gefiel mir die Ansage einer weiblichen Vertreterin der Zunft: “Männer mit Brille haben heute freien Eintritt”. Kann man das ablehnen? Absolut.

St. Pauli

Nach der Rückkehr ins Basislager wurde es dann auch schon wieder Zeit auf Wiedersehen zu sagen und auszuchecken, denn da die Gästetribüne immer noch provisorisch ist, wollte ich diesmal früh da sein um nicht wieder so einen miesen Platz wie letztes Mal zu erwischen. Das hat zumindest funktioniert, aber mit der Einschätzung, dass es diesmal so möglich wäre wie selten zuvor hier zu punkten, lag ich nun vollkommen daneben. Insgesamt war der BTSV sicher das spielbestimmende Team, aber nicht abgezockt genug um die Null zu halten bzw. meist zu weit von so etwas wie Torgefahr entfernt. Dem FC St. Pauli reichte es, kompromisslos zu verteidigen und den Spielfluss der Gäste zu stören um diesen dreckigen Sieg einzufahren. Manchmal kann Fußball so einfach sein…

Hamburg St. Pauli (Wikipedia)
FC St. Pauli Homepage
Die FC St. Pauli Kolumne auf Zeit Online zum Spiel

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Nürnberg

 

Ein Feier-Wochenende mit Katerstimmung

 

 1. FC Nürnberg – Eintracht Braunschweig

22.02.2014, Bundesliga, Grundig Stadion, Endstand: 2:1

 

Freitagabend. Auftritt der Kurzentschlossenen und “Konditionsstarken”

Nürnberg Es ist so ziemlich genau 18 Uhr, als wir mal wieder aus dem Nürnberger Bahnhofsgebäude treten – und diesmal haben wir 25 Stunden Zeit mitgebracht. Sollte eigentlich genug sein, um die vielen kulinarischen und gastronomischen Tipps abzuarbeiten, die uns über den Clubfans United Blog nach dem netten Interview-Austausch zum Hinspiel mitgegeben wurden (siehe Gästeblog). Doch vor den Genuss hatte der Zufall einige Eishockeyfans gesetzt. Schnell wurde klar, dass um 19.30 Uhr die Nürnberg Ice Tigers gegen den ERC Ingolstadt antreten würden – und ebenso schnell fiel der Entschluss, nach einem Blitzbesuch in unserer bahnhofsnahen Pension “Zum Schwänlein” mit der S-Bahn zum Grundig-Gelände rauszufahren. Hier würden wir morgen zwar schon wieder herkommen, aber wenn nunmal die Eishalle neben dem Fußballstadion steht…

Am Einlass bekamen wir zwar noch Stehplatzkarten, aber die Blöcke waren schon dermaßen voll, dass wir es einfach eine Etage drüber versuchten. Die Karten hatte auch niemand kontrolliert, was vielleicht daran lag, dass wir nun den Gästeblock betraten. Aber hier fanden wir wenigstens gute Plätze, und schnell stellten wir fest, dass alle Recht haben wenn sie sagen, dass Eishockey live viel besser ist als im Fernsehen. Es wurde ein kurzweiliges Spiel mit vielen Toren, das die Gäste mit 5:3 gewinnen konnten. Was aber nervte waren die Drittelpausen, die tatsächlich 18 Minuten dauerten sowie der Videobeweis. 3 Minuten nach einem Treffer endlich die Gewissheit zu haben, ob er nun zählt oder nicht, möchte ich im Fußball nicht haben. Bleibt festzuhalten, dass die ERC-Fans geilere Stimmung gemacht haben als ihre Kollegen vom FCI.

Nürnberg Wieder in der Altstadt angekommen wollten wir eigentlich noch etwas essen und suchten zunächst den Krakauer Turm auf der Insel inmitten der Pegnitz auf. Hier war die Küche zwar schon zu, dafür konnten wir das empfohlene Hetzelsdorfer Bier abhaken. Der weitere Weg sollte uns dann durch die Altstadt zur Mata Hari Bar führen, die war uns von einer Freundin, die längere Zeit in Nürnberg wohnte, empfohlen worden. Klein und ziemlich eng war es dort, aber sehr spaßig, zumal wir mit interessanten Menschen in Kontakt kamen. So erschraken wir doch etwas, als wir erst (oder schon) gegen 5:30 Uhr die Pension erreichten. Optimistisch wurde der Wecker auf 8.00 Uhr gestellt, wegen Frühstück und so, und natürlich war es menschliches Versagen, das den Plan scheitern ließ. Zumindest ist nicht anzunehmen, dass der Wecker von sich aus ein Einsehen mit dem Partyvolk hatte.

 

Samstag. Auftritt: Das Zimmerräumkommando

Nürnberg Um 11 Uhr wummerte es ordentlich und wenig charmant gegen unsere Tür. Man wollte wohl unser Zimmer reinigen und zog dafür alle Register, um uns des so dringend benötigten Schlafes der Gerechten zu berauben. Immerhin konnten wir noch schnell Zähne putzen bevor wir uns auf der Straße wiederfanden. Wie konnte es nur so weit kommen? Okay, das dachten wir uns in dem Moment eigentlich nicht, sondern eher: Wo war der mühsam im Netz erstellte Stadtplan mit all den wichtigen markierten Punkten geblieben? Bis zu einer Kolb-Butterbrezen konnten wir uns noch selbst behelfen, danach waren wir auf “grobe Richtung: da lang” angewiesen.

