St. Pauli – BTSV

 

 FC Sankt Pauli – Eintracht Braunschweig

12.05.2013, 2. Bundesliga, Stadion am Millerntor, Endstand: 5:1

Nach langer Zeit wollten wir mal wieder Fanzug fahren, und dann nach Sankt Pauli zu einem Feierspiel – die Phantasie suggerierte bei diversen Reisenden so einige wilde Szenarien. Angefangen bei überheblichem “Heute gehen die Braun-Weißen den ersten Schritt in Liga 3″ über “Wir fahren nur zum Feiern hin” bis zu pessimistischem “Das wird doch heute mal wieder nix, wie immer” konnte man das ganze Spektrum vernehmen. Tatsächlich ging es für die abstiegsbedrohten Hamburger noch um alles, während die Eintracht “nur noch” die Saison anständig beenden wollte. Vom Hauptbahnhof aus ging es per U-Bahn bis zum Heiligengeistfeld weiter. Leider war die Bewegungsfreiheit wie so oft durch enorme und übertrieben halsstarrige Polizeipräsenz komplett beschnitten, sodass es nicht möglich war, noch ein paar Eindrücke aus dem Stadtteil zu sammeln, geschweige denn auf die Toilette der direkt angrenzenden Tankstelle zu gelangen.

Hamburg, Sankt Pauli

Kurz nach Betreten des Gästebereichs, einer Stahlrohrtribüne wegen der Baumaßnahmen am Millerntor-Stadion, begann dann auch schon der Countdown zum Spiel. Zum Anpfiff war die Stimmung im Gästebereich super, aber was dann folgte hatte so sicher niemand erwartet, und eines Bundesligaaufsteigers würdig war es auch nicht. Um mich nicht unnötig in Rage zu schreiben möchte ich es so sagen: Der Klassenerhalt wurde dem FC St. Pauli auf dem Silbertablett serviert und 75 Minuten lang förmlich aufgedrängt. Mit dem 2:0 zur Pause konnte man noch leben, schließlich hatte Eintracht schon öfter erst nach Wiederbeginn ein paar Gänge höhergeschaltet – doch auch das letzte bisschen Hoffnung zerschlug sich alsbald, und der zweite Durchgang war nahe einer erneuten Demütigung durch die hoch motivierten Kiezkicker (ich erinnere hier an das 1:7 aus 2002 und das 1:2 gegen die halbe A-Jugend aus dem Aufstiegsjahr 2005), wenn der Aufstieg nicht zum Glück schon festgestanden hätte. Trotzdem konnte man mit der Teamleistung natürlich nicht ansatzweise zufrieden sein, denn es fehlte an fast allem – die ironischen “Auswärtssieg”-Rufe nach dem Braunschweiger Ehrentreffer fehlten dagegen nicht.

Hamburg, Sankt Pauli Sehr schade für die vielen mitgereisten Fans, die sich den Allerwertesten aufgerissen haben um hier dabei sein zu können, deren Ärger konnte ich gut verstehen. Kurz zur Vorgeschichte: Nachdem der Kartenverkauf für diese Begegnung in der letzten Saison so katastrophal lief, gingen von den 1800 verfügbaren Gästetickets diesmal 500 an die Fanclubs, 800 in den Sondervorverkauf für die 13.000 Dauerkarteninhaber und die letzten 500 in den freien Vorverkauf. Ausschließlich online oder per Telefon (von 9:57 bis 13:10 mit Festnetz und Handy im Wechsel!) konnte nur je eine Karte bestellt werden, diese musste dann innerhalb einer gewissen Frist persönlich am Stadion abgeholt werden.

Hamburg, Sankt Pauli Jedenfalls wurden nach Abpfiff noch Ebbers und Bruns, die beide noch ein letztes Tor für ihren langjährigen Club erzielen konnten, von den Pauli-Fans wie gewünscht mit reichlich Kuscheltieren, die von den Rängen geworfen wurden, verabschiedet, und nebenbei freute man sich sicher auch über ein weiteres Jahr Zweite Liga, während man sich in Braunschweig sicher keine Freunde in Aue und Dresden gemacht hat. Egal, an einer stimmungsvollen Rückreise hat das alles nichts geändert, der Frust wurde einfach weggesungen und -erzählt. Und trotz eines langen Tages gilt die alte Partyregel immer noch: Schau, wo du einschläfst. Denn wer einnickt darf sich über gewisse Verschönerungen nicht beschweren – tat er auch nicht. Alle Nicht-Einträchtler möchte ich um Nachsicht bitten, aber ich muss einfach noch dezent darauf hinweisen, dass der nächste Auswärtsbericht mit Beteiligung des Braunschweiger TSV Eintracht von 1895 aus der verdammten Bundesliga(!) erfolgen wird.

 

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