Augsburg – BTSV

 

FC Augsburg – Eintracht Braunschweig

14.12.2013, Bundesliga, SGL Arena, Endstand: 4:1

 

Minus mal Minus gleich Plus

Augsburg Diese Weisheit aus der Mathematik sollte an diesem Wochenende einer ausführlichen Evaluierung unterzogen werden. Erste Gelegenheit dazu ergab sich bereits bei der Anreise, die mit 34,50 Euro pro Person inklusive Rückfahrt enorm günstig ausfiel. Es fand sich dazu noch ein freies Abteil im ICE, das als kleinen Haken allerdings den Sitzplatz mit der von vielen Braunschweigern verinnerlichten “bösen Zahl” enthielt. Kurz vor Fulda drohte mal wieder alles zu kippen, Erinnerungen an das Mainz-Debakel (wir berichteten hier davon) kamen hoch, denn unsere beiden folgenden Anschlüsse hatten derbe Verspätung, was den engen Zeitplan zu sprengen drohte. In Fulda erreichten wir problemlos eine Ticketfreigabe im DB-Reisezentrum, sodass wir den ebenfalls verspäteten, direkt nach Augsburg fahrenden IC nehmen konnten und somit 25 Minuten früher am Ziel waren als geplant. Die Gültigkeit der Formel war also schon mal bewiesen.

Da niemand abschätzen konnte, wie weit es zum Hotel war, entschieden wir uns für ein Taxi, was jetzt nicht so eine gute Idee war. Am Abend sollte noch “Wetten, dass…” in der Stadt sein, dazu das Spiel… die Innenstadt war also ziemlich verstopft. Das erkannte auch unser Fahrer schnell und dehnte die eine oder andere Verkehrsregel großzügig zu unseren Gunsten aus. Schneller Check-in im Hotel Jakoberhof, wo ziemlicher Andrang und entsprechender Stress herrschte. Das Zimmer war auf den ersten Blick schlicht, in den Fluren könnte mal was gemacht werden – aber für den Preis vollkommen in Ordnung. Aus dem uns irrtümlich zugedachten Zweierzimmer wurde bis zum Abend tatsächlich ein Dreier, Toiletten und Dusche waren auf dem Flur. Letztendlich haben wir 54,- Euro inklusive Frühstück bezahlt, statt eigentlich 67,- oder so. Auch hier ergab Minus letztendlich Plus. So konnte es weitergehen! Ging es aber nicht.

Augsburg

 

Fußball als Gegenbeweis

Nach Ankunft an der Augsburger Arena, der Taxifahrer erwies sich auch hier als Schlitzohr in Sachen Stau-Taktik, und einer gründlichen Einlasskontrolle begann die Partie sehr ausgeglichen. Doch nachdem Bellarabi angeschlagen raus musste kam es zu einem ordentlichen Bruch im Braunschweiger Spiel, dem die kurz darauf nach einem Blackout im eigenen 16er angesetzte Schwalbe des ansonsten eigentlich von mir geschätzten Werner den frühen Todesstoß versetzte. Denn auf den zur glücklichen Führung verwandelten Strafstoß folgten knapp 10 kohlrabenschwarze Minuten, nach denen es, begünstigt durch einen weiteren Fehler bei der Ballklärung am Fünfer, auf einmal 3:0 für die Gastgeber stand. Womit das Spiel auch gelaufen war, trotz des sehenswerten Anschlusstreffers von Ex- Augsburger Oehrl, der wenig später mit etwas Glück sogar noch das 3:2 hätte erzielen können. Nun verlor er aber bald darauf nach einer guten Phase der Eintracht unnötig den Ball, woraus das 4:1 resultierte, und der Lebkuchen war gegessen.

Augsburg Kurz nach dem Abpfiff skandierte ein Teil der Gästefans “Wir wollen euch kämpfen sehen”, was ich inhaltlich falsch finde, denn am Kampf liegt es gewiss nicht. Hier fehlt mir eine gewisse Feinfühligkeit der Tonangeber im Block. Sicherlich ist es ärgerlich, nach so einer langen Reise dann phasenweise so eine Leistung der Mannschaft zu sehen (auch ich wäre nach 35 Minuten gerne woanders gewesen), aber man sollte sich nochmal klarmachen, dass Eintrachts durchschnittliches Leistungsniveau nicht in Spielen wie gegen Leverkusen oder Wolfsburg gezeigt wird. Das waren überdurchschnittliche Leistungen, die nun mal nicht beliebig zu wiederholen sind. Dennoch steckt niemand solche Klatschen einfach so weg, weder Fans noch Spieler, das war hier klar zu merken. Aber es hat niemand gepfiffen oder gegen das Team gepöbelt, von daher finde ich des Trainers Aussage, dass es ab heute ungemütlich in Braunschweig wird weil die Geduld der Fans aufgebraucht sei auch nicht richtig, wir empfanden es eher als “ernste Ansprache” ohne boshaften Hintergrund. Man ist diesem Tag, den doch hoffentlich niemand erleben will, allerdings ein gutes Stück näher gekommen.

Die Kommunikation zwischen totalem Underdog der Liga und Bundesligareife hat halt so seine Tücken. Man kann sich nicht ständig kleinreden, nachher glaubt man es selber irgendwann und spielt auch so. Wenn man nun aber auf der anderen Seite das Mithaltenkönnen betont, darf man sich eben nicht wundern, wenn viele das glauben und daraus Erwartungen entstehen, die kaum zu erfüllen sind. Ein Dilemma. Von daher wird es entscheidend sein, ob und wie sich die Vereinsführung auf dem Transfermarkt betätigen und wie weiterhin kommuniziert wird – von beiden Seiten, Verein und Fans. Für unser Mathe-Experiment konnte rund um die Augsburger Arena  jedenfalls aus all dem Minus (noch?) kein Plus erkannt werden.

Frustbewältigung

Augsburg Eigentlich wollten wir uns am Abend in einem Brauereigasthaus stärken, doch das hatten wir uns zu einfach vorgestellt. Alles voll, schließlich ist Vorweihnachtszeit. So begannen wir den Abend auf dem Christkindlmarkt. Trotzdem uns auf dem Weg haufenweise offensichtlich alkoholisierte Personen begegneten, war es dort megavoll. Die ehemals große ZDF-Show scheint nicht mehr so zu ziehen… Nächste Station: Der Bierbrunnen, eine Sky-Kneipe die man sich getrost so vorstellen kann wie der Name klingt. Später versuchten wir es dann nochmal im König von Flandern, dem wohl ältesten Brauereigasthof Augsburgs, und bekamen tatsächlich einen Tisch. Leckeres Brot stand zum selbstgebrauten Bier bereit, das rustikale Essen war sehr gut. Für größere Runden empfiehlt sich der 1- oder 3-Liter Syphon, eine Art Pitcher nur mit Verschluss. Zudem wird hier als Spezialität ein selbstgemachter Bierschnaps gereicht. Nachdem zwei Leute per Nachtzug abreisten, endete der Abend für die anderen drei bestens gelaunt in einer Cocktailbar, deren Personal wir erfolgreich am Feierabendmachen hinderten. Ob das erlebte Plus das Minus im Portemonnaie sowie im Spielausgang übersteigt, muss jeder selber sagen, aber ich denke für mich: Passt scho! Und schon auf dem morgendlichen Fußweg zum Bahnhof wurde gezählt, wie viele Spiele in Bayern wir noch haben…

 

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