Bevor wir uns mit einem weiteren Braunschweiger in der Brauereigaststätte Altstadthof trafen, wollten wir noch bei Schwarz Landbrote und Wurstwaren schön einkaufen. Allerdings ließ uns die Orientierung nun vollends im Stich und so musste fremde Hilfe her. Eine Wahlkandidatin der “Rohden” unterhielt sich sehr angeregt mit uns, beschrieb uns aber nicht nur den Weg, sondern auch noch die Horst Dreh-Hofer Kampagne und lud uns ein, beim nächsten Besuch in ihrem Gasthaus einzukehren. Wen man so alles trifft… Schließlich fanden wir den Brot- und Wurstladen und erstanden jeder ein halbes gewürztes Landbrot zu schlappen 1,5 Kilo und ich nahm noch zwei Enden Stadtwurst mit, eine helle und eine dunklere.

Nürnberg Endlich im Altstadthof angekommen teilten wir uns als Vorspeise eine Portion Saure Zipfel, das sind in einem Essigsud mit Zwiebeln gegarte Bratwürste. Der saure Geschmack irritiert zuerst ein wenig, schmeckt aber dann doch sehr gut. Schäufele und Biergulasch machten die drei Hauptgerichte aus, danach passte das von mir anvisierte Bieramisu nicht mehr hinein. Im direkt angeschlossenen Brauereiladen kauften wir noch Souvenir-Bier in der praktischen 1- bzw. 2-Liter Flasche, bevor wir die inzwischen schwer gewordenen Taschen im Bahnhof einschlossen und uns Richtung Stadion aufmachten, das ja bekanntlich neben dem unschönen ehemaligen Reichsparteitagsgelände liegt.

Auftritt: Die Katerstimmung

Nürnberg Im Gästebereich wird echtes Bier ausgeschenkt und man kann mit Bargeld zahlen, so freut das sicher fast jeden Fan. Und das Spiel begann ja dann auch unfassbar gut für die mitgereisten Blau-Gelben. Was allerdings in Hälfte zwei nach den überragenden ersten 40 Minuten der Eintracht passierte, wird wohl nicht lückenlos aufzuklären sein. Gut, der verschossene Elfer aus der 41. dürfte da eigentlich nicht so ins Gewicht fallen, fiel er aber anscheinend. Zwei Tempoangriffe der längst in Unterzahl spielenden Nürnberger zum Wiederanpfiff, da war das Spiel gedreht. Eigentlich schon schmeichelhaft, dass ein zweiter Strafstoß noch die größte Chance zum Ausgleich darstellte, aber auch vergeben wurde. Dass Petkovic dann selbst noch einen hält war da schon fast belanglos, obwohl großartig gemacht. Dass es auch noch herausgespielte Großmöglichkeiten gab, wollen wir natürlich nicht verschweigen, aber an so einem Tag hat wohl jeder gemerkt, dass der Schock zu tief saß – anders kann man sich so einen Spielverlauf wohl nicht erklären. Nun ja, schade um die wichtigen Punkte. Vielleicht wird es in der Restsaison gegen Gegner, die nicht so viel zu verlieren haben, nochmal einfacher zu punkten, und wenn nicht dann eben nicht. Man kann ja auch nicht jede Saison eine Sensation schaffen.

Nürnberg Unschön gestaltete sich dann noch das Vorgehen der Ordner, die so eifrig beim Rausschmiss der Gästeanhänger vorgingen, dass sie die letzten sogar noch persönlich aufs Klo begleiteten, dort beim Pinkeln zusahen und Druck machten – um dann letztlich mit Klammergriffen die Leute rauszuführen. Enttäuschend auch mal wieder das Verhalten der Polizei, die dieses Vorgehen noch unterstützte und Kritikern massiv drohte. Ein für mich unnötiger und unverständlicher Makel an einem friedlichen Fußballnachmittag, der durch eine neutrale Vermittlung der Beamten sicher nicht entstanden wäre.

Dafür gab es dann am Bahnhof noch die mittlerweile gefühlt schon üblichen warmen Worte der Sympathie und Klassenerhaltswünsche, die man nach dem Spielverlauf leider auch nur noch routinemäßig zur Kenntnis nehmen konnte.

 

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Augsburg – BTSV

 

FC Augsburg – Eintracht Braunschweig

14.12.2013, Bundesliga, SGL Arena, Endstand: 4:1

 

Minus mal Minus gleich Plus

Augsburg Diese Weisheit aus der Mathematik sollte an diesem Wochenende einer ausführlichen Evaluierung unterzogen werden. Erste Gelegenheit dazu ergab sich bereits bei der Anreise, die mit 34,50 Euro pro Person inklusive Rückfahrt enorm günstig ausfiel. Es fand sich dazu noch ein freies Abteil im ICE, das als kleinen Haken allerdings den Sitzplatz mit der von vielen Braunschweigern verinnerlichten “bösen Zahl” enthielt. Kurz vor Fulda drohte mal wieder alles zu kippen, Erinnerungen an das Mainz-Debakel (wir berichteten hier davon) kamen hoch, denn unsere beiden folgenden Anschlüsse hatten derbe Verspätung, was den engen Zeitplan zu sprengen drohte. In Fulda erreichten wir problemlos eine Ticketfreigabe im DB-Reisezentrum, sodass wir den ebenfalls verspäteten, direkt nach Augsburg fahrenden IC nehmen konnten und somit 25 Minuten früher am Ziel waren als geplant. Die Gültigkeit der Formel war also schon mal bewiesen.

