Nürnberg

 

Ein Feier-Wochenende mit Katerstimmung

 

 1. FC Nürnberg – Eintracht Braunschweig

22.02.2014, Bundesliga, Grundig Stadion, Endstand: 2:1

 

Freitagabend. Auftritt der Kurzentschlossenen und “Konditionsstarken”

Nürnberg Es ist so ziemlich genau 18 Uhr, als wir mal wieder aus dem Nürnberger Bahnhofsgebäude treten – und diesmal haben wir 25 Stunden Zeit mitgebracht. Sollte eigentlich genug sein, um die vielen kulinarischen und gastronomischen Tipps abzuarbeiten, die uns über den Clubfans United Blog nach dem netten Interview-Austausch zum Hinspiel mitgegeben wurden (siehe Gästeblog). Doch vor den Genuss hatte der Zufall einige Eishockeyfans gesetzt. Schnell wurde klar, dass um 19.30 Uhr die Nürnberg Ice Tigers gegen den ERC Ingolstadt antreten würden – und ebenso schnell fiel der Entschluss, nach einem Blitzbesuch in unserer bahnhofsnahen Pension “Zum Schwänlein” mit der S-Bahn zum Grundig-Gelände rauszufahren. Hier würden wir morgen zwar schon wieder herkommen, aber wenn nunmal die Eishalle neben dem Fußballstadion steht…

Am Einlass bekamen wir zwar noch Stehplatzkarten, aber die Blöcke waren schon dermaßen voll, dass wir es einfach eine Etage drüber versuchten. Die Karten hatte auch niemand kontrolliert, was vielleicht daran lag, dass wir nun den Gästeblock betraten. Aber hier fanden wir wenigstens gute Plätze, und schnell stellten wir fest, dass alle Recht haben wenn sie sagen, dass Eishockey live viel besser ist als im Fernsehen. Es wurde ein kurzweiliges Spiel mit vielen Toren, das die Gäste mit 5:3 gewinnen konnten. Was aber nervte waren die Drittelpausen, die tatsächlich 18 Minuten dauerten sowie der Videobeweis. 3 Minuten nach einem Treffer endlich die Gewissheit zu haben, ob er nun zählt oder nicht, möchte ich im Fußball nicht haben. Bleibt festzuhalten, dass die ERC-Fans geilere Stimmung gemacht haben als ihre Kollegen vom FCI.

Nürnberg Wieder in der Altstadt angekommen wollten wir eigentlich noch etwas essen und suchten zunächst den Krakauer Turm auf der Insel inmitten der Pegnitz auf. Hier war die Küche zwar schon zu, dafür konnten wir das empfohlene Hetzelsdorfer Bier abhaken. Der weitere Weg sollte uns dann durch die Altstadt zur Mata Hari Bar führen, die war uns von einer Freundin, die längere Zeit in Nürnberg wohnte, empfohlen worden. Klein und ziemlich eng war es dort, aber sehr spaßig, zumal wir mit interessanten Menschen in Kontakt kamen. So erschraken wir doch etwas, als wir erst (oder schon) gegen 5:30 Uhr die Pension erreichten. Optimistisch wurde der Wecker auf 8.00 Uhr gestellt, wegen Frühstück und so, und natürlich war es menschliches Versagen, das den Plan scheitern ließ. Zumindest ist nicht anzunehmen, dass der Wecker von sich aus ein Einsehen mit dem Partyvolk hatte.

 

Samstag. Auftritt: Das Zimmerräumkommando

Nürnberg Um 11 Uhr wummerte es ordentlich und wenig charmant gegen unsere Tür. Man wollte wohl unser Zimmer reinigen und zog dafür alle Register, um uns des so dringend benötigten Schlafes der Gerechten zu berauben. Immerhin konnten wir noch schnell Zähne putzen bevor wir uns auf der Straße wiederfanden. Wie konnte es nur so weit kommen? Okay, das dachten wir uns in dem Moment eigentlich nicht, sondern eher: Wo war der mühsam im Netz erstellte Stadtplan mit all den wichtigen markierten Punkten geblieben? Bis zu einer Kolb-Butterbrezen konnten wir uns noch selbst behelfen, danach waren wir auf “grobe Richtung: da lang” angewiesen.

Bevor wir uns mit einem weiteren Braunschweiger in der Brauereigaststätte Altstadthof trafen, wollten wir noch bei Schwarz Landbrote und Wurstwaren schön einkaufen. Allerdings ließ uns die Orientierung nun vollends im Stich und so musste fremde Hilfe her. Eine Wahlkandidatin der “Rohden” unterhielt sich sehr angeregt mit uns, beschrieb uns aber nicht nur den Weg, sondern auch noch die Horst Dreh-Hofer Kampagne und lud uns ein, beim nächsten Besuch in ihrem Gasthaus einzukehren. Wen man so alles trifft… Schließlich fanden wir den Brot- und Wurstladen und erstanden jeder ein halbes gewürztes Landbrot zu schlappen 1,5 Kilo und ich nahm noch zwei Enden Stadtwurst mit, eine helle und eine dunklere.

