- Kenia: Zwei Stadien und ein Projekt für eine “echte Alternative”

 

Nairobi City Stadium Gor_Mahia_FC_(logo) Mahakama FC  Nairobi_City_Stars_FC

Im Dezember 2014 ergab sich die Möglichkeit einer neuntägigen Reise nach Kenia. Auch wenn der Besuch der Freundin, die für ein mehrmonatiges Praktikum in Nairobi weilte, und nicht der Fußball der Grund des Besuchs war, so ergab sich doch zumindest für einen Tag die Möglichkeit zwei Stadien der Landeshauptstadt aufzusuchen. Als erster Anlaufpunkt diente dabei das Nairobi City Stadium.

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Das 15.000 Zuschauer fassende Stadion ist die Heimspielstätte gleich mehrerer Hauptstadtklubs, so zum Beispiel des Mahakama FC, der Nairobi City Stars und des Gor Mahia FC, einem der erfolgreichsten Klubs des Landes. Zu großen Spielen weicht K’ogalo, wie Gor Mahia im Volksmund genannt wird, aber auch in das 60.000 Zuschauer fassende Moi International Sports Centre aus – dem größten Stadion Kenias. Die Besonderheit des Nairobi City Stadiums ist sicherlich der Kunstrasenplatz, den das Stadion im Zuge des von der FIFA 2010 gestarteten Projekts “Football for Africa” verpasst bekam.

Nähere Aufnahmen vom Stadion waren leider nicht wirklich möglich. Nicht nur, da Aufnahmen von öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen in Kenia verboten sind, sondern auch, weil das Stadion in Nairobis Stadtteil Eastleigh liegt, einem Stadtteil in dem besonders viel Handel getrieben wird und dieser dafür sorgt, dass rund um das Stadion so rege Betriebsamkeit herrscht, dass Kamera oder Handy lieber in der Hosentasche bleiben sollten.

Nyayo National Stadium afc leopards Football_Kenya_Federation_logo

Ein tragischer Ort ist das wunderschöne Nyayo National Stadium. Ein Umstand der dem Verfasser leider erst bei der Nachbearbeitung in der Heimat bewusst wurde. Das Stadion ist sowohl Austragungsort für Spiele der kenianischen Nationalmannschaft, als auch für Ligaspiele der AFC Leopards, dem großen Rivalen des Gor Mahia FC. Und genau bei einem der Duelle zwischen diesen Rivalen, ereignete sich im Oktober 2010 eine Tragödie mit tödlichem Ausgang. Mindestens sieben Menschen verloren ihr Leben und zahlreiche weitere wurden verletzt, als es vor und im Stadion zu einer Massenpanik kam, nachdem einige Besucher offenbar versuchten ohne Eintrittskarte in das Stadion zu gelangen. Und diese Tragödie konnte nicht verhindert werden, obwohl fünf Jahre zuvor bereits ein ähnlicher Vorfall mindestens einer Person das Leben gekostet hatte. Am Rande des WM-Qualifikationsspiel zwischen Kenia und Marokko war das geschehen, woraufhin die FIFA das Stadion für zwei Jahre für internationale Spiele sperrte und die Kapazität von 35.000 auf 25.000 Plätze reduziert wurde.

Was bei dem Blick ins Innere des Runds neben der üppigen Präsidentenloge definitiv auffällt, das sind “Sicherheitsvorkehrungen”, die einem jeden Fußballfan das kalte Grauen über den Rücken laufen lassen dürften, wie vornehmlich in der Fotogalerie weiter unten zu erkennen sein wird.

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Sports Connect Academy, Buruburu, Nairobi

Die Sports Connect Academy in Nairobis Stadteil Buruburu, hat eine großartige Möglichkeit geschaffen, um junge Menschen aus der Ausweglosigkeit der Straße zu holen und ihnen eine echte Alternative zu bieten. Im Jahr 2007 von sieben Fußballbegeisterten gegründet, ist die Mitgliederzahl mittlerweile auf über 150 gewachsen. Die Academy ermöglicht jungen Menschen – die meist mit Kriminalität ihren Lebensalltag bestritten oder durch das Schnüffeln von Klebstoffen versuchten aus eben diesem zu fliehen – neben dem Fußball eine Ausbildung zu verschaffen. “Einige haben es zum Sozialarbeiter gebracht, studieren oder haben einen anderweitigen Ausbildungsplatz bekommen”, erzählt uns Nabil, eines der Gründungsmitglieder der Academy, voller Stolz. “Die, die es geschafft haben ein auswegloses Leben hinter sich zu lassen, bleiben”, so Nabil, trainieren weiter mit den Teams, setzen sich nun selbst für die Jugendlichen in Buruburu ein und nehmen dadurch auch eine große Vorbildfunktion ein. Nabil selbst ist auch Trainer, ebenso wie seine Frau Florence. Sie ist die einzige Frau Afrikas, die einen offiziellen UEFA-Trainerschein gemacht hat – an der Sportschule Hennef in Deutschland. Auch sie dürfen wir im Rahmen des großen Turniers zum Ende des Jahres treffen, zudem wir herzlich eingeladen sind. Alle Teams der Academy kommen zu diesem Turnier zusammen und spielen gegeneinander, egal ob Jugend-, Frauen- oder Altherrenteam. “Wir beginnen im Sommer die Saison gemeinsam und wir beschließen das Jahr gemeinsam”, macht Nabil die Bedeutung des Turniers und den damit verbundenen Zusammenhalt deutlich. “Wir sind eine große Familie.”

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Auch “The Makolandas” sind bei dem heutigen Turnier dabei, ein Frauenteam, dass sich mit einem Teil der Frauen der Academy zusammengetan hat und die es bis in die kenianische Premier League geschafft haben. Dorthin haben es mit Mike Simiyu und Ezekiel Odera tatsächlich auch schon zwei Jungs der Academy geschafft. “Odera spielte sogar einige Zeit bei Gor Mahia”, erzählt mir Nabil. Und er kam mit dem großen Gor Mahia FC zurück zu den Wurzeln – für ein Freundschaftsspiel. 2011 durfte ein von Florence gecoachtes Team der Sports Connect Academy gegen das Premier League-Team antreten und zog sich bei der 1:5-Niederlage mehr als achtbar aus der Affäre. Florence war nach dem Spiel “stolz auf die Spieler”. Doch das darf sie auch auf sich selbst, ihren Mann und die gesamte Academy sein. Danke, dass wir da sein durften. eb

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Da die Sports Connect Academy erst noch dabei ist eine Homepage zu realisieren, können wir leider noch nicht auf eine solche verweisen.

Viel Spaß aber mit einigen der gesammelten Impressionen aus Kenia!

Weitere Fussballkultour-Links:

Kinshasa Driveby

Vor dem Frühstück in Botswana

 

 

 

 

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