Da niemand abschätzen konnte, wie weit es zum Hotel war, entschieden wir uns für ein Taxi, was jetzt nicht so eine gute Idee war. Am Abend sollte noch “Wetten, dass…” in der Stadt sein, dazu das Spiel… die Innenstadt war also ziemlich verstopft. Das erkannte auch unser Fahrer schnell und dehnte die eine oder andere Verkehrsregel großzügig zu unseren Gunsten aus. Schneller Check-in im Hotel Jakoberhof, wo ziemlicher Andrang und entsprechender Stress herrschte. Das Zimmer war auf den ersten Blick schlicht, in den Fluren könnte mal was gemacht werden – aber für den Preis vollkommen in Ordnung. Aus dem uns irrtümlich zugedachten Zweierzimmer wurde bis zum Abend tatsächlich ein Dreier, Toiletten und Dusche waren auf dem Flur. Letztendlich haben wir 54,- Euro inklusive Frühstück bezahlt, statt eigentlich 67,- oder so. Auch hier ergab Minus letztendlich Plus. So konnte es weitergehen! Ging es aber nicht.

Augsburg

 

Fußball als Gegenbeweis

Nach Ankunft an der Augsburger Arena, der Taxifahrer erwies sich auch hier als Schlitzohr in Sachen Stau-Taktik, und einer gründlichen Einlasskontrolle begann die Partie sehr ausgeglichen. Doch nachdem Bellarabi angeschlagen raus musste kam es zu einem ordentlichen Bruch im Braunschweiger Spiel, dem die kurz darauf nach einem Blackout im eigenen 16er angesetzte Schwalbe des ansonsten eigentlich von mir geschätzten Werner den frühen Todesstoß versetzte. Denn auf den zur glücklichen Führung verwandelten Strafstoß folgten knapp 10 kohlrabenschwarze Minuten, nach denen es, begünstigt durch einen weiteren Fehler bei der Ballklärung am Fünfer, auf einmal 3:0 für die Gastgeber stand. Womit das Spiel auch gelaufen war, trotz des sehenswerten Anschlusstreffers von Ex- Augsburger Oehrl, der wenig später mit etwas Glück sogar noch das 3:2 hätte erzielen können. Nun verlor er aber bald darauf nach einer guten Phase der Eintracht unnötig den Ball, woraus das 4:1 resultierte, und der Lebkuchen war gegessen.

Augsburg Kurz nach dem Abpfiff skandierte ein Teil der Gästefans “Wir wollen euch kämpfen sehen”, was ich inhaltlich falsch finde, denn am Kampf liegt es gewiss nicht. Hier fehlt mir eine gewisse Feinfühligkeit der Tonangeber im Block. Sicherlich ist es ärgerlich, nach so einer langen Reise dann phasenweise so eine Leistung der Mannschaft zu sehen (auch ich wäre nach 35 Minuten gerne woanders gewesen), aber man sollte sich nochmal klarmachen, dass Eintrachts durchschnittliches Leistungsniveau nicht in Spielen wie gegen Leverkusen oder Wolfsburg gezeigt wird. Das waren überdurchschnittliche Leistungen, die nun mal nicht beliebig zu wiederholen sind. Dennoch steckt niemand solche Klatschen einfach so weg, weder Fans noch Spieler, das war hier klar zu merken. Aber es hat niemand gepfiffen oder gegen das Team gepöbelt, von daher finde ich des Trainers Aussage, dass es ab heute ungemütlich in Braunschweig wird weil die Geduld der Fans aufgebraucht sei auch nicht richtig, wir empfanden es eher als “ernste Ansprache” ohne boshaften Hintergrund. Man ist diesem Tag, den doch hoffentlich niemand erleben will, allerdings ein gutes Stück näher gekommen.

Die Kommunikation zwischen totalem Underdog der Liga und Bundesligareife hat halt so seine Tücken. Man kann sich nicht ständig kleinreden, nachher glaubt man es selber irgendwann und spielt auch so. Wenn man nun aber auf der anderen Seite das Mithaltenkönnen betont, darf man sich eben nicht wundern, wenn viele das glauben und daraus Erwartungen entstehen, die kaum zu erfüllen sind. Ein Dilemma. Von daher wird es entscheidend sein, ob und wie sich die Vereinsführung auf dem Transfermarkt betätigen und wie weiterhin kommuniziert wird – von beiden Seiten, Verein und Fans. Für unser Mathe-Experiment konnte rund um die Augsburger Arena  jedenfalls aus all dem Minus (noch?) kein Plus erkannt werden.