Nürnberg Endlich im Altstadthof angekommen teilten wir uns als Vorspeise eine Portion Saure Zipfel, das sind in einem Essigsud mit Zwiebeln gegarte Bratwürste. Der saure Geschmack irritiert zuerst ein wenig, schmeckt aber dann doch sehr gut. Schäufele und Biergulasch machten die drei Hauptgerichte aus, danach passte das von mir anvisierte Bieramisu nicht mehr hinein. Im direkt angeschlossenen Brauereiladen kauften wir noch Souvenir-Bier in der praktischen 1- bzw. 2-Liter Flasche, bevor wir die inzwischen schwer gewordenen Taschen im Bahnhof einschlossen und uns Richtung Stadion aufmachten, das ja bekanntlich neben dem unschönen ehemaligen Reichsparteitagsgelände liegt.

Auftritt: Die Katerstimmung

Nürnberg Im Gästebereich wird echtes Bier ausgeschenkt und man kann mit Bargeld zahlen, so freut das sicher fast jeden Fan. Und das Spiel begann ja dann auch unfassbar gut für die mitgereisten Blau-Gelben. Was allerdings in Hälfte zwei nach den überragenden ersten 40 Minuten der Eintracht passierte, wird wohl nicht lückenlos aufzuklären sein. Gut, der verschossene Elfer aus der 41. dürfte da eigentlich nicht so ins Gewicht fallen, fiel er aber anscheinend. Zwei Tempoangriffe der längst in Unterzahl spielenden Nürnberger zum Wiederanpfiff, da war das Spiel gedreht. Eigentlich schon schmeichelhaft, dass ein zweiter Strafstoß noch die größte Chance zum Ausgleich darstellte, aber auch vergeben wurde. Dass Petkovic dann selbst noch einen hält war da schon fast belanglos, obwohl großartig gemacht. Dass es auch noch herausgespielte Großmöglichkeiten gab, wollen wir natürlich nicht verschweigen, aber an so einem Tag hat wohl jeder gemerkt, dass der Schock zu tief saß – anders kann man sich so einen Spielverlauf wohl nicht erklären. Nun ja, schade um die wichtigen Punkte. Vielleicht wird es in der Restsaison gegen Gegner, die nicht so viel zu verlieren haben, nochmal einfacher zu punkten, und wenn nicht dann eben nicht. Man kann ja auch nicht jede Saison eine Sensation schaffen.

Nürnberg Unschön gestaltete sich dann noch das Vorgehen der Ordner, die so eifrig beim Rausschmiss der Gästeanhänger vorgingen, dass sie die letzten sogar noch persönlich aufs Klo begleiteten, dort beim Pinkeln zusahen und Druck machten – um dann letztlich mit Klammergriffen die Leute rauszuführen. Enttäuschend auch mal wieder das Verhalten der Polizei, die dieses Vorgehen noch unterstützte und Kritikern massiv drohte. Ein für mich unnötiger und unverständlicher Makel an einem friedlichen Fußballnachmittag, der durch eine neutrale Vermittlung der Beamten sicher nicht entstanden wäre.

Dafür gab es dann am Bahnhof noch die mittlerweile gefühlt schon üblichen warmen Worte der Sympathie und Klassenerhaltswünsche, die man nach dem Spielverlauf leider auch nur noch routinemäßig zur Kenntnis nehmen konnte.

 

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  3 Responses to “Nürnberg”

  1. Cooler Bericht. Lasst euch nicht unterkriegen!

    Zwar danke für die so kaum verdienten Punkte aber auch für euer Auftreten!

    Lieber gewinnt ihr nächstes Jahr bei uns … ähm … ok … unentschieden … ähm … verliert knapp … als dass Wolfsburg oder Hannover (edit: hoch) verlieren! 8-)

  2. Hallo liebe Braunschweiger,
    toller Bericht, so sollte Fußball “gelebt” werden.Drücke Euch die Daumen, dass Ihr den Relegationsplatz erreicht und Greuther Fürth eliminiert. Jäcker, Bäse, Ulsaß. Gerwien, später Wolter,Handschuh, Popivoda (Schreibweise?Egal, Ihr wisst, was ich meine!)
    Alles Gute weiterhin.
    Rainer Wägner -ein Glubberer – eine Liebe, die nie vergeht!

  3. Klasse Bericht! Ihr habt schon echt die guten Ecken von Nürnberg besucht, Ihr wurdet also gut beraten! :-)

    Anmerkung: Die IceTigers sind der EHC und nicht der ERC und die Insel, auf der der Krakauer Turm steht, heißt “Insel Schütt”.

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