Frustbewältigung

Augsburg Eigentlich wollten wir uns am Abend in einem Brauereigasthaus stärken, doch das hatten wir uns zu einfach vorgestellt. Alles voll, schließlich ist Vorweihnachtszeit. So begannen wir den Abend auf dem Christkindlmarkt. Trotzdem uns auf dem Weg haufenweise offensichtlich alkoholisierte Personen begegneten, war es dort megavoll. Die ehemals große ZDF-Show scheint nicht mehr so zu ziehen… Nächste Station: Der Bierbrunnen, eine Sky-Kneipe die man sich getrost so vorstellen kann wie der Name klingt. Später versuchten wir es dann nochmal im König von Flandern, dem wohl ältesten Brauereigasthof Augsburgs, und bekamen tatsächlich einen Tisch. Leckeres Brot stand zum selbstgebrauten Bier bereit, das rustikale Essen war sehr gut. Für größere Runden empfiehlt sich der 1- oder 3-Liter Syphon, eine Art Pitcher nur mit Verschluss. Zudem wird hier als Spezialität ein selbstgemachter Bierschnaps gereicht. Nachdem zwei Leute per Nachtzug abreisten, endete der Abend für die anderen drei bestens gelaunt in einer Cocktailbar, deren Personal wir erfolgreich am Feierabendmachen hinderten. Ob das erlebte Plus das Minus im Portemonnaie sowie im Spielausgang übersteigt, muss jeder selber sagen, aber ich denke für mich: Passt scho! Und schon auf dem morgendlichen Fußweg zum Bahnhof wurde gezählt, wie viele Spiele in Bayern wir noch haben…

 

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Bayern – BTSV

 

FC Bayern München Bayern München – Eintracht Braunschweig

30.11.2013, Bundesliga, Allianz Arena, Endstand: 2:0

 

Was berichtet man über ein Spiel, bei dem das Kräfteverhältnis so eindeutig verteilt ist und zumindest in der 1. Halbzeit auch so deutlich vom großen FC Bayern zur Schau gestellt wurde? Über ein 1:0 mit der ersten, zugegebenermaßen sehr genialen Aktion sowohl von Götze als auch insbesondere in dieser Geschwindigkeit der Ballannahme und des Abschlusses von Robben? Oder über ein 2:0 in nur allzu typischster Robben-Manier, bei denen man stets das Gefühl hat, diese Tore gar nicht verhindern zu können?  Oder vielleicht über das Gefühl, wenn der große FC Bayern nur richtig wollen würde, könne er wohl auch jederzeit weitere Tore erzielen?

Oder einfach darüber, dass beim großen FC Bayern alles ein bißchen anders ist? So fällt schon auf der frühmorgentliche Anreise im neutralen ICE auf, dass bereits in Niedersachsen erste Bayern-Fans im Zug sitzen. Im Laufe der Fahrt in den Süden sollten noch weitere hinzukommen. Auch ein Blick auf den Parkplatz am Stadion zeigt, dass hier eine riesige Menge an Reisebussen die Menschen zum großen FC Bayern fährt, denn Eintracht-Fans waren an diesem Samstag nur in geringer Zahl in Reisebussen unterwegs. Aber wie definiert sich eigentlich dieser Bayern-Fan? Es macht den Anschein, dass gerade bei einem solchen, für den großen FC Bayern eher unattraktiven Spiel, viele Menschen, den Weg ins Stadion finden, denen dieser sonst verwehrt bleibt. Vielleicht erklärt dies auch die nahezu nicht vorhandene Stimmung. Viele Fans hat der große FC Bayern also schon, aber wirklich emotional dabei sind wohl nur die wenigsten. Wenn sie denn überhaupt dabei sind, versteht sich.

Aber zurück zum Anderssein des großen FC Bayern, der sich immerhin mit einer gehörigen Portion Arroganz erlaubt, in der zweiten Halbzeit einen deutlichen Gang zurückzuschalten. Gepaart mit einem zudem mutigerem Auftreten der in der ersten Halbzeit doch arg zurückhaltenden Eintracht, kommt dann plötzlich ein kaum für möglich gehaltenes Spiel zustande, in dem sich Eintracht einige Torchancen erspielt und nach dem Spiel nicht wenige davon sprechen sollten, dass zumindest ein Anschlusstreffer verdient gewesen wäre. Ob dieser den großen FC Bayern noch einmal ins Wanken gebracht hätte, bleibt indes hypotetische Spekulation. Anders ist aber auch, dass man scheinbar nicht allzu kritisch über den großen FC Bayern berichtet. Gab es da nicht eine durchaus rotwürdige Aktion von Nationalkeeper Manuel Neuer gegen unseren Domi Kumbela? Man mag darüber streiten können, ob die Ballberührung samt Abräumen von Kumbela als Notbremse zu werten ist oder aber ob dies als “Ball gespielt” gewertet werden darf. Viele, mich eingeschlossen, sahen hier jedenfalls eine Rote Karte zumindest mal im Bereich des Berechtigten. Da darf man also doch schonmal interessiert nachfragen, warum diese Szene in den Medien und auch TV-Berichten meist nur kurz Erwähnung findet und teilweise sogar davon zu hören bzw. lesen ist, dass Neuer hier vor Kumbela geklärt habe. Man möchte fast erahnen, wie groß auf der anderen Seite der Aufschrei gewesen wäre, hätte ein Davari einen Robben derartig weggehauen und somit auch dessen Verletzung in Kauf genommen. Wenn ein Schiedsrichter dann noch, ohne Erwähnung dieser Szene wohlgemerkt, eine 2,5 als Benotung bekommt, spätestens dann weiß man, ja der große FC Bayern ist anders.

Ein gutes Drittel der Zuschauer zeigt dieses dann auch nochmal in aller Deutlich- und Hochnäsigkeit, indem sie schon Minuten vor dem Spielende bei einer 2:0-Führung das Stadion verlassen.

Sei´s drum. Wir Braunschweiger sind nämlich sehr gerne noch ganz anders, stolz und zufrieden, selbst nach einer irgendwie schon vor dem Spiel bewussten Niederlage. Ein Fan des großen FC Bayern, wird dies freilich nur schwerlich verstehen können, warum wir also lieber Eintracht- als Bayern-Fans sind. Sind wir aber nunmal…! Xta

 

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Das Derby

 

Hannover 96 – Eintracht Braunschweig

08.11.2013, Bundesliga, HDI-Arena, Endstand: 0:0

 

Gerüchte zum nahenden Weltuntergang

Nach Feierabend nahm das Kribbeln spürbar zu. Nach fast exakt 10 Jahren war es nun also wieder soweit – DAS Derby stand auf dem Spielplan. Und wie das so ist, warf diese Begegnung schon Wochen vorher ihre Schatten voraus. Hannover-Schmierereien am Eintracht-Stadion inklusive Verhaftungen, Anti-Gesänge während “normaler” Ligaspiele im Vorfeld, Fangesinnung kontrollierende 96er, die Zivilpolizisten auf den Leim gehen, ein Schwein mit Hannover-Schal und 95+1 Verzierung rennt durch die Landeshauptstadt… Kurz: Man freute sich offenbar aufeinander.

Am Spieltag selber kochte dann die Gerüchteküche richtig hoch. Fanzüge sollen überfallen werden, ebenso Kneipen, in denen Stadionverbotler das Spiel verfolgen werden, unterstützende Hools aus Rest-Deutschland und dem nahegelegenen Ausland reisen an, 96er patrouillieren seit Mittag durch die Stadt auf der Suche nach Opfern aus Braunschweig, usw. usf.. Da rückte das Gefühl, zu einem Fußballspiel zu fahren, mächtig in den Hintergrund. Vielleicht lebenswichtige Entscheidungen mussten getroffen werden. Schal ja oder nein? Das Portemonnaie verschlanken, damit man nach einem Übergriff nicht alle Dokumente neu besorgen muss? Auf dem Weg zum Treffpunkt des Kombinats kam die Aufregung durch. Ich versuchte, in den Gesichtern der Menschen, die ich auf meinem Weg traf, zu lesen. Ob Einbildung oder nicht – gefühlt schwankten die wortlosen Botschaften zwischen “Aha, Radaubruder, Sensationsfan, sonstewas” und “Armer Irrer, dann mal viel Glück”. Als ich dann noch einen Bekannten traf und auch dieser mitfühlend sagte: “Viel Glück und kommt heile wieder”, kam ich mir original so vor wie in “Der Herr der Ringe”, als Faramir und seine Reiter von seinem durchdrehenden Vater zur Rückeroberung von Osgiliat ausgesandt werden und die Bevölkerung schweigend Blumen auf die Straße wirft…

Die Realität bricht herein

Hannover Natürlich alles völliger Blödsinn. Per normalem Regionalexpress reisten wir an, kurz vor Hannover stiegen sogar einige “Rote” zu, alles blieb entspannt. Die Fantrennung funktionierte wunderbar, durch Tunnel wurde der Tross am Hauptbahnhof zum S-Bahn-Gleis geleitet und nach kurzer Wartezeit zum Bahnhof Linden-Fischerhof gebracht. In der Zeit wurde ordentlich gesungen, wie man auch anfangs unseres Videos sehen kann, zwei nervige Böller gingen hoch – eigentlich alles wie immer. Nur dass sich viele Einträchtler diesmal gegen Blau-Gelb und für ein zeitloses Schwarz entschieden hatten. Nun denn, wer´s braucht… Sah aber im TV wohl eindrucksvoll aus, wie ich hörte. Ein relativ kurzer Fußmarsch bis zum Süd-West-Eingang, der ausschließlich für die Gäste zurechtgemacht war, bildete das Endstück der vorfallsfreien Anreise. Auf dem Weg traf man auf viele Boss Hoss-Fans, die zum parallel stattfindenden Konzert wollten. Hier wurden vereinzelt nochmal die “Boss Hoss-Fans sind keine Verbrecher”-Sprechchöre ausgepackt, was die relativ lockere Stimmung widerspiegelte. Am Stadion hieß es dann erstmal warten, man kam kaum vorwärts. Irgendwann scheint es einigen zu bunt geworden zu sein, jedenfalls gab es kurz Aufregung, scheinbar wurden die Absperrungen eingedrückt oder ähnliches – danach konnte man jedenfalls einigermaßen zügig und ohne Kontrolle das Gelände betreten und den Blockzugang suchen.

Hannover 4000 Braunschweig waren wohl zugegen, und schon vor Anpfiff gab es gesangliches Kräftemessen. Vor dem Einlauf bot leider nur die Nordkurve eine zweiteilige Choreographie dar (siehe Galerie), hier hatte ich mir mehr erhofft – im Gästestehblock wurden Fahnen und Bengalos geschwenkt. Der zweite Teil der Hannover-Choreo kam zwar recht massiv daher, ließ bei genauerer Betrachtung gestalterisch aber sehr zu wünschen übrig und wirkte durch die vielen Einzelteile irgendwie zerrissen. Da würde ich mir wünschen, dass man zum Rückspiel etwas besseres hinbekommt was möglichst das ganze Stadion einbezieht, so schwer sollte das doch nicht sein, oder? Sind ja noch genug Heimspiele dazwischen, wo man Becherpfand sammeln kann o.ä..

Anpfiff, Abpfiff, Heimreise

Dann war es soweit und eines der Top3-Derbys in Deutschland wurde angepfiffen. Um es vorweg zu nehmen: Die Partie konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Die Gastgeber spielten beinahe mit angezogener Handbremse, wollten scheinbar nicht in Rückstand geraten. Ist vielleicht auch nicht verwunderlich, wenn man den Druck erkennt, der nach 5 sieglosen Spielen und nur einem Punkt auf der durch Verletzungen und Sperren geschwächten Mannschaft lasten musste. Ansonsten sah man schon, dass Hannover hier der Favorit war. Braunschweig musste auf drei verletzte Stammkräfte verzichten, was sich in einer harmlosen Offensive bemerkbar machte. Die Abwehr stand allerdings ziemlich gut, mit einer starken Innenverteidigung und ließ bis auf einen halbwegs gefährlichen Kopfball nach einer Ecke und einem Schüsschen nach missglücktem Torwartdribbling (Hildebrand lässt grüßen) kaum etwas zu. Immerhin gab es intensive Zweikämpfe im Mittelfeld, die etwas Derbygefühl widerspiegelten.

Hannover Etwas unterrascht war ich vom Heimsupport, den ich deutlich lauter und eindrucksvoller erwartet hatte. Statt dessen erging man sich in der Nordkurve eher darin, alle 10 Minuten mit ein paar Bengalos zu wedeln als einen geschlossenen Singsang zu installieren. Dagegen kam ich mir letzte Saison in Köln viel, viel, viel kleiner in der Gästekurve vor. Gestern wurden sogar Spottgesänge wie “Für ein Heimspiel seid ihr ganz schön laut”, “Heimspiel in Hannoi” und “Bitte nicht so laut” angestimmt. Von “Warum seid ihr H+++n so leise” ganz zu schweigen.
In der zweiten Halbzeit kippte die Stimmung dann mit zunehmender Spieldauer zu Gunsten Eintrachts. Der Heimbereich wurde leiser, forderte lediglich kurz vor Schluss nochmal vielstimmig den Siegtreffer, bei den Gästen wuchs die Zuversicht auf mindestens einen Punktgewinn und damit auch die Feierlaune. Vom Übergewicht ging es wechselhaft zu. Mal hatte man das Gefühl, 96 sei nah am Treffer, dann wiederum hätte mit etwas Dusel einer der passablen Ansätze des BTSV zu einem Tor führen können. Das Glück eines späten Treffers hatte man aber wohl gegen Leverkusen aufgebraucht. So blieb es dann beim torlosen Remis, wofür die Hannoveraner Pfiffe kassierten, während auf Eintracht-Seite die Laune bestens war.

Während des Rückwegs herrschte eine komische Stimmung in der BTSV-Karawane. Man sprach miteinander, es murmelte allerorten, aber freudige Gesänge oder was man sich sonst so nach einem Punktgewinn im Derby vorstellt, fand nicht statt. Die Wartezeit bis der Zug heimwärts bestiegen werden konnte zog sich diesmal laaange hin, im Anschluss dauerte es auch laaange, bis der Zug endlich losfuhr. Dafür ging es ohne Halt direkt nach Braunschweig zurück, wo der Dönermann als einzig noch geöffneter Laden mit Bier und Essen ein kleines Vermögen gemacht haben dürfte.
Noch ein Nachsatz zum Spiel oder zwei: Im Übrigen war dies das erste Aufeinandertreffen beider Mannschaften, das ohne Torjubel endete, und nebenbei war es das 1000. (tausendste!) 0:0 der Bundesligahistorie. Wir waren dabei und das Beste: Eintracht bleibt mindestens für 10,5 Jahre Derbysieger!

 

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Fürth und Mainz

 

1070 km in 36 Stunden


http://l.yimg.com/os/mit/media/m/sports/images/team-logos/fbde/50x50/spvgg-greuther-fuerth-1093478.png SpVgg Greuther Fürth – FC Ingolstadt 04

25.10.2013, 2. Bundesliga, Trolli Arena, Endstand: 0:1

1. FSV Mainz 05 – Eintracht Braunschweig

26.10.2013, Bundesliga, Coface Arena, Endstand: 2:0

 

Tag 1

Franken statt Pott

Fürth Die Entscheidung für das Freitagabendspiel fiel zwischen Wattenscheid und Fürth, und bekanntermaßen zugunsten der Franken. Gründe hierfür waren… tja… ähh… klar: Die fränkische Küche, in Form der Empfehlungen zweier netter User des Clubfans-United-Blogs auf Grund unseres Interviews dort. Aber was fällt einem denn speziell zu Fürth ein? Gut, die Derby-Nähe zu Nürnberg, niedliche Arenanamen, Mike Büskens und kürzlich eine Saison Bundesliga für die ehemals Unaufsteigbaren, deren Name sich aus der Fusion der SpVgg Fürth und des TSV Vestenbergsgreuth ergab. Nicht bekannt war uns zu dem Zeitpunkt, dass dort ca. 120.000 Menschen leben, das Kleeblatt tatsächlich das Stadtwappen ist und die Stadtfarben Grün und Weiß sind. Zwischen Nürnberg und Fürth fuhr 1835 mit der Adler-Lok die erste Dampfeisenbahn in Deutschland. Bekannte Söhne der Stadt sind Altkanzler Ludwig Erhard und der spätere US-Außenminister Henry Kissinger.

Was Dunfermline für Wilhelmshaven ist Paisley für Fürth – nämlich schottische Partnerstadt. Zur Erinnerung: St. Mirren FC kommt aus Paisley, ebenso wie William Wallace, den Mel Gibson in Braveheart verkörperte. Nebenbei bemerkt könnte man den Stadtvätern und -müttern eine gewisse Schlüpfrigkeit bei der Benennung der Stadtteile unterstellen: Atzenhof, Poppenreuth, Ritzmannshof, Sack… um nur einige zu nennen.

Fürth Auf dem Weg vom Bahnhof zur Pension Central in der Katharinenstraße passierten wir gleich am Centaurenbrunnen einen netten kleinen Markt, die üppige Fußgängerzone, das von der Bauweise her recht interessante Rathaus und die Tanzschule Streng, vor deren Pforten bereits eine stattliche Horde Teenager wartete. Als wir nach unkompliziertem Bezug des gemütlichen Zimmers (Zweibett, 49,- inkl. Frühstück)  Richtung Stadion gingen und erneut dort vorbeikamen, schunkelten Mädchen und Jungen sich zu grausiger Musik mal mehr, mal weniger angestrengt übers Parkett – dank der riesigen und wegen des warmen Wetters teils geöffneten Fensterfront gut zu beobachten. In der Königstraße erwischten wir noch einen Shuttlebus, der uns allerdings schon nach wenigen Minuten am Friedhof rausließ. Der grün-weißen Menge folgend wurde schnell klar, dass der Getränkemarkt in unmittelbarer Nähe noch ein gutes Geschäft machte, frei nach dem Motto: Last drink before kick-off. In Braunschweig hat man da ja auch so seine Anlaufstellen, eigentlich eine schöne Routine.

Stimmungsschwankungen

Fürth In der Arena zeigte sich die Nordtribüne mit dem Stimmungsblock gut gefüllt, in den anderen Bereichen, auch  bei den Gästefans, zeigten sich dann doch Lücken, was bei einem Spiel des Tabellendritten gegen das Schlusslicht vielleicht nicht untypisch ist. Dennoch hatte ich mir für ein fränkisch-bayrisches Duell doch etwas mehr als 10.025 Besucher versprochen. Nach der Pleite gegen St. Pauli wollten die Gastgeber nun wieder Punkte sammeln, erlitten aber bereits in der 9. Minute einen weiteren Tiefschlag in Form des einzigen Treffers dieser Partie. Der auffällige Da Costa passte zu Groß, der per direktem Hackentrick Moritz Hartmann bediente – der kam aus eigentlich zu weit abgedrängter Position trotz Gegenspieler einfach zum Abschluss, und das Leder rutschte unter Keeper Hesl hindurch ins Netz. Anscheinend ein zu großer Schock für das Kleeblatt, denn bis zur Pause waren wenn überhaupt die Schanzer gefährlich. Trotzdem feuerte die Nordkurve ihr Team weiter an, während die Stimmung auf den Sitzplätzen teils fatalistische Ausmaße annahm – gut zu hören in unserem Video. Mit Pfiffen wurden die Fürther in die Pause verabschiedet.

Fürth Im zweiten Durchgang verstärkten die Grün-Weißen ihre Offensivbemühungen und kamen auch zu Chancen, die aber kläglich vergeben wurden: Einmal aus 3 Metern übers Tor (Füllkrug), einmal aus 5 Metern Torwart Özcan aufs Knie geköpft (Mudrinski). Auf der anderen Seite verpasste Eigler die Entscheidung, als er sich frei vor Hesl den Ball durch einen mitgelaufenen Fürther vom Fuß spitzeln ließ. Für den unrühmlichen Abschluss sorgte Almog Cohen, als er kurz vor Schluss Gießelmann unnötig außen an der Mittellinie abräumte und dafür Rot sah. Kurz darauf war der gebrauchte Tag für die Hausherren gegessen, nicht jedoch ohne neben anerkennendem Applaus auch Pfiffe der eigenen “Fans” zu kassieren. Die 300-400 mitgereisten Ingolstädter durften hingegen mit ihrem Team am 12. Spieltag den dritten Dreier der Saison feiern, verbleiben aber, wie auch die SpVgg (3.), auf dem vorher innegehabten Platz (18.) . Das als Info für die Leserschaft, die die Zweitligatabelle nicht mehr so intensiv verfolgt…

Epilog I

Fürth Der Fanabmarsch gestaltete sich doch dichter als gedacht, sodass wir erstmal im Windschatten eines Polizeifahrzeugs stehenblieben. Und wie wir so da rumlungern, fragte doch der erste Fürth-Fan: “Na, alles im Blick?” Noch während wir uns fragend ansahen kam prompt die Lösung in Form eines weiteren Kommentars: “Schau an hier, Zivibullen…” Und so ging es weiter. Nach dem fünften Statement brach sich meine Empörung Bahn, und prompt sollte alles nur ein Scherz gewesen sein. Wer´s glaubt. Tss…! Dann war es aber endlich an der Zeit, sich dem Kulinarischen zu widmen. Hierzu fanden wir nach erträglichem Fußmarsch die Gustavstraße, ihres Zeichens Zentrum der hiesigen Restaurant-, Café- und Kneipenmeile, wo wir in das historische Gasthaus “Grüner Baum” einkehrten. Hier beschloss eine kleine Portion Fränkisches Krustenschäufele mit Kloß und Sauerkraut den Tag, begleitet von einem Krug Tucher hell und abgerundet durch einen Obstbrand. Gigantisch.

 

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Tag 2

Komplikationen – mal wieder

Mainz Bis 10:30 Uhr war die Welt in Ordnung. Frühstück lecker, schöner Weg zum Bahnhof – doch dann ließ die Anzeigetafel auf dem Gleis wissen: Zug hat heute 15 Minuten Verspätung. Bei 6 Minuten Umstieg in Nürnberg sah das schonmal ganz schlecht aus. Also gleich nach Würzburg? Die Bahnangestellte auf dem Gleis gefragt – der erste Fehler. Die machte uns wenig Hoffnung, ohne Neuzahlung davonzukommen, und brabbelte was von Eigenschuld – wie bitte? Besagter Zug war randvoll, trotzdem rein – und wieder raus, weil das irgendwie doch unsicher schien. Fehler Nummer zwei. Also doch nach Nürnberg, um von dort nach einer Stunde Wartezeit über Würzburg nach Frankfurt zu fahren. Immerhin kamen wir so, gemäß der oben erwähnten Spezialitätenaufzählungen in den Genuss einer Kolb-Breze mit Butter, sehr zu empfehlen. Aber die Erkundung von Mainz und vor allem die erste Halbzeit des heutigen Spiels konnte auch die nicht ersetzen, denn quasi zum Pausenpfiff erreichten wir nach sehr gründlicher Einlasskontrolle erst den Gästeblock. Natürlich wussten wir vom frühen Gegentor durch Okasaki, ahnten aber angesichts der ersatzgeschwächten o5er und der für gewöhnlich stärkeren 2. Hälfte der Eintracht noch nichts Böses.

Mainz? Mainz?

Doch wollen wir unseren Blick erstmal auf Mainz richten. Während für Fürth ja maßgeblich der Fußball präsent ist, fallen einem zur lediglich durch den Rhein von der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden getrennten rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz ja schon noch andere Dinge ein. Karneval natürlich, ZDF (Fernsehgarten), Wein, Handkäs mit Musik… Das Stadtwappen mit dem Mainzer Rad ist in Rot und Weiß gehalten, die Einwohnerzahl liegt bei 201.000 und von hier stammen u.a. Buchdrucker Johannes Gutenberg, Moderator Heinz Schenk und: Franco Foda, dessen Name tatsächlich auf Portugiesisch laut Internet-Übersetzer “französisch fi**en” bedeutet. Manchmal stimmen Gerüchte eben doch.

Man kann sich wohl vorstellen, dass die Zeit nicht mal für ein Foto des Bahnhofs gereicht hat. Dort trafen wir noch zwei verspätete BTSV-Fans, deren Fanbus unterwegs liegenblieb, und nahmen gemeinsam ein Taxi zur hiesigen Arena, die wie so viele ihrer Leidensgenossinnen mitten in trostlose Einöde gezimmert wurde. Einträchtigen Dank nochmal für die Einladung!

To make a long story short

Mainz Die restlichen 45 Minuten sind dann auch schnell erzählt. Viel Ballbesitz für Braunschweig (hat man ja nicht so oft), aber nichts Zwingendes. Mainz stand tief, lauerte auf Konter, und die bekamen sie auch. Die recht muntere Fankurve und auch die Klatschpappenzuschauer (sic!) auf den Tribünen konnten dann in der Konsequenz das entscheidende 2:0 feiern, wieder durch den gefälligen Okasaki. Nachdem die Gästefans sich die letzten 10 Minuten des Spiels schon gedanklich und gesanglich Richtung Derby am 08.11.13 orientierten, wurde nach Abpfiff doch nochmal die Mannschaft gewürdigt, die sich dann prompt samt Trainer zur Gästekurve begab. Ja, und das war es irgendwie auch schon…

Epiloge II + III

Der Epilog II lautet für diese Partie: Mit den eigenen Waffen geschlagen. Wieder keine Punkte gegen einen Gegner, der wie Schalke zuletzt nicht besser war. Frühes Zeitspiel und unnötige Provokation zeigten, wie sehr den 05ern nach einem Punkt aus den letzten sieben Spielen der Stift gegangen sein dürfte. Glücklicherweise ist der Relegationsplatz weiterhin nur 3 Punkte entfernt.

Epilog III: Auf Grund der eng getakteten Heimreise per ICE, die im Bistrowagen stattfand (unsere Vorliebe dafür dürfte mittlerweile bekannt sein), wird sich ein erneuter Besuch in Mainz nicht vermeiden lassen. Vielleicht ja auch nochmal mit der Eintracht – und zeitlich deutlich großzügiger, schließlich müssen doch irgendwo auch schönere Seiten als die erlebten zu entdecken sein…

 

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